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Sunday, September 27, 2026

Gesundheit als Identität: Wie ein Coaching-Studio Führungskräfte in Bewegung bringt

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Gesundheit als IdentitätWie ein Coaching-Studio Führungskräfte in Bewegung bringt 

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Garnelen-Salat mit Avocado oder Pasta Carbonara? Die Antwort kennen wir. Es scheitert nie am Wissen, nur an der Umsetzung. Natürlich kann man mal Spaghetti Carbonara essen. Max Barde nennt das 'die falsche Entscheidung im richtigen Moment treffen'. (Foto: MTM )

Gerade disziplinierte Führungskräfte haben oft Schwierigkeiten, etwas für ihre Gesundheit zu tun, weiß Max Barde. Aber warum ist das so? Nachhaltige Verhaltensänderung funktioniert nur, wenn Gesundheit Teil der eigenen Identität wird, sagt Barde.

Wenn Sie Sport mit bestehenden Prioritäten wie Karriere, Familie oder Freizeit verknüpfen könnten, dann werden Sie es schaffen! Dann werden Sie den inneren Schweinehund besiegen, der immer eine andere Ausrede parat hat, warum man heute keinen Sport machen kann. Im Fitness-Studio von Max Barde gibt es deswegen statt Geräteeinweisung zunächst ein ausführliches Analyse- und Fragensetting, um machbare Ziele zu definieren und alltagstaugliche Gewohnheiten zu entwickeln. Max Barde erklärt ntv.de, wie das zu schaffen ist.

ntv.de: Max, du betreibst ein Sportstudio, das gezielt Leute in Führungsebenen anspricht - Leute, die sonst alles hinbekommen. Und es dennoch nicht schaffen, den inneren Schweinehund zu überwinden - was ist dein Ansatz?  

Max Barde: Dass Verhalten sich immer nur dann ändert, wenn es Teil deiner Identität ist. Wenn man, wie ich, sportbegeistert und in der Sportbranche tätig ist, ist es natürlich leicht, regelmäßige Trainings zu machen. Je stärker deine Identität zu einem Thema ist, desto weniger volatil ist dein Verhalten. Wenn jemand erfolgreicher Investmentbanker ist und normalerweise Deals einfädelt, dann ist das für diese Person nichts Besonderes. Wie kann ich aber erreichen, dass diese Person ihre Identität auch in Richtung einer sportbewussten, vitalen Person steuert?  

Ich bin gespannt ... 

Erstens: herausfinden, was der Person wirklich wichtig ist. Wo ist die Identität bereits stark? Und wie können Sport, gesunde Ernährung, das Programm, das wir mit der Person durchziehen wollen, positiv auf die aktuelle Identität einzahlen. Heißt: Wie können dir zweimal die Woche Krafttraining, einmal die Woche laufen, jeden Tag eine spezifische Ernährung, helfen, ein besserer Investmentbanker oder eine bessere Gründerin zu sein? 

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Max Barde war über zehn Jahre selbst Coach, jetzt kümmert er sich vor allem um die Studios in Berlin, Hamburg und neue Standorte. Er hat Start up-Gründerinnen und Gründer betreut, seine jüngste Kundin ist 15, die älteste 82. (Foto: MTM)

Oder einfach ein gesünderer Mensch? 

Auch das. Wenn du keine Priorität auf Sport legst, sondern dein ganzes Leben auf etwas anderes ausgerichtet ist, dann ist das Thema Gesundheit für dich vielleicht nicht so relevant. Oder du nimmst es zu selbstverständlich hin, dass du gesund bist. Aber die Frage ist nicht, was ist objektiv wichtig, sondern warum nehmen die Personen das nicht so stark wahr? Sonst würden sie ja anders handeln. Jeder Mensch handelt aber danach, was er als größten Vorteil in seiner aktuellen Situation wahrnimmt. Und wenn ein Verhalten in Richtung Gesundheit kein wahrgenommener Vorteil ist, dann machst du es nicht.

Was ändern wir also, damit jemand gesunde Ernährung, Training & Co. als Benefit wahrnimmt?  

Wir stellen eine Verbindung her zwischen dem, was dir wichtig ist, und einer Verhaltensänderung in Richtung einer gesünderen, vitaleren Person. Das heißt, wie hilft dir Training, mehr Deals zu machen? Wie hilft dir Ernährung, bessere Leute einzustellen? Es ist immer das gleiche Muster: Die Handlung entsteht nur dann, wenn ein direkter Vorteil wahrgenommen wird gegenüber den Nachteilen, die die Handlung vielleicht mit sich bringt.  

Die Nachteile wären: Ich muss das drei, viermal die Woche machen. Es kostet Zeit. Ich muss mich um meine Ernährung kümmern. Das heißt, ich habe in diesem Moment keine Zeit für andere Dinge, in die ich üblicherweise investiere.  

Genau, jetzt geht es darum, deine Vorteile zu erkennen. Wer zu uns kommt, wird ersteinmal gründlich gecheckt: Wir schauen uns Muskelmasse und Körperfett an, die Beweglichkeit, wir sammeln grundsätzliche Eckdaten. Sobald wir die haben, besprechen wir das Ziel. Und da unterscheidet sich unsere Arbeit von der vieler anderer Fitness-Studios. Wir akzeptieren nicht, wenn du nur sagst, ich möchte drei Kilo abnehmen, sondern wollen verstehen, warum du das willst. Es kommt durchaus vor, dass Menschen uns Zielformulierungen angeben, die wir nicht akzeptieren, weil wir die nicht für realistisch erachten.

