DFB-Fußballerinnen bezwingen Japan: Neues Können

Das DFB-Team überzeugt gegen Japan durch seine selbstregulierenden Kräfte. Bundestrainer Wück feiert den Erfolg als Ergebnis einer Entwicklung.
Foto: Carmen Jaspersen/dpa
Die erste Viertelstunde gehörte Japan. Die Asienmeisterinnen ließen den Ball laufen, oft mit nur einem Kontakt, manchmal ging ein Raunen durchs Stadion. Deutschland war im Mittelfeld in Unterzahl, Bundestrainer Christian Wück forderte an der Seitenlinie aggressiveres Anlaufen, seine Spielerinnen kamen nicht in die Zweikämpfe. Dann schickte Momoko Tanikawa auch noch Innenverteidigerin Sophia Kleinherne mit einer schnellen Drehung auf den Rasen und traf zum 1:0 für Japan. Der Gegentreffer sei zu dem Zeitpunkt „leider folgerichtig“ gewesen, sagte Wück später. Das Publikum im Weserstadion feuerte umso lauter an, das Gegentor schien der DFB-Elf seltsam gutzutun.
Denn direkt danach wechselte das Momentum. Die Spielerinnen hätten die Unterzahl im Mittelfeld selbst angesprochen, erzählte Wück, „und im Endeffekt sind sie selbst auf die Lösung gekommen“. Die bestand darin, „hinten aufzulösen“, also bei Ballbesitz eine Innenverteidigerin ins Mittelfeld zu ziehen, mal Kleinherne, mal Camilla Küver. Sie hatten vorher zu zweit gegen nur eine Gegenspielerin abgesichert. Durch die Anpassung bekam Deutschland Zugriff aufs Spiel. „Wir hatten erwartet, dass der Gegner noch mehr Ballbesitz hat. Das war gar nicht so, wir konnten schon auch sehr viel Anteil am Spiel haben“, sagte Linda Dallmann nach der Partie in der Mixed Zone. „Wir haben viel kreiert, viel Ruhe am Ball gehabt. Gerade im Vergleich zum Australienspiel war das noch mal ein Stück weit besser.“
So zum Beispiel beim Ausgleich in der 28. Minute: Torhüterin Ena Mahmutovic eröffnete über Küver. Sjoeke Nüsken passte zu Franziska Kett, deren Schnittstellenpass für Klara Bühl kam perfekt. Bühl legte zurück auf Dallmann, sie traf in den Winkel. Japans Trainer Michihisa Kano passte danach seinerseits an, mehr lange Bälle, um die neue taktische Situation auszunutzen. Daraus ergaben sich Chancen auf beiden Seiten, etwa für Bühl nach schöner Kombination mit Anyomi (40.) und für Tanikawa kurz nach der Pause.
Bühl traf schließlich in der 73. Minute zum 2:1, nach Vorarbeit der eingewechselten Melissa Kössler, die die japanische Abwehr vorher mit einer Drehung in die falsche Richtung schickte und der Torschützin damit Platz verschaffte. Von den Rängen gab es Bühl-Sprechchöre, inzwischen hatte es angefangen zu regnen.
Trickreiche Bühl
Vier Tage vorher hatte das DFB-Team mit 4:2 gegen Australien gewonnen, trotz vieler Ausfälle vor und während der Maßnahme, darunter Kapitänin Giulia Gwinn. Zwischen den beiden Partien sei viel gesprochen worden. „Ich hatte heute das Gefühl, dass sich jede Spielerin noch mal wohler auf dem Platz fühlt“, sagte Bühl. Sie selbst spielte besonders trickreich, heizte immer wieder das Publikum an.
Wück sagte, er merke bei den Spielerinnen untereinander, „wenn eine sich mal nicht an irgendwas halten sollte, kommt mittlerweile von der Mannschaft ein Signal, dass da was schiefläuft“. Er legte sich fest: „Vor einem halben Jahr, vor einem Dreivierteljahr hätten wir so ein Spiel noch nicht gedreht.“
„Wir haben erwachsener gespielt“, fand Jule Brand. Dallmann, die Routinierteste im Team und erneut eine der Besten auf dem Platz, war das noch nicht genug. Man müsse „lernen, in gewissen Phasen noch erwachsener zu spielen“, und dürfe die Gegnerinnen, „nicht einladen, um es wieder spannend zu machen“.
Wück nannte die Leistung „schon außergewöhnlich“, fand es aber „doch schön, wenn die Spielerinnen noch Luft nach oben sehen“. Baustellen benannte er selbst. Auf manchen Positionen, beispielsweise bei den rechten Außenverteidigerinnen, gebe es keinen Qualitätsverlust mehr, wenn Spielerinnen fehlen. Im defensiven Mittelfeld dagegen werde es bei Ausfällen „schon sehr, sehr eng“. Lena Oberdorf soll sich in diesem Jahr, nach Absprache noch vor ihrem erneuten Ausfall, ganz auf den FC Bayern konzentrieren, im Februar soll es Gespräche geben.
Nach Abpfiff verbeugten sich die Japanerinnen vor den deutschen Fans. Die hatten vor dem Spiel ein Banner gezeigt: „Heute Bremen, in 255 Tagen WM in Brasilien.“ Vielleicht kommt es dort ja zum Wiedersehen.
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