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Wednesday, October 28, 2026

16 spezielle Rufe, auch beim Sex: Sperbergeier sind bei ihren Lauten so vielfältig wie Affen

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16 spezielle Rufe, auch beim SexSperbergeier sind bei ihren Lauten so vielfältig wie Affen

28.10.2026, 12:17 Uhr

Sperbergeier (2)
Sperbergeier kommunizieren vielfältiger als bisher gedacht: Ein leises "Hmm" kommt schon aus dem Ei, Bettelrufe sind schrill, beim Sex kommen tiefe Laute. (Foto: Connor Proudfoot/dpa)

Bisher hielten Forscher Sperbergeier für eher stille Vögel. Doch ihr Lautrepertoire reicht an das von Makaken heran, zeigt eine Studie mit 2500 Lautäußerungen. Besonders markant klingen die Männchen beim Sex.

Sperbergeier haben ein größeres Repertoire an Lauten als viele andere Vögel. Sie nutzen spezielle Laute beim Füttern, bei Konflikten oder beim Sex, wie ein niederländisches Team im Fachjournal "PLOS One" berichtet. Es hat rund 2.500 Lautäußerungen aufgenommen, die 35 Tiere von sich gegeben haben.

Im Gegensatz zu vielen anderen Geiern sind die Arten der Gattung Gyps, zu denen auch Sperbergeier (Gyps rueppelli) gehören, ausgesprochen sozial. Sperbergeier brüten in Afrika in Kolonien von oft Hunderten Paaren, suchen in lockeren Gruppen nach Nahrung und ernähren sich vor allem von den Kadavern großer Huftiere.

"Innerhalb der Gruppen herrscht eine Hierarchie: Manche Vögel stehen höher im Rang als andere", sagt Erstautor Connor Proudfoot von der Universität Utrecht. "In einer so großen Kolonie bilden die Tiere manchmal auch kleinere Gruppen, um gemeinsam nach Nahrung zu suchen. Und wenn sie einen Kadaver finden, treffen sie oft auf Dutzende anderer Geier und müssen um einen Platz konkurrieren."

Verteidigung des Kadavers mit Zischlauten und Drohgebärden

Nach einer verbreiteten Forscherhypothese haben viele Arten mit einem komplexen Sozialleben eine vielfältige Kommunikation, schreibt das Team. Sperbergeier galten nach Studienangaben bislang jedoch als relativ still und sollten nur ein begrenztes Lautrepertoire aufweisen. Das Forschungsteam fand bei seiner Lauschaktion in zwei niederländischen Zoos nun das Gegenteil heraus:

Die Geier stießen leise Zischlaute als Drohung aus, vor allem, wenn sie Fleisch vor Artgenossen verteidigten. Manchmal waren diese mit einem Pfeifen durchsetzt. Gelegentlich setzten sie diese Laute auch ein, um Nester oder Ruheplätze zu verteidigen. Die Lautäußerungen wurden häufig von Drohgebärden begleitet: ausgebreitete Flügel, ein gestreckter Hals, Stampfen mit den Füßen und schnelle, stoßartige Halsbewegungen in Richtung des Konkurrenten.

Dieser wiederum forderte ein bereits bewachtes Stück Aas mit einem lauten, schrillen Brüllen ein, das nach Studienangaben an den Ruf eines Esels erinnert. Steigerte sich der Konflikt, wurde die Stärke des Tons erhöht. Der Angreifer wiederholte die Laute häufig, bis er entweder Zugang zu dem Fleischstück erhielt oder vom bewachenden Tier bedroht oder vertrieben wurden.

Rufe teils aus großer Entfernung hörbar

Besondere Rufe stießen die Männchen beim Sex aus: "Die Laute sind vergleichsweise heiser, tief und laut und noch aus einer Entfernung von mindestens 20 Metern hörbar", schreibt das Team. Das auffällige und zudem häufige Kopulieren könnte nach einer Hypothese der Revieranzeige dienen. Rufe von Weibchen wurden dabei nicht registriert.

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Insgesamt registrierte das Forschungsteam bei Sperbergeiern 16 unterschiedliche Rufe, weit mehr als bei Vögeln üblich. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Die Nachkommen produzierten bereits vor dem Schlüpfen ihre ersten Töne: Leise "Hmm"-Laute werden der Studie zufolge im Ei erzeugt, nachdem das Küken die Luftkammer angepickt hat und mit der Lungenatmung beginnt. Sie dienen nach Forschangaben vermutlich der Kontaktaufnahme zu den Eltern. Während des Schlüpfens äußern die Küken dann eher eine Art Gurren.

Hunger signalisiert der Nachwuchs deutlich mit scharfen Schreien, den Bettelkreischlauten. Die Eltern stoßen dagegen ein kurzes, kehliges Grunzen beim Hervorwürgen von Nahrung im Nest aus. Es signalisiert dem Küken, dass Futter bereitsteht.

Lautrepertoire gleich dem von Affen

Insgesamt registrierte das Team 16 unterschiedliche Rufe und damit weit mehr als bei Vögeln üblich. "Eine Studie an über 800 Vogelarten ergab, dass Vögel durchschnittlich sechs bis acht Rufe haben", sagt Proudfoot. "Diese Geier kommunizieren vokal auf eine ähnliche Weise wie Makaken und andere Affenarten."

Manche Geierlaute waren klar voneinander abgegrenzt, andere gingen fließend ineinander über. "Diese Vermischung der Rufe zeigt die Flexibilität der Vögel in ihrer Kommunikation", sagt Proudfoot. "Sie können beispielsweise nicht nur ihre Aufregung ausdrücken, sondern auch, wie groß diese ist." Das Lautrepertoire der Sperbergeier sei wesentlich komplexer als bisher angenommen, unterstreicht das Team in der Studie.

Zugleich verweist es auf die rapide schrumpfenden Zahl der Tiere. Die Bestände des Sperbergeiers seien Schätzungen zufolge in den vergangenen drei Generationen um 97 Prozent zurückgegangen. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN ist die Art als vom Aussterben bedroht gelistet. Gründe seien unter anderem die stark gesunkene Zahl von Kadavern wilder Huftiere, Gift zur Raubtierbekämpfung und Wilderei.

Das Aussterben könne schwerwiegende ökologische Folgen nach sich ziehen, etwa die Ausbreitung von Krankheiten und eine Zunahme von Schädlingen, heißt es in der Studie. Die Erforschung des komplexen Soziallebens und der Kommunikation von Geiern könne dazu beitragen, Schutzmaßnahmen zu verbessern.

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