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Wednesday, October 14, 2026

100 Jahre Pu der Bär: Ein bisschen Honig und ganz viel Freundschaft

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Eine Zeichnung von Winnie Puh aus dem Jahr 1926.

Stand: 14.10.2026 • 06:57 Uhr

Pu liebt Honig, ist tollpatschig und nicht gerade ein Genie. Trotzdem - oder gerade deshalb - wird er auch 100 Jahre später bei Groß und Klein geschätzt. Ein Kinderbuchklassiker, der viel über das Leben erzählt.

Von Lilofee Fettich, WDR

Alan Alexander Milne ist 1926 bereits ein etablierter Roman- und Theaterautor. Seinem Sohn Christopher Robin erzählt er abends Gute-Nacht-Geschichten. Er spricht über die Kuscheltiere des Kindes, allen voran über den Teddybären Winnie. Am 14. Oktober desselben Jahres erscheinen die Erzählungen als Buch "Winnie-the-Pooh", auf Deutsch: "Pu der Bär".

Die Handlung spielt auf mehreren Ebenen. Wie in den Gute-Nacht-Geschichten auch bilden Vater und Sohn den Rahmen. Der Vater erzählt seinem Sohn Christopher Robin die Geschichte über Pu den Bären und seine Freunde. Zugleich taucht Christopher Robin in den Geschichten auch selbst immer wieder auf.

So fing alles an: Alan Alexander Milne und seine Frau Dorothy 1922 beim Vorlesen mit ihrem Sohn Christopher Robin.

Mit Pu lernen, wie eine Geschichte entsteht

Für Kinder werde durch die verschiedenen Ebenen Literatur erfahrbar, sagt Thomas Kullmann, Professor für englische Literaturwissenschaft an der Universität Osnabrück. "Dieses literarische Spiel lässt Kinder über den Status von Geschichten nachdenken: Was ist eine Geschichte? Wie hängt sie zusammen? Wem erzähle ich sie?"

Dass der tollpatschige und liebenswürdige Pu zu einem weltweiten Phänomen geworden ist, liegt aus der Sicht von Kullmann vor allem an der Sprache und dem Humor von Milne und an der Wiedererkennbarkeit seiner Figuren.

Ab 1977 verfilmte Walt Disney die Abenteuer von Pu, ohne allerdings den Charme und Witz des Originals zu erreichen.

Die Literaturwissenschaftlerin Emer O'Sullivan findet, dass für jedes Alter etwas dabei sei: "Kleinere Kinder erleben die Geschichte durch die Illustrationen. Kinder, die bereits lesen, können die Figuren dann schon durchschauen. Zum Beispiel die Eule, die sich für unglaublich schlau hält, dann aber doch viele Rechtschreibfehler macht."

Die kleine Welt des Hundert-Morgen-Waldes

Pu ist nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen beliebt: "Für sie ist es bestimmt spannend, dass es in der Welt von Pu keinen Krieg, keine Gewalt gibt. Es gibt auch keine Technologien. Man hat einfach viel Zeit, um Freundschaften zu pflegen und kleine Abenteuer zu erleben", sagt O'Sullivan. "Gezeichnet wird eine sehr einfache Welt, bevölkert von sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten. Diese Vielfalt in der Einfachheit macht es spannend."

Die Geschichte gut ins Deutsche zu übersetzen, sei kompliziert. Fans und Wissenschaft sind sich einig: Erst mehr als 60 Jahre nach dem Erscheinen von "Winnie-the-Pooh" entstand eine deutsche Übersetzung, die Milnes Werk gerecht wird. Harry Rowohlt veröffentlichte sie 1987.

"Zum ersten Mal war der Text auch für erwachsene Leser sprachlich spannend und komisch", sagt O'Sullivan. Vor allem der pointierte Umgang mit der Sprache, die Übertragung der Wortwitze hätten in der ersten Übersetzung gefehlt und damit genau der Teil, der das Kinderbuch auch für Erwachsene ansprechend mache, so O'Sullivan.

"Ein Bär von sehr geringem Verstand"

"Pu der Bär" ist dabei kein klassischer Held der Literatur. "Er ist der 'bear of very little brain''", zitiert Kullmann aus dem Original (Harry Rowohlt: ein Bär "von sehr geringem Verstand"). Auch deshalb sei er hilfsbedürftig.

Ein bisschen egoistisch sei Pu außerdem, ergänzt O'Sullivan, vor allem auf seinen Honig bedacht. Aber trotz dieser Schwäche sei er liebenswürdig: "Pu ist gemütlich, er ist freundlich, er ist neugierig, er liebt Honig, und er muss kein Held sein."

Freunde, deren Schwächen liebevoll geschildert werden: Ferkel, Pu, Tiger und Kaninchen.

Auch die anderen Charaktere sind keine Helden, das ängstliche Ferkel, das auf den Namen Ferkel hört, der widerborstige Esel I-Aah, das wichtigtuerische Kaninchen oder der trampelige Tiger. "Eigentlich sind sie nicht kompatibel mit dem Frieden in einer Gesellschaft“, so Kullmann. Und doch bilden sie eine funktionierende Gemeinschaft.

Freundschaft, Honig und Zusammensein

Das sei auch die Philosophie in den Geschichten rund um Pu. Erforderlich seien keine Heldentaten, um geliebt oder geachtet zu werden. Auch mit Schwächen komme man weiter. "Im Mittelpunkt stehen Freundschaft, der Genuss des Lebens, des Essens und des Beisammenseins", findet Emre O'Sullivan.

Im Laufe der Jahre wurden die Pu-Geschichten mehrfach verfilmt. Die Disney-Adaption von 1968, "Winnie Puuh und das Hundewetter", gewann sogar einen Oscar. Eine andere Version entstand 1969 in der Sowjetunion. "Winnie Puch" taufte der russische Filmemacher Fjodor Chitruk seinen Helden.

Für viele Menschen der ehemaligen Sowjetunion gehört "Puch" zu ihrer Kindheit. Die Macher in beiden Ländern standen zwischenzeitlich sogar im Austausch. Vielleicht ganz typisch für die Harmonie in der Welt von Pu dem Bären.

Ein Erfolgsstoff wie "Alice im Wunderland"

Dank der Filme wurde Winnie endgültig weltweit bekannt. Doch die Vorlage für seinen Erfolg ist und bleiben seit 100 Jahren Alan Alexander Milnes Gute-Nacht-Geschichten für seinen Sohn Christopher Robin. Die Erzählungen von Pu dem Bären gehören in eine Reihe mit englischen Erfolgsgeschichten wie "Alice im Wunderland" und "Peter Pan".

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