Klasse, aber es geht noch besser: Das iPhone Duo ist ein Meisterstück mit Fragezeichen
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Klasse, aber es geht noch besserDas iPhone Duo ist ein Meisterstück mit Fragezeichen
26.10.2026, 20:19 Uhr
Von Klaus Wedekind
Mit dem iPhone Duo ist Apple ein ausgezeichnetes erstes Falt-Smartphone gelungen. Glanzstück ist das Innendisplay mit Nanotextur-Beschichtung. Die Ausdauer ist hoch, die Handlichkeit bemerkenswert. Doch das Gerät zeigt auch Schwächen und wirft Fragen auf.
Seit dem 23. Oktober ist das iPhone Duo verfügbar und die Nachfrage ist offenbar recht groß. Wer jetzt bestellt, bekommt Apples erstes Falt-Gerät voraussichtlich erst Ende Januar. ntv.de konnte das iPhone Duo bereits entfalten und hat ausprobiert, ob es die Wartezeit und mindestens 2300 Euro wert ist.
Der erste Eindruck ist stark. Das Gerät liegt zusammengeklappt ausgezeichnet in der Hand, das OLED-Außendisplay mit 5,4-Zoll-Diagonale lässt sich durch das außergewöhnliche Seitenverhältnis von etwa 1:1,4 bequem mit dem Daumen bedienen. Man spürt aber auch schnell, dass das iPhone Duo mit 254 g nochmals 5 g schwerer als das 18 Pro Max ist.
Das Innendisplay ist eine Wucht
Das vergisst man wiederum schnell, wenn man es aufgeklappt in beiden Händen hält. Denn dann spielt das Gewicht kaum eine Rolle und man ist schwer beeindruckt, wie dünn (5,2 mm) das Duo ist. Vor allem aber fasziniert das OLED-Innendisplay mit 7,6-Zoll-Diagonale. Es weist das gleiche Seitenverhältnis wie das äußere Panel auf und bietet ebenso eine Spitzenhelligkeit von 3000 Nits und eine Bildwiederholfrequenz bis zu 120 Hertz.
Das innere Panel ist aber vor allem wegen seiner Nanotextur-Beschichtung ein echter Hingucker. Denn sie schluckt nicht nur nahezu alle Reflexionen und vermeidet Fingerabdrücke, sondern tarnt auch durch Lichtstreuung geschickt die Falte im Display.
Falte nahezu unsichtbar
Man muss sich geradezu anstrengen, um sie seitlich betrachtet sehen zu können. Blickt man direkt auf das Panel, ist die Falte praktisch unsichtbar. Wenn der Finger über die angenehm matte Beschichtung streift, spürt man sie zwar deutlich, doch Apple ist es auch mechanisch gelungen, die Vertiefung ziemlich flach zu halten.
Neben zueinander etwas beweglichen Display-Schichten ist das vor allem dem raffiniertem Scharnier zu verdanken. Es besteht aus über 100 Einzelteilen, unter anderem synchronisierten Zahnräder, Nocken und Federn. Trotzdem hat es Apple hinbekommen, das iPhone Duo nach IP68 nicht nur wasser-, sondern auch staubdicht zu machen.
Doch ob das Scharnier tatsächlich so robust ist, wird sich erst im Laufe der kommenden Monate und Jahre zeigen. Das Gleiche gilt für das Innendisplay. Denn während die Falt-Smartphones anderer Hersteller sich bereits über mehrere Jahre bewährt haben, muss Apple die dauerhafte Stabilität seines Falt-Smartphones erst noch unter Beweis stellen.
Knirscht da etwas?
Zweifel daran sind normal, das ging auch Samsung mit seinem ersten Galaxy Z Fold vor sieben Jahren nicht anders. Und wie damals gibt es bereits Berichte von Nutzerinnen und Nutzern über gebrochene Displays und andere Defekte, die unter anderem "MacRumors" zusammengefasst hat. Schuld ist möglicherweise das Scharnier, das im rabiaten Test eines Youtubers nicht dicht hielt.
