Albanien: Proteste gegen Regierung weiten sich aus
Schon länger protestieren junge Menschen in Albanien gegen Missstände im Hochschulwesen und gegen die Regierung des Landes im Westbalkan. Am Dienstagabend folgten einer friedlichen Demonstration vor dem Bildungsministerium in Tirana Ausschreitungen in der Hauptstadt.
Der gewaltsame Protest hat sich mittlerweile auf weitere Städte ausgeweitet. In Korçë warfen die Protestierenden Medienberichten zufolge Steine und Molotowcocktails auf Schulen. Zu weiteren Protesten kam es in den Städten Durrës und Lushnja. In Tirana versuchten Demonstrierende erneut, sich dem Bildungsministerium zu nähern, worauf die Polizei mit Tränengas reagierte.

Seit Dienstag hatten Randalierer im Zentrum der Hauptstadt unter anderem eine Bank und Räume einer Universität verwüstet. Demonstranten drangen zudem gewaltsam in mehrere Regierungsgebäude ein und setzten mindestens eines davon in Brand.
Während der vergangenen zwei Tage wurden in Tirana insgesamt fast 100 Polizisten verletzt und mehr als 100 mutmaßliche Randalierer festgenommen. Wegen der Gewalt auf den Straßen vertagte das Parlament des südeuropäischen EU-Kandidatenlandes vorsichtshalber eine für diesen Donnerstag geplante Plenarsitzung auf kommende Woche.
Rama macht Opposition verantwortlich
Ministerpräsident Edi Rama veröffentlichte im Internet ein Video, das ihn bei einem Rundgang durch ein ausgebranntes Büro auf einem Hochschulcampus in Tirana zeigt. "Bis gestern war dies das Büro des College of Europe, der Schule eines vereinten Europas", sagt Rama in dem Clip. Nun sei es eine Ruine. Doch nicht Studierende seien dafür verantwortlich, sondern Oppositionspolitiker.
Diese wollten mit den gewaltsamen Protesten verhindern, dass Albanien ein Beitritt in die Europäische Union gelinge, zitieren albanische Medien den Sozialisten. Die Opposition, so Rama, versuche mit "Feuern und Eisen" Albanien in den Abgrund zurückzubringen, aus dem alle das Land herausgezogen hätten.
Der Zorn der Studierenden richtet sich gegen schlechte Studienbedingungen, hohe Ausbildungskosten und fehlende berufliche Perspektiven. Sie fordern aber auch Ramas Rücktritt, der seit 2013 in dem Balkanland regiert.
"Wir wollen ein besseres Albanien", sagte Journalismusstudentin Teftalia Papa der Nachrichtenagentur AFP. Ein Land, in dem das "Gesundheitswesen die Grundstandards bietet", die jeder Bürger verdiene, das Bildungswesen "angemessene Bedingungen und Chancengleichheit" gewährleistet und sich Studierende das Studium und den Lebensunterhalt leisten können, ohne "von steigenden Kosten erdrückt" zu werden. "Wir wollen eine Regierung, die für ihr Volk arbeitet, nicht gegen es", so Papa.
Seit Monaten sich verstärkender Unmut
Der allgemeine Unmut gegen Rama und gegen die gesamte politische Führung hatte sich bereits vor Monaten verstärkt. Damals wurde bekannt, dass die Regierung ein Immobilien-Projekt in einem Naturschutzgebiet an der albanischen Adriaküste unterstützt.

Hinter den Plänen, dort ein Luxusressort zu bauen, steht Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Die seither täglich laufenden Protestdemonstrationen sind als "Flamingo-Revolution" bekannt, weil in dem Naturschutzgebiet auch Flamingos leben.
Albanien verhandelt inzwischen relativ fortgeschritten über einen Betritt zur Europäischen Union. Viele seiner Bürger empfinden zugleich die politischen Eliten als gierig, korrupt und inkompetent.
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