„Haben nicht darum gebeten“: Scharfe Kritik an OpenAI aus der Mathematik
Eine erst vor wenigen Wochen gegründete Vereinigung hunderter Mathematikerinnen und Mathematiker hat die Veröffentlichung von OpenAI mit hunderten Lösungen zu Mathematikproblemen kategorisch abgelehnt. In ihrer Stellungnahme schreibt die „Vereinigung für menschliche Mathematik“ (Association for Human Mathematics, AHM), dass man die KI-Firma nicht um diese Arbeit gebeten habe. Man habe eine spezielle Vorstellung von Fortschritt und weise die Behauptung von OpenAI zurück, dass die Veröffentlichung das Fachgebiet voranbringe. Mathematikerinnen und Mathematiker werden nachdrücklich aufgefordert, die Zusammenarbeit mit OpenAI einzustellen „und zu einer Vision von Wissenschaft zurückzukehren, in deren Mittelpunkt das menschliche Verständnis steht“.
„Missachtung der Normen wissenschaftlicher Forschung“
Die AHM hat ihre Stellungnahme jetzt kurz nach der Veröffentlichung von OpenAI publiziert. Die KI-Firma hat am Dienstag weit mehr als 300 Resultate für Problemstellungen aus der Mathematik veröffentlicht, die von einem KI-Modell stammen. Laut den Erklärungen zu der Sammlung von 722 Manuskripten zu mehr als 370 „Resultatfamilien“ wurde die große Mehrheit davon mit ein und demselben KI-Modell gelöst. Insgesamt wurden dem KI-Modell rund 4000 Aufgaben gestellt, bei nicht ganz einem Zehntel davon sei die Signifikanz der Antwort hoch genug gewesen, um sie in den Katalog aufzunehmen. Abgestimmt habe man sich vor der Veröffentlichung mit der unabhängigen Advisory Group on Mathematics and Artificial Intelligence am Institute for Advanced Study.
Diese Beratungsgruppe, „von der OpenAI Legitimität“ für die Veröffentlichung ableitet, hat selbst gefordert, dass fortgeschrittene Probleme der Mathematik nicht von internen KI-Modellen bearbeitet werden, moniert die AHM an: „Indem OpenAI die zentrale Prämisse der Position der Beratungsgruppe ignoriert, hat das Unternehmen seine völlige Missachtung der Normen wissenschaftlicher Forschung zum Ausdruck gebracht.“ Diese Normen gewährleisteten, dass die Mathematik vertrauenswürdig bleibe und ethisch sowie im öffentlichen Interesse erforscht werde. Daran will die AHM festhalten.
Die Gruppe wurde erst im September gegründet und listet über 800 Mitglieder, darunter etwa den Fields-Medaillen-Träger und Co-Direktor am Max-Planck-Institut für Mathematik, Peter Scholze.
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