"Made in China" bedroht Europa - Brüssel sucht Lösungen
Während Xi Jinping auf Donald Trump in Washington trifft, sucht die EU einen gemeinsamen Kurs gegenüber China. Wie kann sie ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken und Abhängigkeiten verringern?
24.09.2026 | 2:15 minDas Berlaymont mitten im Brüsseler Regierungsviertel ist ein mächtiger Bau. Dort im elften Stock sitzt ein Mann, der große Erwartungen zu erfüllen hat. Maroš Šefčovič ist der Handelskommissar der Europäischen Union, eine Schlüsselfigur im Brüsseler Machtgefüge. Seine Aufgabe: Mit China eine Lösung im Handelsstreit zu finden.
Für das ZDF-Interview hat er nur wenig Zeit. Eine freundliche Begrüßung, ein Lächeln zum Kameramann: "Lasst uns schöne Bilder machen." Schöne Bilder und die richtige Botschaft - genau darum geht es, wenn in wenigen Tagen Šefčovič zu Gesprächen nach Peking reist. Es steht viel auf dem Spiel. "Wir reden sehr ehrlich miteinander", erklärt uns Šefčovič.
Ich hoffe, ich werde von meiner Reise aus China einen gemeinsamen Plan mitbringen.
Maroš Šefčovič, EU-Handelskommissar
Handelsdefizit steigt am Tag um eine Milliarde Euro
Die Fakten zeigen das unausgeglichene Kräfteverhältnis zwischen Europa und China: Das EU-Handelsdefizit mit China stieg 2025 auf 372 Milliarden Euro, also mehr als eine Milliarde Euro pro Tag.
Es ist der erste Besuch seit mehr als zehn Jahren: US-Präsident Trump hat Chinas Staatsoberhaupt Xi empfangen. Beide Länder wollen ihre Handelsbeziehungen ausbauen - Elmar Theveßen berichtet.
24.09.2026 | 1:11 minDie europäische Zukunftsindustrie hängt von Pekings gutem Willen ab. Der gesamte EU-Bedarf bei schweren Seltenen Erden kommt praktisch aus China. Die benötigt die Industrie für Elektroautos, Windkraftanlagen und Rüstungstechnologien. Šefčovič sagt:
Wir werden um jeden Job, um jede Fabrik in der EU kämpfen.
Maroš Šefčovič
Er will dabei entschlossen klingen.
Ohne China läuft bislang wenig
Aber der chinesische Präsident Xi Jinping weiß um die Stärke, die sein Land über die Jahre aufgebaut hat. Ein gutes Beispiel dafür ist die neue Batteriezell-Fabrik von VW in Salzgitter. Sie soll das Unternehmen unabhängig vom asiatischen Markt machen.
Der Werbefilm des Autokonzerns ist beeindruckend: Hochmoderne Maschinen schaffen unter staubfreien Produktionsbedingungen Technologien für die Zukunft. Doch wo es nach "Made in Germany" in den Fabrikhallen aussieht, steckt "Made in China" drin. Die Maschinen kommen aus China, die deutschen Fachkräfte werden von Chinesen angelernt. Ohne China läuft hier bisher wenig.
Fast jeder zweite Hersteller auf der Technologiemesse IFA stammt aus China - die Hintergründe von ZDF-Wirtschaftsxpertin Sina Mainitz.
04.09.2026 | 1:20 min"Um Batteriezellen zu produzieren, braucht es viel Know-how", erklärt uns Heiner Hans Heimes, Fachmann für E-Mobilität. "China hat dies über Jahre aufgebaut."
Wir Europäer starten jetzt die Aufholjagd.
Heiner Hans Heimes, Experte für E-Mobilität
Die neuen Kräfteverhältnisse bestimmen die heiße Phase der Verhandlung, die mit China begonnen hat. Gerade für Deutschland als Exportnation steht viel auf dem Spiel.
"Wir dürfen keineswegs unterschätzen, über welche industrielle Stärke China mittlerweile verfügt", sagt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, "und China ist auch bereit, diese Stärke strategisch einzusetzen."
Suche nach der richtigen Strategie im Umgang mit China
Die EU-Wirtschaftsminister zerbrechen sich den Kopf über die richtige Strategie. Ein Konflikt mit China tut Europa weh, aber nichts zu tun, geht auch nicht. Die Chinesen subventionieren ihre Industrien stark, damit sie mit niedrigen Preisen die Konkurrenz in Europa plattmachen. Der Wettbewerb, darin sind sich alle Minister einig, ist unfair.
In Peking herrscht dichter Verkehr, trotzdem ist es erstaunlich leise – Grund dafür sind die vielen Elektroautos. Doch wie wird die dafür benötigte Batterie eigentlich hergestellt?
29.07.2026 | 4:29 minEinige wollen eine harte Verhandlungslinie. Österreichs Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer formuliert eine klare Botschaft: "Wir müssen schlichtweg selbstbewusster auftreten. Wenn andere Wirtschaftsmächte ihre Spielregeln ändern, dürfen wir nicht in Schönheit sterben."
Šefčovič kennt die Sorgen der Deutschen, aber er kennt auch die Position der Hardliner. Er muss die Interessen ausgleichen, wenn er im Oktober nach China reist. "Alle in der EU wissen, wir können nur eine Rolle spielen, wenn wir zusammenstehen. Nur so können wir unseren Einfluss geltend machen", so der Handelskommissar.
Zum Abschied des Interviews sagt Šefčovič noch "Alles Gute". Dann kehrt er an seinen Schreibtisch im elften Stock zurück, um weiter an der Strategie zu feilen.
Anna Pettini und Ulf Röller berichten aus dem ZDF-Auslandsstudio Brüssel.
Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Mittagsmagazin von ARD und ZDF am 24.09.2026 ab 12:00 Uhr.
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