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Monday, October 5, 2026

Heftige Angriffe auf Kiew – «Die Angriffe auf Kiew schränken die Menschen massiv ein»

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Die russischen Angriffe auf die Ukraine haben neue Dimensionen erreicht: Neuartige Drohnen, die die Abwehrmassnahmen der Ukraine unterlaufen, sorgen für viel Zerstörung. Auch werden nun vermehrt Fabriken, Lagerhäuser oder Brücken aus der Luft attackiert. Der ARD-Journalist Niels Bula befindet sich in Kiew. Er schildert die aktuelle Lage.

Niels Bula

Niels Bula berichtet als Reporter für die ARD derzeit aus Kiew. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Osteuropa und dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.

SRF News: In den letzten Tagen haben russische Drohnen wichtige Brückenverbindungen in Kiew beschädigt. Wie wichtig sind diese Brücken für das Funktionieren der ukrainischen Hauptstadt?

Niels Bula: Viele Leute in Kiew benutzen sie jeden Tag, entsprechend wichtig sind die Brücken. Auf der linken Seite des Flusses Dnipro leben und wohnen rund eine Million Menschen. Viele von ihnen machen sich jeden Tag auf den Weg, um zu ihrer Arbeit im Zentrum Kiews zu pendeln, das auf der anderen Flussseite liegt. Die Angriffe auf die Brücken schränken sie jetzt massiv ein im Alltag.

Explosion auf einer Brücke mit Fluss und Stadt im Hintergrund.
Legende: Russischer Angriff auf eine der Brücken über den Dnipro in Kiew – mitten am Tag. Reuters

Was bedeuten die massiven Angriffe auf Kiew und die Brücken für die Menschen in der Stadt konkret?

Wenn die Brücken massiv angegriffen werden, dann kommen viele Leute nicht zur Arbeit. Im schlimmsten Fall bedeutet das, dass die Grossstadt stillsteht. Bisher war trotz des Krieges immer noch ein gewisser Alltag in Kiew möglich – besser als anderswo im Osten entlang der Front oder im Süden, wo dauerhafter Beschuss stattfindet. In der Hauptstadt konnte man die Kriegssituation bisher tagsüber auch mal etwas ausblenden. Doch mit dem Beschuss auch am Tag scheint Russland das jetzt unmöglich machen zu wollen.

Man kann sich in Kiew zu keiner Tageszeit mehr sicher sein, dass kein Angriff kommt.

Was sind die Folgen des jetzt auch tagsüber stattfindenden Beschusses?

Man kann sich inzwischen zu keiner Tageszeit mehr sicher sein, dass kein Angriff kommt. Und so ähnelt das Leben in Kiew immer mehr jenem in den frontnahen Städten wie Charkiw, wo die Menschen massivem Beschuss ausgesetzt sind. Zudem sind die Angriffe mit den neuen russischen Drohnen viel gefährlicher geworden. Die Drohnen verfügen über Düsenantriebe, sind also viel schneller und für die ukrainischen Verteidiger viel schwerer abzuschiessen.

Die russischen Angriffe nehmen auch stärker als früher Fabriken, Lagerhäuser oder Datenzentren ins Visier. Wie effektiv ist diese russische Strategie?

Da sind in der Tat die Auswirkungen zum Teil schon sehr sichtbar. So wurden in den letzten Wochen etwa mehrere Logistikzentren, in denen unter anderem Nahrungsmittel gelagert wurden, angegriffen. Als Folge davon waren in den Supermärkten zeitweise nicht mehr alle Produkte verfügbar, manche Regale waren leer. Eine Folge sind auch steigende Preise. Russland hat zudem wichtige Stahlwerke angegriffen. Diese sind für die Ukraine von grosser Bedeutung, denn die Stahlproduktion ist ein wichtiger Industriezweig für das Land.

Allgemein gesagt: Russland nimmt jetzt also die ukrainische Wirtschaft ins Visier?

Das kann man tatsächlich so sagen. Die Ukraine will dem mit einer neuen Strategie entgegentreten und vor allem gegen die Drohnen mit Düsenantrieb etwas unternehmen. Die bisher eingesetzten ukrainischen Abwehrdrohnen waren sehr effizient gegen die alten, langsameren russischen Shahed-Drohnen. Doch gegen die schnellen Düsenjet­-Drohnen kommen sie nicht mehr an.

Deshalb ist man daran, zusammen mit deutschen Rüstungsunternehmen möglichst rasch neue, schnellere Abwehrdrohnen zu entwickeln. Erst gerade war Kanzler Friedrich Merz in Kiew und hat Präsident Wolodimir Selenski eine Milliarde Euro an weiterer militärischer Unterstützung zugesagt.

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