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Tuesday, October 27, 2026

FAQ: Die lange Suche nach einem Atommüll-Endlager

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Behälter mit hochradioaktiven Abfällen und Transporthauben stehen im atomaren Zwischenlager Gorleben

FAQ

Hochradioaktiver Müll Wo ein Endlager noch möglich ist

Stand: 27.10.2026 • 18:12 Uhr

Rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiver Müll müssen dauerhaft und sicher verwahrt werden. Bis 2050 soll ein Endlager gefunden werden. Die Suche wurde nun weiter eingegrenzt. Wie muss ein Endlager beschaffen sein? Und wo könnte es entstehen?

Die Ausgangslage

Durch den jahrzehntelangen Betrieb der Atomkraftwerke sind in Deutschland rund 27.000 Kubikmeter an hochradioaktivem Atommüll angefallen. Das entspricht 10.500 Tonnen Schwermetall, die in etwa 1.900 Castor-Behältern verpackt wurden oder noch werden. Dieser Müll muss sicher verwahrt werden. Doch die Suche nach einem Lager gestaltete sich von Anfang an schwierig und war von heftigen politischen Auseinandersetzungen begleitet.

Zuständig ist die Bundesgesellschaft für Endlagersuche (BGE). Ihr Ziel ist es nach eigenen Angaben, den Standort mit der bestmöglichen Sicherheit für das Endlager für hochradioaktive Abfälle zu ermitteln. Der Standort soll Sicherheit für eine Million Jahre bieten.

Welche Regionen sind noch im Rennen?

Mit dem heute letztmalig veröffentlichten Arbeitsstand der Bundesgesellschaft wurden die infrage kommenden Gebiete für eine Endlagersuche noch einmal deutlich reduziert. Die Fläche, die nun weiter betrachtet werde, entspreche weniger als fünf Prozent des Bundesgebiets, sagte BGE-Geschäftsführerin Iris Graffunder. Die in Betracht kommenden Gebiete befinden sich demnach insbesondere in einem Gürtel von West-Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt. Auch einzelne Gebiete in Süd-Brandenburg, im Westen Baden-Württembergs, im Osten Bayerns und Bereiche in Schleswig-Holstein kommen demnach in Frage. Die Ergebnisse werden auf der Internetseite der BGE als interaktive Karte veröffentlicht.

Rheinland-Pfalz, Hessen, Berlin, Sachsen und das Saarland sind nicht mehr Teil der laufenden Suche. Das Saarland war den Angaben zufolge bereits 2020 herausgefallen, Rheinland-Pfalz schied 2025 aus, in diesem Jahr neu aussortiert wurden Sachsen, Berlin und Hessen. Auch Hamburg kommt nicht infrage.

Wie läuft die Suche ab?

Seit 2017 ist die BGE für die Endlagersuche zuständig. 2020 legte sie einen ersten Arbeitsstand vor. Damals wurden 90 Gebiete als potenziell für ein Endlager geeignet eingestuft, 54 Prozent der Fläche Deutschlands. Seither setzen die Experten die Sicherheitsanforderungen in jedem Prüfschritt etwas höher und sieben Flächen aus.

Untersucht werden Regionen mit Untergründen aus Granit, Salz und Ton. Diese haben nach Einschätzung der Fachleute gute Eigenschaften, um radioaktive Strahlung zurückzuhalten, sind wenig durchlässig für Wasser und Gas und halten hohen Temperaturen stand. "Wir werden die Flächen bis Ende 2027 weiter einengen, bis nur noch wenige Standortregionen im Rennen sind, die wir für die Erkundung vorschlagen", sagte Graffunder.

Diesen Vorschlag prüft das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), das Wissenschaft und Öffentlichkeit beteiligt. Die Entscheidung über die infrage kommenden Regionen trifft schließlich der Bundestag. Als Zieldatum für die Entscheidung über ein Endlager ist mittlerweile 2050 angepeilt. Ursprünglich sollte dieser Schritt bis zum Jahr 2031 vollzogen werden.

Warum dauert das alles so lange?

Politisch aufgeladen war die Suche nach einem Standort seit Ende der 1970er-Jahre, als der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht ankündigte, in Gorleben ein atomares Endlager errichten zu lassen. Es folgten teils massive Proteste von Bewohnern des Wendlands und der Anti-Atombewegung. Vielen galt Gorleben von Anfang an als nicht geeignet, 2020 schied es aufgrund geologischer Mängel tatsächlich aus.

Mit dem Standortauswahlgesetz sollte die Suche nach einem Endlager 2017 neu angeschoben werden. Das kostet aber Zeit: Die Suche läuft in einem mehrstufigen, langfristigen und wissenschaftsbasierten Verfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit.

Worauf kommt es bei der Endlagersuche an?