Tatsächlich drangen bei Versuchen von "iFixit" mit sehr feinem, fluoreszierenden Pulver, genug Partikel in die beweglichen Teile, um das Scharnier zum Knirschen zu bringen. Allerdings waren dies weniger als zuvor bei Tests mit einem Galaxy Z Fold 8 und einem Google Pixel 11 Pro Fold. Außerdem stellte "iFixit" fest, dass das iPhone Duo eine besonders hohe Verarbeitungsqualität aufweist und leichter als die Konkurrenten zu reparieren ist. Sogar die Schicht mit der Nanotextur lässt sich ersetzen, anstatt das gesamte OLED-Panel wechseln zu müssen.
Ob es sich bei den berichteten Problemen um Einzelfälle durch Produktionsmängel oder einen Konstruktionsfehler handelt, muss sich also noch zeigen. Ebenso könnten Schäden gehäuft erst nach mehreren Monaten oder gar Jahren auftreten. Möglicherweise erweist sich das iPhone Duo aber auch aus den Startlöchern heraus als sehr robust und langlebig. Man wird sehen.
Man vermisst Face ID
Definitiv gut geschützt sind Rückseite und Außendisplay, denn die Ceramic-Shield-Abdeckung hat schon bei normalen iPhones gezeigt, dass sie hart im Nehmen ist. Der Rahmen besteht wie das Scharnier aus Titan der Klasse 5.
In ihm befindet sich eine Kamerataste, aber keine Aktionstaste. Damit kann man leben, eine große Einschränkung ist das nicht. Schlimmer ist, dass im Ein-/Aus-Schalter ein Fingerabdrucksensor (Touch ID) integriert ist. Apple musste sich dafür entscheiden, da kein Platz für alle Komponenten einer Gesichtserkennung (Face ID) war.
Das ist grundsätzlich kein Problem, der Sensor reagiert so zackig und präzise wie bei anderen Falt- und Klapp-Smartphones. Allerdings ist damit ein spürbarer Komfortverlust im Vergleich zu herkömmlichen iPhones verbunden. Es ist mühsamer, jedes Mal, wenn das Gerät selbst, eine Funktion oder App entsperrt werden soll, den Finger auf den Sensor zu legen. Außerdem findet man die schmale Taste nicht immer sofort.
Überwiegend gut gelungene iOS-Anpassung
Wenn man ein Gerät hauptsächlich mit der linken Hand hält und mit der rechten bedient, kann auch nervig sein, dass sich das Dock (Taskleiste) auf dem Außendisplay und im Querformat auf dem Innendisplay auf der rechten Seite befinden. Ansonsten ist die Lösung recht praktisch. Das gilt auch für das hochformatige Dynamic Island.
Außen bildet es einen Verbund mit der Frontkamera, innen ist es tatsächlich eine Insellösung. Denn hier versteckt sich die Facetime-Kamera etwas links davon unter dem Display. Man sieht sie eigentlich nur gelegentlich, da an dieser Stelle die Oberfläche ohne Nanotextur-Beschichtung reflektiert.
Die Anpassung der Benutzeroberfläche hat Apple ebenfalls recht gut hinbekommen. Allerdings ist da unter anderem Samsung weiter. So kann man auf dem iPhone Duo nur zwei Apps nebeneinander anzeigen, beim Galaxy Z Fold 8 sind es drei. Einen großen Unterschied macht dies in der Praxis allerdings nicht. Wichtiger ist, dass man bei kompatiblen Apps in der geteilten Ansicht Inhalte austauschen kann, beispielsweise ein Foto in eine Mail-Nachricht ziehen. Das iPhone Duo ist auch mit einem Apple Pencil kompatibel, aber erst nach dem Update auf iOS 27.2.
Viele Apps müssen noch optimiert werden
Apropos kompatible Apps. Wenig überraschend gibt es bisher neben Apples Anwendungen noch wenige Apps von Drittanbietern, die das Innendisplay optimal nutzen. Dabei handelt es sich vor allem um besonders populäre Apps wie Netflix, Amazon Prime, Zoom oder Slack. Andere füllen den Bildschirm lediglich aus, viele werden nur klein im Zentrum dargestellt. Das dürfte sich aber schnell ändern, das jüngste Entwicklerkit (SDK) macht eine Anpassung relativ einfach.
Zu den Optimierungen gehört auch, dass eine App darauf reagiert, wenn der Bildschirm angewinkelt wird. Das sieht man beispielsweise bei Video-Anwendungen. Bei ihnen spielt die obere, aufgerichtete Hälfte Inhalte ab, während die untere Hälfte Steuerelemente anzeigt. Schick sind auch Uhr, Diashows, Wetter et cetera im Stand-by-Modus, wenn das Duo zeltförmig aufgestellt wird. Exklusiv sind die Funktionen allerdings nicht, die Android-Konkurrenz kennt sie schon länger.
