Wie Bürgermeister Mamdani gegen Antisemitismus vorgehen will
Jüdische Menschen machen rund zehn Prozent der Bevölkerung New Yorks aus. Gleichzeitig entfielen 2025 rund 57 Prozent aller beim NYPD gemeldeten Hasskriminalitätsfälle auf antisemitische Vorfälle. Nach Angaben des New York Police Department gab es nach dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 einen deutlichen Anstieg an antisemitischen Hassdelikten. Gerade in New York muss Bürgermeister Zohran Mamdani deshalb zeigen, wie er jüdisches Leben schützt.
Mamdanis Plan gegen Antisemitismus
Ende September stellte Mamdani einen umfassenden Strategieplan gegen Antisemitismus vor. Er sieht unter anderem erweiterte Bildung zum Holocaust, die Verdopplung der Förderung für Hassprävention auf 6,4 Millionen Dollar und eine Million Dollar für Sicherheitsmaßnahmen an Synagogen und anderen Gotteshäusern vor.
Der Schutz jüdischer Menschen soll dabei nicht allein Polizeithema sein, sondern eine gemeinsame Aufgabe verschiedener städtischer Behörden. Die Strategie nennt mehrere Antisemitismusdefinitionen, übernimmt aber keine als verbindlich. Die Stadt hält dies für die Umsetzung der Maßnahmen nicht für erforderlich.
Netanjahu verteidigt vor der UN Israels Vorgehen im Krieg gegen Iran und Gaza. In New York sorgt sein Auftritt für Proteste und einen Schlagabtausch mit Bürgermeister Mamdani.
24.09.2026 | 2:56 minDie Historikerin und Antisemitismusforscherin Magda Teter von der Fordham University bewertet den Inhalt der Strategie positiv. Sie befürchtet jedoch, dass Mamdanis öffentliche Worte das positive Signal der Strategie unterlaufen könnten. "Meine Hoffnung war, dass ein politischer Verantwortlicher, der dieses Dokument über sein Büro veröffentlicht, damit ein positives Signal sendet. Das Statement hat dieses Signal aber nicht unbedingt vermittelt", sagt sie mit Blick auf seine Erklärung zum 7. Oktober.
Kritik an Israel-Rhetorik
Zum dritten Jahrestag des Hamas-Angriffs bezeichnete Mamdani die Taten der Hamas als "entsetzliche Kriegsverbrechen" und bekundete Trauer mit den Hinterbliebenen. Anschließend thematisierte er das Leid der Palästinenser und Palästinenserinnen in Gaza und kritisierte das Vorgehen der israelischen Regierung: "Das Leid begann weder an diesem Tag, noch endete es an diesem Tag", hieß es in der Erklärung. "Es setzte sich vielmehr durch den verheerenden, noch immer andauernden Genozid der israelischen Regierung in Gaza fort."
Das gemeinsame Trauern verband er mit Kritik an der US-Finanzierung des Krieges: "Viele New Yorker ringen mit dieser unerträglichen Trauer, und wir trauern mit ihnen - im Wissen, dass unsere Steuergelder diese Kriegsverbrechen finanzieren." Mamdanis Erklärung stieß bei einigen jüdischen Kritikerinnen und Kritikern auf Ablehnung. Bei einer Mahnwache der Gruppe Israelis for Peace am selben Abend beschimpften ihn zudem pro-palästinensische Demonstrierende als „Verräter“. Die Veranstaltung erinnerte an die Opfer des 7. Oktober und des anschließenden Krieges in Gaza.
Im Bundestag erinnert eine Ausstellung an den 7. Oktober 2023 in Israel, das schlimmste Massaker an Jüdinnen und Juden seit den Nazi-Verbrechen.
09.10.2026 | 2:25 minAntisemitismusforscherin Teter ist der Ansicht, dass das Gedenken an israelische und palästinensische Opfer gleichzeitig möglich ist, kritisiert aber die politische Zuspitzung: "Man kann Mitgefühl für die Menschen ausdrücken, die ihr Leben verloren haben, ohne aufheizende Rhetorik zu verwenden, die einem politischen Zweck dient." Sie befürchtet, solche Rhetorik könne Anfeindungen gegen jüdische Menschen verstärken, wenn diese pauschal für die Politik der israelischen Regierung verantwortlich gemacht werden, ohne ihre politische Haltung zu kennen.
Israels Regierungschef soll vor dem Terror-Angriff am 7. Oktober 2023 gewarnt worden sein und habe nichts unternommen - berichtet eine Tageszeitung. Netanjahu will sie verklagen.
10.09.2026 | 2:43 minZwischen Israelkritik und Antisemitismus
Mamdani kritisiert den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu scharf. Er bezeichnete ihn als "Kriegsverbrecher" und als "Architekten eines entsetzlichen Genozids". Netanjahu wiederum nannte Mamdani in einer Rede vor der UN "den antisemitischen Bürgermeister von New York". Mamdani weist Antisemitismusvorwürfe zurück. Gegen Netanjahus Besuch zur UN-Generalversammlung protestierten zahlreiche New Yorker, darunter auch jüdische Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
"Kritik an den Handlungen und der Politik der israelischen Regierung ist nicht an sich antisemitisch", erklärt Teter. Entscheidend sei, Regierungshandeln nicht mit jüdischen Menschen gleichzusetzen.
Entscheidend wird sein, ob aus dem Schutzversprechen wirksamer Schutz für jüdische New Yorkerinnen und New Yorker wird.
Drei Jahre nach Terrorangriff auf Israel
:Was Juden in Berlin zur Antisemitismus-Debatte sagenWie blicken Jüdinnen und Juden auf die aktuelle Debatte über Antisemitismus in Deutschland? In Berlin haben wir mit Shai Hoffmann und Nelly Eliasberg gesprochen.
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Interview
Über dieses Thema berichtete das heute journal am 24.09.2026 ab 21:45 Uhr.
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