Über dem Abgrund: Emmanuel (24) macht Sideflip auf 3200 Metern

Darum gehts
- Der französische Profi-Parkour-Athlet Emmanuel (24) vollführte am 13. August auf 3200 Metern Höhe am Eiger einen Sideflip über einen Abgrund.
- Vier Monate Vorbereitung und tägliches Training seit neun Jahren bildeten die Grundlage für den Stunt.
- Likes seien nicht seine Motivation, ihm sei es wichtiger, seine Erfahrungen zu teilen und Leute zu inspirieren.
- Die Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU betont: Wo ein Absturz tödliche Folgen haben kann, sollte das Absturzrisiko möglichst reduziert werden.
Ein letzter Blick auf die Landung, dann gibt es kein Zurück mehr: Auf rund 3200 Metern Höhe stösst sich Emmanuel (24) vom Felsen ab. In der Luft dreht er sich mit einem seitlichen Salto, dann landen beide Füsse wieder auf dem Felsvorsprung, der wegen seiner Form auch als «Mushroom» bekannt ist. Kein Seil hält ihn, ein Sturz wäre fatal gewesen.
«Um mich herum ging es 1000 Meter in die Tiefe, das war überwältigend», so der französische Parkour-Athlet gegenüber 20 Minuten: «Während des Sprungs hatte ich das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Als ich es dann endlich geschafft habe, war es doch einfacher, als ich es mir vorgestellt habe.»
«Vier Monate lang habe ich mich vorbereitet»
Auf die Stelle aufmerksam gemacht habe ihn ein Freund aus der Basejump-Szene. Emmanuel wollte die Passage mit einem Parkour-Element verbinden, genauer gesagt, einem Sideflip. «Vier Monate lang habe ich mich mit dem Sprung beschäftigt.» Am Vortag kontrollierte er Absprung und Landung und übte ähnliche Sprünge weiter unten. Der Stunt erfolgte am 13. August.
Emmanuel verzichtete bewusst auf eine Sicherung. «Ein Seil könnte mich beim Sideflip sogar behindern», erklärt er. Seine Sicherheit habe deshalb vor allem auf Training und Vorbereitung beruht. Seit neun Jahren macht er Parkour, mittlerweile professionell: «Ich trainiere jeden Tag.»
«Adrenalin ist nicht mein Ziel»
Warum setzt sich jemand einem solchen Risiko aus? «Nicht wegen des Adrenalins», so Emmanuel. «Es ist eine Konsequenz dessen, was ich mache, aber definitiv nicht das Ziel.»
Ihn reize vielmehr, seine eigenen Grenzen zu «pushen» und sich neuen Herausforderungen zu stellen, dabei aber «so viel Kontrolle wie möglich» zu behalten.
BFU: Ein Fehler lässt sich nie ausschliessen
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU kann den konkreten Sprung technisch nicht beurteilen. Solche Aktionen würden zum Extremsport zählen, wo individuelle Regeln gelten, so Mediensprecherin Judith Hebekeuser auf Anfrage. Grundsätzlich gelte für den Breitensport: «Wo ein Absturz schwere oder tödliche Folgen haben kann, sollte das Absturzrisiko mit geeigneten Sicherheitsmassnahmen möglichst reduziert werden.»
«Erfahrung und intensives Training können Risiken reduzieren, einen Fehler aber nie vollständig ausschliessen», so Hebekeuser. Auch Wetter, Fels- und Bodenverhältnisse sowie die körperliche und mentale Verfassung müssten berücksichtigt werden.
Immer extremer für mehr Klicks auf Social Media?
Spektakuläre Stunts sorgen auf Social Media für Aufmerksamkeit. Müssen die Aktionen deshalb immer gefährlicher werden? Emmanuel widerspricht: «Ich habe nicht das Bedürfnis, immer extremere Dinge zu machen, nur um Likes zu bekommen.»
Likes und Aufrufe seien eine Folge seiner Stunts, nicht seine Motivation. «Was mir wirklich Freude macht, ist, meine Erfahrungen zu teilen und Menschen zu inspirieren.»
Schwere Verletzung zu Beginn seiner Karriere
Dass Stunts schiefgehen können, weiss Emmanuel aus eigener Erfahrung: Zu Beginn seiner Parkour-Karriere brach er sich Schien- und Wadenbein an mehreren Stellen. Heute unterscheide er klar zwischen kalkuliertem Risiko und Leichtsinn.
Kritik, solche Stunts seien respektlos gegenüber den Bergen, weist Emmanuel zurück. «Der Respekt vor den Bergen ist für mich extrem wichtig.» Emmanuel betont: «Ich will niemanden zur Nachahmung solcher Stunts bewegen.»
«Ich liebe die Schweizer Alpen»
Emmanuel ist regelmässig in den Schweizer Alpen unterwegs. Diesen Sommer hat er das Matterhorn erklommen und die Besteigung mit einem Backflip gefeiert: «Ich liebe die Schweizer Alpen, und die Schweiz ist sowieso wunderschön.»
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Flurin Pestalozzi (flu) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Korrespondent in Bern.
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