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Wednesday, September 30, 2026

KI-Tool soll helfen: „Nachhaltigkeit im Krankenhaus muss sich auch rechnen“

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Viele Krankenhäuser sammeln im Hinblick auf die EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) inzwischen umfangreiche Daten – doch aus Zahlen werden nicht automatisch Maßnahmen. Wer Narkosegase auffangen, den Fuhrpark umstellen oder Einwegprodukte ersetzen will, muss das Vorhaben vor der Geschäftsführung mit einem belastbaren Return on Investment (ROI) begründen.

Dass der Bedarf an Orientierung groß ist, zeigt auch die am 25. September gestartete Plattform krankenhaus-nachhaltig.de des Deutschen Krankenhausinstituts und der Deutschen Krankenhausgesellschaft, die Fördermittel und Praxisbeispiele bündelt.

Beim Schritt von den Zahlen zur Maßnahme will das Start-up mirasu ansetzen. Sein KI-gestützter Assistent soll Ideen in Projektpläne übersetzen und CO₂- sowie Kosteneinsparungen durchrechnen. Bislang nutzen acht Kliniken die Software.

Mia Feldmann

Dr. Mia Feldmann unterstützt Krankenhäuser dabei, nachhaltiger zu wirtschaften und Ressourcen zu sparen.

(Bild: Feldmann)

Dr. Mia Feldmann, Mitgründerin des Start-ups mirasu, erklärt im Gespräch, wie ihr KI-gestützter Maßnahmenassistent Kliniken dabei hilft, nachhaltiger zu werden – von Narkosegasen bis hin zur Krankenhauskantine.

Die EU-Regulierung rund um die Nachhaltigkeitsberichterstattung treibt viele Unternehmen um. Warum reicht es nicht aus, sich rein auf das Verfassen solcher Berichte zu konzentrieren?

In der Praxis haben wir schnell gemerkt, dass zwischen zwei Berichtszeiträumen ein großes Vakuum entsteht. Viele Kliniken erfassen zwar mühsam Daten, stehen dann aber vor der Frage: Wie setze ich konkrete Verbesserungen bei Abfall, Energie oder Einwegprodukten eigentlich um? Genau da fehlte bisher ein praxistaugliches Werkzeug.

Zudem müssen Nachhaltigkeits- und Klimaverantwortliche jede Maßnahme intern vor der Geschäftsführung rechtfertigen. Ein Vorhaben wird in der Regel nur bewilligt, wenn der ROI stimmt. Wir setzen genau an dieser Schnittstelle an: Wir übersetzen Vorhaben in handlungsfähige Projektpläne und berechnen klinikspezifisch sowohl das CO₂-Einsparpotenzial als auch die monetäre Ersparnis.

Was ändern Krankenhäuser typischerweise?

Viele Häuser bringen bereits erste Ideen mit. Das reicht vom Umstieg des Fuhrparks auf E-Mobilität bis zu Kantinenkonzepten mit regionalen Lebensmitteln und reduzierten Speiseresten. Ein enormer Hebel im Krankenhaus sind beispielsweise Narkosegase: Sie sind um ein Vielfaches klimaschädlicher als CO₂ und wurden früher einfach abgeblasen. Heute kann man sie auffangen, recyceln oder auf klimafreundlichere Alternativen umstellen. Ein weiterer Klassiker ist die Umstellung bestimmter Medikamente von intravenöser Verabreichung auf Tablettenform – etwa bei Paracetamol. Das spart Material, Pflegeaufwand und Kosten.

Projektvorlage erstellen in miras (Screenshot)

In mirasu lassen sich Projekte für verschiedene Nachhaltigkeitsziele erstellen.

(Bild: mirasu)

Kliniken sehen in unserer Best-Practice-Datenbank anonymisiert, welche Maßnahmen andere Häuser bereits erfolgreich umgesetzt haben, zum Beispiel desinfizierbare Kissen statt energieintensiver Wäschereiprozesse oder der Umstieg auf wiederverwendbare Edelstahlspekula. Wenn ein Projekt für das eigene Haus interessant ist, hinterlegt man die lokalen Verbräuche, und mirasu berechnet automatisiert den Business Case samt Payback-Zeitraum.

Für uns ist Transparenz dabei zentral: Der Nutzer sieht jederzeit, ob eine Kennzahl auf harter wissenschaftlicher Evidenz, Erfahrungswerten von Partnern oder einer fundierten Schätzung beruht.

Wie steht es um den Datenschutz und arbeiten Sie auch mit Patientendaten?

Wir arbeiten komplett ohne Patientendaten. Uns interessieren ausschließlich organisatorische, technische und finanzielle Kennzahlen. Unsere Cloudinfrastruktur steht in Europa und ist ISO-27001-zertifiziert. Zudem wurde mirasu als Nicht-Hochrisiko-KI im Sinne des EU AI Acts eingestuft. Die KI fungiert bei uns als intelligenter Assistent: Sie unterstützt dabei, aus einer Idee strukturierte Projektpläne mit Meilensteinen, Rollenverteilungen und Wirtschaftlichkeitsrechnungen zu generieren und zielgruppengerechte Reports zu erstellen, ob für die Geschäftsführung, Wirtschaftsprüfer oder motivierende Berichte für die Mitarbeitenden auf Station.

Es gibt bereits etablierte Reporting-Tools und Projektmanagementsoftware. Was ist das Alleinstellungsmerkmal von mirasu?

Übliche Reporting-Tools beschränken sich oft rein auf Compliance und Dateneingabe, ohne Umsetzungsfokus oder ROI-Blick. Große Nachhaltigkeitsplattformen wiederum sind generalistisch und verstehen die spezifischen Klinikprozesse nicht. Wenn Quereinsteiger ins Nachhaltigkeitsmanagement eines Krankenhauses kommen, brauchen sie eine Software, die deren Fachsprache spricht. mirasu verbindet tiefe Branchenkenntnis mit einem klaren Fokus auf Wirtschaftlichkeit und konkrete Umsetzung.

Wer nutzt mirasu aktuell, und welche nächsten Schritte planen Sie für die Weiterentwicklung?

mirasu ist ein Start-up und wurde im Januar 2026 gegründet. Seitdem nutzen uns acht Kliniken, die bisher 29 Projekte mit mirasu begleiten. Aktuell liegt unser Fokus auf dem stationären Bereich – von Allgemeinkrankenhäusern über Reha-Kliniken bis zu Fachkliniken. Das sind oft Häuser, die erkannt haben, dass Resilienz und Einsparungen Hand in Hand gehen. Schon zwei bis drei umgesetzte Maßnahmen amortisieren häufig die Jahreslizenz. Perspektivisch rollen wir das Modell auf Pflegeeinrichtungen, ambulante Versorgungszentren und den gesamten Sozialsektor aus, da die grundlegenden Herausforderungen rund um Gebäude, Personal und Beschaffung dort sehr ähnlich gelagert sind.

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