Linux-Kernel: Maintainer wollen „Assisted-by“-Tag streichen
KI-gestützte Patches für den Linux-Kernel benötigen künftig keinen „Assisted by“-Tag in der Commit-Nachricht mehr. Dafür sprach sich eine Mehrheit der rund 30 geladenen Entwicklerinnen und Entwickler auf dem Maintainers Summit aus, der am 8. Oktober in Prag stattfand.
Ganz umgesetzt ist dieser Konsens noch nicht. Auf der Linux-Kernel-Mailingliste ist ein entsprechender Patch indes schon eingereicht. Sasha Levin, Distinguished Software Engineer bei Nvidia und Co-Maintainer der Stable- und LTS-Kernel, beantragte dort am 9. Oktober, die Tag-Vorgabe aus der Dokumentation zu streichen. Der zuständige Maintainer Jonathan Corbet hat den Patch inzwischen in den Entwicklungszweig docs-next übernommen, in den Mainline-Kernel muss er es aber noch schaffen.
Die Chancen dafür stehen gut, denn Linus Torvalds und Greg Kroah-Hartman, ebenfalls einer der prominentesten Kernel-Entwickler, unterstützen die Änderung. Auf der Mailingliste sind die Meinungen allerdings geteilt.
Richtlinie bringt wenig bis gar nichts
Was Entwickler bei KI-gestützten Kernel-Patches beachten müssen, regelt seit Linux 7.0 die Richtlinie AI Coding Assistants, basierend auf dem Konsens des Maintainers Summit 2025 und einem am 23. Dezember 2025 eingereichten Patch, den Jonathan Corbet im Januar 2026 absegnete.
Seitdem werden Entwicklerinnen und Entwickler darum gebeten, einen „Assisted by“-Tag für ihre Commits zu verwenden, wenn diese mithilfe eines fortgeschrittenen Coding-Tools wie eines LLM zustande kommen. Initiiert hatte die Richtlinie ebenfalls Sasha Levin, der nun für die Abschaffung des Tags plädiert hat. Ein erster Vorschlag, ihn zu streichen, war im Juli noch gescheitert; damals hatte sich auch Kroah-Hartman für die Beibehaltung ausgesprochen.
Die Begründung für die Abschaffung reichte Levin in seinem überarbeiteten Patch vom 13. Oktober nach: Nur rund 10 Prozent der 18.533 Commits in Linux 7.3 bis -rc7 tragen den Tag, Merge-Commits nicht mitgezählt. Tatsächlich werde KI aber viel häufiger eingesetzt. Manche Entwickler kennen die Regel laut Levin nicht, andere lassen den Tag absichtlich weg, und kaum ein Maintainer fragt nach. Ein fehlender Tag sage deshalb nichts darüber aus, wie ein Patch entstanden ist. Bei Entwicklern, die KI für fast alles nutzen, sage aber auch ein gesetzter Tag wenig.
Der Grundgedanke, Maintainern Transparenz über die Entstehung eines Patches zu verschaffen, soll aber weiterhin gelten. Wie KI-Tools eingesetzt wurden, sollen Entwickler künftig im Cover-Letter beschreiben, der Begleitmail zu einem Patch oder einer Patch-Serie. In die Commit-Nachricht gehört es nicht mehr.
Landet der Patch im Mainline-Kernel, erschließt sich aus der Git-Historie künftig nicht mehr direkt, welche Änderungen mit KI-Hilfe entstanden sind. Verlässlich war das allerdings schon bisher nicht. Unverändert bleibt die Verantwortung: KI-Agenten dürfen keine Signed-off-by-Zeile setzen.
Auch Linus Torvalds nutzt LLMs
Linus Torvalds hält wenig von Regeln für KI-Werkzeuge. Regeln, die den Einsatz bestimmter Werkzeuge verbieten, nennt er „stupid“. Er erwarte, dass Leute verstehen, was sie tun. Mit den verwendeten Werkzeugen habe dieses Verständnis aber wenig zu tun.
Torvalds hat fast zeitgleich mit dem Summit selbst Kernel-Code mit einem LLM entwickelt. In der Commit-Nachricht schreibt er, der Code, die Testprogramme, die Prüfung, auf der die Liste bekannter Probleme beruht, und der erste Entwurf des Textes seien mit Claude Code unter seiner Anleitung entstanden. Die Patches sollen das Lesen aus dem Page-Cache deutlich beschleunigen, wenn viele Threads gleichzeitig kleine Blöcke aus derselben Datei lesen.
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