Waffenruhe in ukrainischer Stadt Oleschky in Kraft
Nach Vermittlungsbemühungen von Papst Leo XIV. und der Frau des US-Präsidenten Donald Trump, Melania Trump, ist in der russisch besetzten südukrainischen Stadt Oleschky eine örtlich begrenzte Waffenruhe in Kraft getreten. Sowohl Moskau als auch Kyjiw bekannten sich zu der Feuerpause, die seit 3.00 Uhr (Ortszeit) gilt und die humanitäre Hilfe für eingeschlossene Zivilisten ermöglichen soll.
Dringend benötigt werden Lebensmittel, Wasser und Medikamente. Für Einwohner, die aus der rundum verminten Frontstadt fliehen wollen, sind sichere Korridore vorgesehen. Oleschky liegt am Ufer des Dnipro in der Region Cherson und ist seit 2022 von Russland besetzt.
Wechselseitige Anschuldigungen
Von ursprünglich rund 24.000 Menschen leben nach US-Angaben noch etwa 1700 bis 2000 dort, darunter etliche Kinder. Russland und die Ukraine hatten sich in den vergangenen Monaten gegenseitig beschuldigt, durch Beschuss der Stadt eine humanitäre Katastrophe ausgelöst zu haben.
In anderen Regionen gingen die Kämpfe unvermindert weiter. Bei einem russischen Angriff auf Kyjiw wurde eine wichtige Brücke über den Fluss Dnipro beschädigt, der auf seinem mehr als 2000 Kilometer langen Weg zum Schwarzen Meer auch die Hauptstadt passiert. Zudem sei Infrastruktur der Metro getroffen worden, teilte Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Der Auto- und der Zugverkehr über die Südbrücke wurden nach städtischen Angaben eingestellt.
Drohnenangriff auf Bus in Saporischschja
Bei einem Drohnenangriff auf einen Bus im russisch kontrollierten Teil der südukrainischen Region Saporischschja wurde nach Angaben der dortigen Verwaltung mindestens ein Mensch getötet. 30 weitere seien verletzt worden, teilte der von Russland eingesetzte Gouverneur der Region mit.
Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte am Montag erklärt, Russland werde seine Angriffe trotz der für November in Aussicht gestellten Dreiergespräche mit den USA und der Ukraine fortsetzen. Die Wiederaufnahme der Verhandlungen bedeute "keine Einschränkungen für die Kampfhandlungen". Moskau schloss allerdings weitere örtlich begrenzte Feuerpausen nicht aus.
Angst vor einem kalten Winter
Das russische Militär hatte seine Raketen- und Drohnenangriffe in den vergangenen Wochen noch einmal verstärkt und dabei vermehrt Energieeinrichtungen ins Visier genommen. Viele Ukrainer befürchten daher einen weiteren Winter mit eingeschränkter Strom- und Wärmeversorgung.

Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre sprachen unterdessen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Telefon über den Krieg. Ziel sei es gewesen, dem Kremlchef "direkt Botschaften bezüglich künftiger Verhandlungen zu übermitteln, die zur Beendigung des Krieges beitragen sollen", teilten die beiden Politiker in Helsinki mit. Das Gespräch habe auf ihren Wunsch hin stattgefunden. Sie stünden dabei klar an der Seite Kyjiws. Stubb erklärte, die eineinhalbstündige Diskussion sei "offen und inhaltlich fundiert" gewesen.
Dänische Regierungschefin "sehr skeptisch"
In Dänemark gab es indes Kritik an dem finnisch-norwegischen Vorstoß. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte dem Rundfunk DR, sie stehe dem Telefonat mit Putin "sehr skeptisch" gegenüber. Zudem sei die Initiative nicht mit anderen Partnern abgestimmt worden. Sie sehe keine Anzeichen dafür, dass Russland Frieden mit Europa wolle, sagte Frederiksen weiter. Statt im Alleingang zu handeln, solle Europa zusammenhalten.
Stubb und Støre hatten in der vergangen Woche den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und US-Vermittler Steve Witkoff in Oslo getroffen. Witkoff führte danach Gespräche mit Putin, bei denen eine Wiederaufnahme von Dreierverhandlungen mit Russen, Ukrainern und Amerikanern vereinbart wurde. Die Gespräche sollen im November in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, stattfinden. Der Kreml zeigte sich offen für eine Einbeziehung Europas, das die Ukraine mit Waffen und Milliardenhilfen unterstützt.
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