Meerenge Bab al-Mandab: Huthis verschärfen die Ölkrise

Die jemenitische Miliz hat die Meerenge Bab al-Mandab unter ihre Kontrolle gebracht. Das schränkt den Welthandel mit Öl weiter ein. Eine Lösung scheint nicht in Sicht.
Die Angriffe der vom Iran unterstützten jemenitischen Huthi-Rebellen auf eine wichtige saudische Pipeline und die Besetzung der Inseln an der Meerenge Bab al-Mandab lassen die Ölpreise weltweit wieder deutlich steigen. Denn die für den Welthandel wichtige Meerenge, die den Golf von Aden mit dem Roten Meer verbindet, war eine seit dem Irankrieg ausgebaute Umgehung der weitgehend gesperrten Straße von Hormus im Persischen Golf.
Auch wenn am Sonntag der Ölpreis wieder etwas nachgab, scheint er sich jetzt oberhalb der 100-Dollar-Marke pro Barrel (je 159 Liter) festzusetzen. Denn die Internationale Energieagentur (IEA) hat gerade ihre Prognose für das weltweite Ölangebot im Jahr 2026 um weitere 1,4 Millionen Barrel pro Tag nach unten korrigiert. Sie rechnet nun mit einem Einbruch des Ölangebots um 5,7 Millionen Barrel täglich, da sich die Erholung am Golf nun auf 2027 verschieben werde.
Verschärft wurde die Lage durch den sich ausweitenden Bürgerkrieg im Jemen: Dort setzt die mit Iran verbündete Huthi-Miliz ihren Vormarsch fort und verschärft ihre Angriffe auf Saudi-Arabien. Die von Riad unterstützten jemenitischen Regierungstruppen meldeten am Sonntag Angriffe auf Huthi-Stellungen im Südwesten des Jemen. Huthi-Militärsprecher Jahja Saree schrieb hingegen am Sonntag im Onlinedienst X, die Miliz habe den Armeestützpunkt Scharurah im Süden Saudi-Arabiens mit Drohnen und Raketen angegriffen.
Die Huthis kontrollieren bereits weite Teile Jemens, darunter die Hauptstadt Sanaa. Zuletzt hatten die sich selbst „Helfer Allahs“ nennenden schiitischen Rebellen strategisch wichtige Inseln am Bab al-Mandab besetzt und den Hafen von Mokka am Roten Meer eingenommen. Dadurch können saudische Tanker nicht mehr sicher in den Golf von Aden und damit weiter nach Indien oder China fahren.
Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:
Externen Inhalt erlauben
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung
Meerenge Bab al-Mandab war Alternativroute für die geschlossene Straße von Hormus
Diese Route hatte der weltgrößte Ölkonzern Saudi-Aramco nach der Schließung der Straße von Hormus durch Iran ausgeweitet. Dazu wurde die 1982 erbaute East-West-Pipeline vermehrt genutzt: Hatte das Königreich bisher durch diese Ost-West-Route den Westteil des Landes mit täglich 2 Millionen Barrel Rohöl aus dem ölreichen Osten versorgt, so wurden seit der Schließung der Straße von Hormus weitere 5 Millionen Barrel pro Tag zum Hafen Yanbu gepumpt; zur Verschiffung vom Roten Meer aus. 70 Prozent seiner Exporte hatte Aramco so umgeleitet.
Nach Angriffen am Wochenende wurde der Betrieb der Pipeline eingestellt. Das saudische Rohölangebot brach bereits Ende August auf nur noch 6 Millionen Barrel pro Tag ein – den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten. Die IEA sieht dramatische Folgen: „Die Ölexporte aus den Golfstaaten lagen im August bei etwa 13 Millionen Barrel pro Tag – nur etwa die Hälfte des Vorkriegsniveaus“, heißt es in ihrem jüngsten Marktbericht.
IEA-Direktor Fatih Birol sprach bereits vor der De-facto-Schließung des Roten Meeres zumindest für saudische Tanker von der „größten Energiesicherheitskrise, die die Welt jemals erlebt hat“. Iran und seine Verbündeten haben nun Kontrolle über zwei der wichtigsten Handelsengpässe der Welt. Die Belastung für die Weltwirtschaft, die auf die Beeinträchtigungen des Schiffsverkehrs nun folgt, dürfte sich laut Energiefachleuten weiter verschärfen.
Die Belastung für die Weltwirtschaft dürfte sich weiter verschärfen
Rebecca Babin, eine der führenden Ölanalystinnen der Welt von der Investmentgesellschaft CIBC Private Wealth, erklärte, die Schließung der Straße von Hormus sei „bereits eine beispiellose Versorgungsstörung“ gewesen. „Doch die Preise blieben erstaunlich stabil, weil der Markt Umgehungslösungen fand – etwa durch Umleitung von Öl durch das Rote Meer und Bab al-Mandab.“
Ölindustrie bereitet sich auf jahrelangen Krieg vor
Nun ist auch der Bab al-Mandab zumindest für den weltgrößten Ölexporteur dicht. Und die Ölindustrie bereitet sich auf einen jahrelangen Krieg zwischen den USA und Iran vor, mit Ölpreisen, die voraussichtlich länger auf hohem Niveau bleiben werden. Zudem trägt nicht nur der hohe Preis für Rohöl allein dazu bei, sondern unter anderem auch Frachtkosten für den Transport von Rohöl und Versicherungskosten.
Es gibt nur zwei Hoffnungen: Die IEA rechnet damit, dass der weltweite Ölverbrauch in diesem Jahr um 2,5 Millionen Barrel täglich sinken wird. Und China könnte seinen Öldurst möglicherweise noch schneller eindämmen als geplant, unter anderem, indem es sein Ziel von 70 Prozent Elektroautos bereits vor 2030 erreichen könnte. Im August waren bereits 65 Prozent der in der Volksrepublik verkauften Autos elektrisch.
Bab al-Mandab ist 26 Kilometer breit und wird täglich von Tankern mit 6,2 Millionen Barrel Öl und Raffinerieprodukten durchfahren (sowie von etwa 80 Prozent des nach Norden in Richtung Europa transportierten Flüssigerdgases). Durch die Straße von Hormus kamen ohne Sperrung etwa ein Viertel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
Huthi-Miliz im Jemen Jemenitische Armee nur ein Papiertiger
Wie konnten die Huthi-Rebellen so schnell im Jemen vorrücken? Analysten gehen von Verrat aus. Und 80 Prozent der jemenitischen Armee soll nur auf dem Papier existieren.
Von Najm Aldain Qasem und Lisa Schneider
Krieg in Jemen Die Huthi-Rebellen übernehmen den Jemen
Im Jemen hat die Huthi-Miliz die Hafenstadt Mokka eingenommen – und blockiert zudem die für den internationalen Schiffsverkehr wichtige Meerenge Bab al-Mandab.
Von Najm Aldain Qasem und Lisa Schneider
Chaos im Jemen Die blutige Rückkehr der Huthis
Seit Jahren schwelt ein gewaltsamer Konflikt im Jemen. Regierungstruppen und Huthi-Miliz liefern sich erbitterte Kämpfe. Eine Lösung ist nicht in Sicht.
Von Lisa Schneider und Najm Aldain Qasem
10 Ausgaben für 10 Euro
Die Wochenzeitung mit taz-Blick
Wir schauen den Superreichen auf die Finger. Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die woanders nicht gehört werden.
- Jeden Samstag als gedruckte Zeitung frei Haus
- Zusätzlich digitale Ausgabe inkl. Vorlesefunktion
Jetzt kennenlernen
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.