Waldbrand-Bekämpfung: "Wir müssen umdenken"
Feuerwehrmann Sean Micke bei ZDFheute live
17.08.2026 | 17:11 minDie schweren Brände in der nordrhein-westfälischen Gemeinde Hürtgenwald, das Großfeuer im Naturschutzgebiet Hohes Venn in Belgien nahe der deutschen Grenze, auch in Bayern und dem Saarland brennt es. Und laut Deutschem Wetterdienst haben die Tage mit hoher Waldbrandgefahr in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen: Sind die deutschen Feuerwehren auf die Lage vorbereitet und wo muss nachgebessert werden? Feuerwehrmann Sean Micke vom Internationalen Katastrophenschutz @fire hält ein Umdenken für notwendig.
Wie gut sind Deutschlands Feuerwehren aufgestellt?
Im Vergleich mit anderen Ländern seien die deutschen Feuerwehren grundsätzlich "sehr gut" aufgestellt, sagt Feuerwehrmann Micke vom Katastrophenschutz @fire, der bei der Brandbekämpfung in Hürtgenwald in der Eifel unterstützt hat, bei ZDFheute live.
Wir haben eine der leistungsstärksten Feuerwehren der Welt.
Sean Micke, Feuerwehrmann, Internationaler Katastrophenschutz @fire
Dies betreffe die Dichte von Feuerwehren, die hohe Anzahl der engagierten Mitglieder und auch die technische Ausrüstung. Allerdings habe man sich eher auf Gebäudebrände fokussiert. Zudem habe die Feuerwehr in Deutschland viele Aufgaben, so leiste sie etwa Hilfe nach Verkehrsunfällen.
Durch den Klimawandel hätten Vegetationsbrände jedoch zugenommen und die Feuer auch eine neue Dynamik bekommen - sie seien unberechenbarer und schwerer kontrollierbar geworden. Deswegen gehe es immer mehr darum, "dass sich die Feuerwehren spezialisieren müssen", so Micke.
Was können wir von anderen Ländern lernen?
Die USA oder südeuropäische Länder wie Spanien haben laut Micke mehr Erfahrung mit Vegetationsbränden als Deutschland. Andere Techniken, Taktiken und Ausrüstungen auszuprobieren und zu schauen, wie man sie auf die Situation in Deutschland übertragen kann, sei auch ein Ziel von @fire. Der Verein sei 2002 gegründet worden mit der Idee, die Feuerwehren in Europa bei der Bekämpfung von Vegetationsbränden stärker zu vernetzen und voneinander zu lernen.
Waldbrände sind auch für Deutschland zur Bedrohung geworden. Wie die Einsatzkräfte gegen die Flammen vorgehen, analysiert ZDFheute live.
17.08.2026 | 29:38 minSo habe man sich - ähnlich wie etwa in den USA - darauf spezialisiert, bei Bränden mit der Situation umzugehen, dass keine Fahrzeuge oder kein großer Wasservorrat zur Verfügung stehen, sondern "als Fußmannschaft tief in den Wald eindringen zu können". Die Feuerwehrleute von @fire seien "relativ autark", ausgestattet mit Getränken und einer Notfallausrüstung. Die Kollegen könnten so mehrere Stunden in einem Gebiet arbeiten, wo es keine Infrastruktur gebe, um dort mit Fahrzeugen zu agieren. "Wir versuchen, mit wenig Wasser auszukommen und mit Löschrucksäcken zu arbeiten."
Die Feuerwehr im Naturschutzgebiet Hohes Venn an der deutsch-belgischen Grenze kämpft mit schwierigen Bedingungen. Der Brand in Hürtgenwald soll dagegen mittlerweile unter Kontrolle sein.
17.08.2026 | 2:29 minSo gebe es etwa Möglichkeiten, Brände wassersparender mit Hilfe von Gegenfeuern zu löschen. "Taktischer Feuereinsatz" könne ein sehr effektives Mittel sein, um Brände zu stoppen oder zu lenken, so Micke. Dies erfordere allerdings ein hohes Maß an Ausbildung, um mögliche Gefahren dieser Technik zu minimieren. Auch das Entfernen von Vegetation sei zur Brandbekämpfung in vielen Fällen sinnvoll.
Worauf müssen sich die Feuerwehren einstellen?
Die Rahmenbedingungen haben sich durch den Klimawandel verändert, sagt Sean Micke. Die Brände würden immer heftiger, setzten mehr Energie frei und seien immer schwerer zu kontrollieren.
In den 1970er-Jahren habe Deutschland ein relativ gutes System zur Waldbrandbekämpfung gehabt. "Wir haben viel davon leider viel verlernt beziehungsweise viel vergessen" - wegen der höheren Leistungsfähigkeit der Technik, etwa guten Löschfahrzeugen mit großen Wassertanks.
Wir merken jetzt, dass wir mit diesem sehr guten Material an die Leistungsgrenzen kommen.
Sean Micke, Internationaler Katastrophenschutz @fire
Jetzt müsse man umdenken und offen sein für andere Maßnahmen. Der Einsatzschwerpunkt verschiebe sich mehr und mehr Richtung Vegetationsbrände. Micke plädiert für eine einheitliche Ausbildung und gemeinsame Standards bei allen deutschen Feuerwehren.
Auch bei Ausrüstungen müsse nachgebessert werden. So seien die Anzüge von Feuerwehrleuten teils sehr dick und zwar für die Bekämpfung von Gebäudebränden geeignet - nicht aber für den Einsatz bei Waldbränden.
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Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 17.08.2026 ab 14:10 Uhr.
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