Am liebsten haben die Experten eine "langweilige Geologie", sagt Lisa Seidel von der BGE. Also Formationen, "wo in den letzten eine Million Jahren möglichst wenig passiert ist und wir dann davon ausgehen können, dass dort auch in den nächsten eine Million Jahren relativ wenig passiert". Zu möglichen Rinnen, die durch die Gletscherschmelze der letzten Eiszeit entstanden sind, will man Abstand halten - auch, um Sicherheit während möglicher kommender Eiszeiten zu gewährleisten.

Je mächtiger also die Gesteinsformation, in der ein Endlager entstehen könnte, umso besser. Das schafft Flexibilität für die genaue Planung des Lagers. Als sogenannte Wirtsgesteine für das Endlager kommen unterirdische Granit- und Tonformationen sowie Salzstöcke in Betracht. Die künftige Lagerstätte soll mindestens 300 Meter unter der Erde liegen und von einer mindestens 100 Meter dicken Gesteinsschicht als Barriere umgeben sein. Die radioaktiven Abfälle sollen dort für mindestens eine Million Jahre möglichst sicher verwahrt werden.

Um die Umgebung eines möglichen Endlagers, also die Frage, ob man sich auf dem Land oder in einer Stadt befindet, geht es derzeit noch nicht. Aktuell schauen die Experten nur auf den tiefen Untergrund. Bei der späteren Entscheidung soll aber auch eine Rolle spielen, ob es an der Oberfläche den nötigen Platz gibt für Gebäude.

Wie geht es jetzt weiter?

Die jetzt neu veröffentlichten Arbeitsstände sind noch keine verbindlichen Ergebnisse, weil die Einengung der Teilgebiete auf Standortregionen erst Ende 2027 erfolgt. Die BGE wird dann zum Abschluss der ersten Phase der Endlagersuche konkrete Regionen für die oberirdische Erkundung vorschlagen. Nach einer eingehenden Prüfung durch Wissenschaftler und das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung entscheidet dann der Gesetzgeber, also der Bundestag, wo es in der zweiten Phase weitergeht.

Wo lagert der Atommüll bisher?

Das stillgelegte Eisenerz-Bergwerk Schacht Konrad in Salzgitter ist bereits als Endlager genehmigt. Es ist aber nur für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle vorgesehen und soll in den 2030er-Jahren in Betrieb gehen. Dort sollen 303.000 Kubikmeter Nuklearabfälle aus Atomkraftwerken, Forschungsinstituten, Krankenhäusern und der Industrie eingelagert werden.

Das stillgelegte Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel galt zunächst als "Versuchsendlager". Zwischen 1967 und 1978 ließ die Bundesrepublik dort rund 126.000 Fässer mit schwach radioaktivem und etwa 1.300 Fässer mit mittel radioaktivem Atommüll sowie chemische Abfälle einlagern. Seit Jahrzehnten dringt Salzlauge in das Bergwerk ein, es gilt als instabil und einsturzgefährdet. Die Abfälle sollen deshalb wieder an die Oberfläche geholt werden. Weil Schacht Konrad dafür keine Genehmigung hat, müsste für den Asse-Müll ein weiteres Endlager gebaut werden.

Das unterirdische Lager in Morsleben nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze in Sachsen-Anhalt war das Endlager der DDR. Mit der Wiedervereinigung ging es in den Besitz des Bundes über. In dem Salzstock lagern rund 37.000 Kubikmeter schwach radioaktiver und mittel radioaktiver Atommüll. 1998 verhängte das Oberverwaltungsgericht Magdeburg einen Einlagerungsstopp. Derzeit läuft das Verfahren zur endgültigen Stilllegung. Auch dieses Endlager gilt als einsturzgefährdet.

Der Salzstock Gorleben im Landkreis Lüchow-Dannenberg wurde seit Ende der 1970er-Jahre auf seine Eignung als Endlager für hochradioaktiven Atommüll untersucht. Ebenso lange protestierten Atomkraftgegner gegen eine Festlegung auf den nach ihrer Auffassung ungeeigneten Standort. Auch namhafte Geologen bezweifelten seine Tauglichkeit, weil ein Deckgebirge fehlt und der Salzstock Kontakt zum Grundwasser hat. 2020 schied Gorleben wegen geologischer Mängel aus dem Suchverfahren aus. Die Schächte und Stollen des Erkundungsbergwerks werden zurzeit mit Salz zugeschüttet.

Derzeit wird der hochradioaktive Atommüll in 16 Zwischenlagern aufbewahrt. Zwölf dieser Lager befinden sich an den Standorten stillgelegter Atomkraftwerke. Drei weitere sind sogenannte zentrale Zwischenlager: Gorleben, Ahaus in Nordrhein-Westfalen und Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern.

Im nordrhein-westfälischen Jülich lagert der Müll aus dem Betrieb eines Forschungsreaktors. Die Zwischenlager wurden für einen Zeitraum von 40 Jahren genehmigt. Weil sich die Endlagersuche hinzieht, müssen sie noch sehr viel länger betrieben werden.

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