Entstehung unklar: Rückwärts kreisender Exoplanet an ungewöhnlichem Ort entdeckt
Eine internationale Forschungsgruppe hat erstmals einen Exoplaneten entdeckt, der einen vergleichsweise kleinen Stern „rückwärts“ umkreist, ohne dass es dafür einen offensichtlichen Verursacher gibt. Der Himmelskörper trägt die Bezeichnung GJ 3090 b und kommt in etwa auf die Größe des Neptuns. Entdeckt wurde er schon 2022. Zwar kannte man vor der Vermessung seines Orbits schon eine Handvoll Exoplaneten, die ihren Stern entgegen dessen Rotationsrichtung umkreisen, aber bei allen wurden massive Exoplaneten im jeweiligen Sternsystem gefunden, die sie jeweils auf ihre außergewöhnliche Bahn geschubst haben dürften. Bei GJ 3090 b habe man dafür keine Hinweise gefunden, deshalb kommt eine exotischere Erklärung infrage, schreibt die Queen Mary University of London.
„Friedliche“ Entstehung möglich?
Als „rückläufig“ oder „retrograd“ gelten in der Astronomie Objekte, die sich entgegen der Hauptrotationsrichtung in einem System bewegen, beispielsweise um einen Stern oder als Mond um einen Planeten. Weil sich Sterne und ihre Planeten aus derselben rotierenden Staubscheibe bilden, rotieren sie fast ausschließlich in derselben Richtung, weswegen die Ausnahmen umso interessanter sind. GJ 3090 b ist nun zwar nicht der erste retrograde Exoplanet, aber der erste um einen sogenannten Roten Zwergstern. Bei den bisher gefundenen Exemplaren gab es zudem jeweils einen ausreichend massereichen weiteren Exoplaneten oder gar Stern in dem jeweiligen System, der den ursprünglichen Orbit so stark beeinflusst haben könnte, dass er sich schließlich umgekehrt hat. Dafür gebe es bei GJ 3090 b keinen Hinweis.
Dass man keinen Begleiter gefunden habe, der den Exoplaneten in einen derart außergewöhnlichen Orbit gedrückt haben könnte, „legt nahe, dass wir vielleicht anders darüber nachdenken müssen, wie dieses System zu seiner ungewöhnlichen Architektur gekommen ist“, meint der Doktorand Yann Carteret von der Universität Genf. Sein Team meint, dass der Stern nach seiner Entstehung eine zweite, „fehlausgerichtete“ Staubscheibe eingefangen haben könnte. Aus der könnte sich der Planet gebildet haben, der GJ 3090 falsch herum umkreist. Damit wäre keine heftige Kollision nötig gewesen und der Exoplanet hätte Hinweise auf die ungewöhnliche Vergangenheit bewahrt. Um das zu überprüfen, seien aber weitere Analysen notwendig.
Die Entdeckung mache deutlich, dass die Erforschung von Planeten mit ungewöhnlichen Umlaufbahnen mehr als nur Hinweise auf exotische Welten liefern kann, schreibt das Forschungsteam noch. Ihre Bewegungen könnten wie „Fossilien“ der Planetenentstehung „Hinweise auf Ereignisse und Umgebungen bewahren, die ihre Systeme vor Milliarden von Jahren geprägt haben“. Ferner sei GJ 3090 b der kleinste Exoplanet bei einem Roten Zwerg, dessen dreidimensionale Bahnneigung vermessen werden konnte. Damit stelle er ein wichtiges Forschungsobjekt für das Verständnis der Vielfalt von Planetensystemen dar. Die Forschungsarbeit wird in den Astronomy & Astrophysics Letters vorgestellt.
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