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Thursday, October 22, 2026

Bevölkerungsschutz: Wie Schweden für den Ernstfall vorsorgt

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Menschen in einem Zivilschutzbunker in Grums, Schweden.

Stand: 22.10.2026 • 18:35 Uhr

Kriege, Extremwetter, Terror: Schweden bereitet seine Bevölkerung auf den möglichen Ernstfall vor - etwa mit einer Broschüre und Übungen. Denn klar ist auch: Im Fall der Fälle müssen die Menschen erstmal alleine klarkommen.

Jana Sinram

Ende September im kleinen Örtchen Grums in Mittelschweden: Lars-Göran Wadén erwartet eine spannende Nacht. Zusammen mit rund 40 anderen lässt sich der Rollstuhlfahrer in einem Bunker einschließen.

"Es fühlt sich bedeutsam an, als Person mit einer Behinderung an einer solchen Übung teilzunehmen und seine Erfahrungen teilen zu können", sagt er. Schutzräume lägen normalerweise im Keller, wo es Treppen gebe. "Es geht also darum, wie ich überhaupt dort herunterkomme. Und dann muss man versuchen, irgendwie zur Toilette zu kommen, wenn man länger dort unten ist. Soweit ich weiß, gibt es einfach einen Eimer, auf dem man seine Bedürfnisse in eine Tüte erledigen soll."

Übung im Rahmen der Bereitschaftswoche

Eine Nacht im Bunker ohne fließendes Wasser und Strom, auf Matratzen auf dem Boden - auch für die anderen Teilnehmer keine alltägliche Erfahrung. Die Stimmung ist bei den meisten trotzdem gut. "Ich habe eine richtig gemütliche Ecke gefunden mit viel Platz", sagt etwa Eva Nordström. "Ich habe viele Sachen mitgenommen, eine Stirnlampe zum Beispiel."

Nordström nimmt ebenfalls freiwillig an der Übung im Rahmen der 10. schwedischen Bereitschaftswoche teil. Zu solchen Anlässen engagierten sich viele Kommunen und auch private Unternehmen, unterstreicht Anna Lihr von der schwedischen Behörde für Bevölkerungsschutz:

Wir haben in Schweden große Schritte unternommen, um das Bewusstsein dafür zu stärken, wie wichtig Krisenvorsorge ist. Wir heißen heute Behörde für Zivilverteidigung, arbeiten eng mit den Streitkräften zusammen und sprechen wieder viel stärker über die Gesamtverteidigung. So mobilisieren wir die Fähigkeiten der gesamten Gesellschaft.

Konzept aus der Zeit des Kalten Krieges

Gesamtverteidigung heißt: Im Fall eines militärischen Angriffs können alle Menschen in Schweden zwischen 16 und 70 für militärische oder zivile Aufgaben herangezogen werden. Das Konzept stammt noch aus der Zeit des Kalten Krieges.

Was zu tun wäre, wenn das Land angegriffen wird, können die Schweden auch in einer Broschüre nachlesen, die Lihrs Behörde vor einiger Zeit an alle Haushalte verschickt hat. Darin wird zum Beispiel erklärt, wie man sich vor Luftangriffen schützt und welche Vorräte nötig sind, um im Ernstfall sieben Tage ohne Hilfe der Behörden zu überleben. Alarmismus? Nein, sagt Lihr.

Es ist natürlich ein Balanceakt. Aber wir müssen darüber sprechen, dass wir es mit einer ernsten Bedrohung zu tun haben. Wir wollen die demokratische Gesellschaft, in der wir leben, schützen. Und wir beobachten in unserer Umgebung eine Entwicklung, die besorgniserregend ist.

Krisenbewusstsein in der Bevölkerung

Sorgen macht den schwedischen Behörden Russlands Krieg gegen die Ukraine, aber auch hybride Bedrohungen und die zunehmende Gefahr von Extremwetterereignissen. Auch in der Bevölkerung gebe es ein Krisenbewusstsein, sagt Alexander Cedergren, Assistenzprofessor für Gesellschaftssicherheit an der Universität Lund.

Viele sind sich der Lage bewusst und sehen, was in der Welt geschieht. Und viele sehen die Notwendigkeit, sich vorzubereiten. Ich glaube, dass die meisten Bürger die Arbeit der Behörden anerkennen. Und gleichzeitig gibt es natürlich Fragen, wie wir uns als Gesellschaft am besten auf verschiedene Arten von Bedrohungen vorbereiten.

Diskutiert wird zum Beispiel, ob neue Schutzräume gebaut werden sollten. 64.000 gibt es schon in Schweden. Sie sollen Platz für etwa 70 Prozent der Bevölkerung bieten. In den vergangenen 20 Jahren seien bei größeren Wohnungsbauprojekten aber keine Schutzräume mehr gebaut worden, sagt Cedergren. Und es seien auch längst nicht alle in Schweden gleich gut auf den Ernstfall vorbereitet.

Krisenübungen wie die in Grums findet der Forscher sinnvoll, darüber sei viel in den Medien berichtet worden. "Das führt zu einer Sensibilisierung und trägt zu einem allgemeinen Krisenbewusstsein bei."

"Ich habe mehr Fragen als vorher"

Nach zwölf Stunden im unterirdischen Bunker sind in Grums alle Teilnehmenden froh, das Tageslicht wiederzusehen. Es sei ein beängstigendes Gefühl, sein Leben in die Hände anderer zu legen, so Rollstuhlfahrer Lars-Göran Wadén: "Ich habe mehr Fragen als vorher. Für Menschen im Rollstuhl ist das hier nicht problemlos zu bewältigen."

Selbst bei vorbildlicher Krisenvorsorge wie in Schweden ist also immer noch Luft nach oben. Eva Nordström jedenfalls ist sich nach der Übung völlig sicher, was sie zuhause als Erstes tun will: "Duschen!"

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