BKA-Lagebild: Kriminelle Gruppen werden digitaler und brutaler
BKA legt Bericht für 2025 vor Kriminelle Gruppen werden digitaler und brutaler
Stand: 15.09.2026 • 13:19 Uhr
Das BKA beobachtet einen tiefgreifenden Wandel der Organisierten Kriminalität. Banden agierten international, digital vernetzt - und brutaler. Täter würden inzwischen auch über Soziale Medien angeworben.
Das Bundeskriminalamt (BKA) sieht eine wachsende Bedrohung durch die Organisierte Kriminalität in Deutschland. Dies geht aus dem Bundeslagebild Organisierte Kriminalität für das vergangene Jahr hervor, das in Berlin vorgestellt wurde.
BKA-Chef Münch verwies dabei auf einen tiefgreifenden Wandel in der Organisierten Kriminalität: "Organisierte Kriminalität verändert ihr Gesicht: Kriminelle Netzwerke agieren heute viel stärker digital vernetzt, international und arbeitsteilig." Dem Lagebild zufolge wiesen 69 Prozent der Ermittlungsverfahren einen transnationalen Bezug auf.
Was ist Organisierte Kriminalität?
Organisierte Kriminalität bedeutet, dass mindestens zwei Personen gemeinsam und über einen längeren Zeitraum geplante Straftaten begehen. Dabei geht es ihnen um Geld oder Macht. Sie verfolgen ein gemeinsames Ziel. Dabei können sie Gewalt oder Drohungen einsetzen, um andere einzuschüchtern, oder Politik, Medien, Behörden, Gerichte oder die Wirtschaft zu ihren Gunsten beeinflussen. Dazu können sie auch gewerbliche Strukturen aufbauen.
Mehr Verfahren, mehr Tatverdächtige
Die Zahl der Ermittlungsverfahren nahm 2025 zu. Insgesamt waren es 683 Verfahren und damit so viele wie seit 2021 nicht mehr. Um mehr als 13 Prozent stieg die Zahl der Tatverdächtigen - auf den höchsten Wert der vergangenen fünf Jahre.
Unter den 7.988 Tatverdächtigen, die im vergangenen Jahr ermittelt wurden, waren 2.722 deutsche Staatsbürger, 664 Menschen mit türkischem Pass, 402 Syrer, 281 Albaner und 258 Menschen mit polnischer Staatsangehörigkeit.
Rauschgiftkriminalität machte im Berichtsjahr erneut mit Abstand den Großteil der OK-Ermittlungsverfahren aus, gefolgt von Kriminalität im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben, Steuer- und Zolldelikten, Schleuserkriminalität, Eigentumsdelikten und Geldwäsche. In 31 Ermittlungsverfahren ging es primär um Gewaltkriminalität.
Banden setzen auf exzessive Gewalt
Kriminelle Banden in Deutschland greifen zudem immer häufiger zu exzessiver Gewalt, um ihre Opfer einzuschüchtern und Machtansprüche durchzusetzen - auch gegenüber rivalisierenden Gruppen.
Als ein Beispiel für die Brutalität, mit der viele Täter inzwischen vorgehen, nennt das BKA eine Serie von Explosionen und Schussabgaben im Großraum Köln seit Sommer 2024, die auf den Diebstahl einer Rauschgiftlieferung zurückzuführen sind. Zugenommen haben demnach zuletzt auch die Fälle, in denen Gewalttaten wie eine Dienstleistung bestellt oder durch eigens dafür rekrutierte Minderjährige verübt werden.
Teenager für Gewalttaten rekrutiert
Da sich dieses vergleichsweise neue Phänomen der Anwerbung der Täter über soziale Medien "sehr dynamisch entwickelt", sei ein fortlaufender Austausch mit den Service-Providern notwendig, hält das BKA fest. Unter den angeheuerten Tätern seien sogar 13-Jährige. Auftraggeber und derjenige, der die Tat ausführt, begegnen sich dabei oft überhaupt nicht.
Solche kriminellen Dienstleistungen funktionierten nach dem Prinzip "Einer plant, einer bezahlt, einer schlägt zu", erläuterte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Vorstellung des BKA-Lagebilds. "Kriminelle Netzwerke agieren heute viel stärker digital vernetzt, international und arbeitsteilig. Auch geopolitische Konflikte können von ihnen genutzt werden", heißt es von BKA-Präsident Holger Münch.
"Während Abschottung lange ein Kennzeichen der OK war, inszenieren insbesondere jüngere kriminelle Akteure - die sogenannte 'Gen-Z-Mafia' Macht, Status und Gewalt zunehmend in den sozialen Medien", teilt das BKA mit.
Mehr Waffen als im Vorjahr
Zum dritten Mal in Folge stieg 2025 der Anteil der Tatverdächtigen, die bewaffnet waren. Er lag im vergangenen Jahr bei 5,8 Prozent. In 30,3 Prozent der OK-Verfahren, die von den Dienststellen aus Bund und Ländern gemeldet wurden, stieß die Polizei auf bewaffnete Tatverdächtige.
Im Vorjahr war dies in 28,4 Prozent der Ermittlungsverfahren der Fall gewesen. Drei Viertel der insgesamt 556 im OK-Kontext aufgefundenen Waffen waren illegale Waffen. Das heißt, die Tatverdächtigen besaßen dafür keine waffenrechtliche Erlaubnis.
Die erhöhte Verfügbarkeit von Schusswaffen hängt den Angaben zufolge auch mit Fälschungen zusammen. Diese würden vor allem aus der Türkei in die Bundesrepublik geschmuggelt. Die Nachbauten seien optisch teilweise schwer vom Original zu unterscheiden. Die Fälschungen sind funktionstüchtig, haben nach BKA-Angaben jedoch in der Regel gewisse technische Mängel.
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