Tolle-Kamera-Funktionen
Das gilt ebenfalls für die Kamera-App, die bei Falt-Smartphones besonders praktisch und vielseitig ist. So kann man das Duo mit 90-Grad-Knick aufstellen, statt ein Stativ zu nutzen. Die obere Hälfte des Innendisplays dient dann als Sucher, während Auslöser und andere Funktionen auf der unteren Hälfte zu sehen sind.
So aufgestellt, kann man mit "Smart-Foto" auch ganz einfach Gruppenfotos machen, in denen man selbst zu sehen ist. Man drückt die entsprechende Taste und gesellt sich zu den anderen. Die App erkennt, wenn man stillhält und macht automatisch ein Foto.
Das hat im Test ebenso perfekt funktioniert wie Selfies mit der Hauptkamera. Dabei wird bei aufgeklapptem Gerät das Außendisplay wie bei herkömmlichen Smartphones als Sucher mit Auslöser und Einstellungen genutzt. Nett ist außerdem, dass es als "Blickfang" dienen kann, wobei es putzige Snoopy-Animation abspielt. Da schauen nicht nur Kinder lächelnd in die Kamera. Und bei Facetime-Chats kann man über Außendisplay und Frontkamera eine dritte Person oder Gruppe einbinden. Wie schon erwähnt, nicht neu, aber cool.
Nicht nur ein Teleobjektiv fehlt
Ein Wermutstropfen ist die fehlende Tele-Kamera, für die im dünnen Duo der Platz fehlt. Die Hauptkamera hat auch keine variable Blende und ihr Sensor ist kleiner als bei den Pros. In der Praxis wirkt sich dieser Unterschied jedoch kaum aus, speziell tagsüber. Die Ultraweitwinkel-Kamera ist die gleiche Knipse wie beim iPhone-18-Pro-Duo. Eine weitere Einschränkung bei Fotos und Videos sind nicht vorhandene Pro-Funktionen, die Apples Top-Normalos bieten.
Bei der Leistung muss man dagegen keine Abstriche machen, das Duo wird wie die aktuellen Pros von Apples Chip A20 Pro angetrieben. Erfreulicherweise gilt dies auch weitgehend für die Ausdauer. Nutzt man das Falt-Iphone hauptsächlich mit geschlossenem Display, hält es in etwa so lange durch wie das kleinere Pro. Ist es oft aufgeklappt, ist die Laufzeit zwar deutlich geringer. Trotzdem kann man auch dann noch mit einer Akku-Ladung über den Tag kommen.
Ist die Batterie leer, ist sie mit einem entsprechend leistungsfähigen Netzteil (60 W) nach rund 20 Minuten wieder halb voll. Und was bei so einem dünnen Gerät eine kleine Meisterleistung ist: Apples Falt-Smartphone kann auch induktiv aufgetankt werden und ist mit MagSafe-Zubehör kompatibel.
Fazit
Apple ist sein erstes faltbares iPhone richtig gut gelungen. Das Innendisplay ist grandios, ansonsten kann das Duo auf Anhieb fast in allen Bereichen mit den besten faltbaren Androiden mithalten. Nutzerinnen und Nutzer, die noch nie ein Galaxy Fold oder andere Konkurrenten aufgeklappt haben, werden aus dem Staunen nicht mehr herauskommen.
Allerdings muss man für dieses Erlebnis mindestens 2300 Euro hinblättern. Und dafür bekommt man unter anderem nicht mal Face ID oder eine Tele-Kamera. Ein iPhone 18 Pro Max, das dies und weitere Funktionen bietet, die dem Duo fehlen, gibt es "schon" ab 1600 Euro.
Außerdem ist es noch nicht erwiesen, dass das Falt-iPhone so stabil und langlebig ist, wie es wirkt und Apple angibt. Und da es aktuell noch nicht besonders viele optimierte Apps für das Gerät gibt, kann es nicht schaden, abzuwarten, ob sich erste Meldungen über Scharnier- und Display-Schäden als echte Probleme oder nur Einzelfälle herausstellen.
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