Weil sonst was passiert?

Wenn es nicht funktioniert, dann ist die Frustration zu groß. Wenn einer sagt, ich bin hier, um zehn Kilo abzunehmen, dann frage ich: Wie wäre es erstmal mit drei? Und warum ist das für dich wichtig, drei oder zehn Kilo zu verlieren? Weil du glaubst, es wäre gesünder? Das ist viel zu vage, viel zu unpersönlich, viel zu unspezifisch. Und bedeutet, wir werden das Ziel nicht erreichen. Wir stellen weitere, spezifische Fragen nach den Prioritäten, nach den aktuellen Problemen. Welche Herausforderungen hast du aktuell, die dich belasten? Sobald wir die Zielsetzung abgeschlossen haben, legen wir los. Wir geben dir Hausaufgaben mit. In zweiter Instanz besprechen wir dann das Thema Lifestyle, Schlafhygiene, Aktivitäten im Alltag, gibt es eine Nahrungsergänzungsmittel-Routine? Und last but not least natürlich auch einen Trainingsplan, den wir für dich erstellen. Mit den drei Ankern gehen wir ins Rennen. Wir setzen das einen Monat lang um, checken, wie haben sich Muskelmasse und Körperfett verändert, und dann besprechen wir, wie wir weiter vorgehen.

Klingt intensiv ...

Ja (lacht), aber nur das bringt's. Wir schauen, was hat bisher gut funktioniert, was hat Stress ausgelöst, was hast du gar nicht umgesetzt? Wie lief es mit der Ernährung, mit dem Trainingsplan? Wir überprüfen deine Gewohnheiten. Die, die funktioniert haben, behalten wir bei. Die, die nicht funktioniert haben, schmeißen wir raus. Dann gibt es neue, die eine höhere Wahrscheinlichkeit für die Umsetzung haben. Wir wollen, dass die Person das Thema Gesundheit in ihre Identität integriert. Dafür müssen wir die Gewohnheiten im Alltag reibungslos gestalten.

Wenn sich jemand bei dir anmelden möchte, der Sport so gar nicht in der DNA hat, aber aus vielen Gründen mehr machen sollte, wie gehst du vor?  

Diese Person hat einfach nur ein anderes Prioritätensystem, zum Beispiel "erfolgreiche Führungskraft". So jemandem kannst du zehnmal erzählen, dass er zum Sport gehen sollte, er weiß das, und es wird ihm trotzdem egal sein. Also ist die Frage, was sind die drei Dinge, die diese Person wirklich inspirieren? Was könnte dich zu einer noch besseren Führungskraft machen? Ich möchte zehn Antworten hören – am Ende fängt dein Gehirn an, eine Verbindung herzustellen und sagt sich: "Zweimal die Woche zum Training zu gehen, könnte mich tatsächlich zu einer besseren Führungskraft machen". Ich will herausfinden, was eine Person wirklich antreibt. Die Qualität des Lebens hängt direkt damit zusammen. Diese Erkenntnis erhöht die Chance, dass man das wirklich umsetzt. Denn sonst wird genau das passieren, du wirst dir denken: "Zweimal die Woche muss ich da eine Stunde hin. Das ist total lästig. Dann noch eine halbe Stunde Anfahrt, duschen, am Ende fehlen drei Stunden im Arbeitstag. Wie soll ich das hinkriegen?" Es gibt einen Zwiespalt, zwischen "Ich muss zum Sport" oder "Ich muss eine gute, anwesende Führungskraft sein".

Und in dem Moment verliert immer der Sport?

Wenn du keine greifbaren Vorteile darin siehst, ja. Das macht dich nicht zu einem schlechten Menschen, wir müssen nur verstehen, dass jeder Mensch sein eigenes Wertesystem hat. Wir können das aber anpassen. Wenn wir es nicht verstehen, werden wir immer wieder gegen die Wand laufen.

Bei euch gibt es nicht als Erstes eine Geräteeinweisung, sondern ein Gespräch.  

Genau. Die Frage, die ich meist zuerst stelle, ist: "Wenn du jetzt nichts an deinem Verhalten änderst, was wird in fünf Jahren sein? Wirst du noch in der Lage sein, das zu machen, was du liebst?" Zu erkennen, dass vielleicht die Dinge, die aktuell wichtig sind, langfristig nicht erhaltbar sind, treibt die meisten um. Deswegen projizieren wir einen Schmerz aus der Zukunft in die Gegenwart, um jetzt eine Handlung zu erzeugen. Und das geht natürlich nicht, wenn der Schmerz aktuell nicht spürbar ist. Menschen verändern sich immer nur aus zwei Gründen: Entweder sie haben einen Schmerz oder sie sind extrem inspiriert. Wir zeigen auf, dass es, so wie es aktuell ist, nicht immer bleiben wird.  

Und das Zweite? 

Man glaubt oft, dass Menschen nur auf sich bezogen sind, das stimmt aber nicht. Menschen interessieren sich sehr stark auch für ihre Mitmenschen. Wenn eine Frau also ihrem Mann rät, mehr Sport zu machen, dann interessiert ihn das wahrscheinlich sehr, weil er weiß, dass es seiner Frau wichtig ist, wie es ihm geht. Da muss er aber erstmal drüber nachdenken (lacht), und auf einmal ist die Sache größer als er selbst. Ob das jetzt jedoch zu seiner Priorität wird, ist etwas anderes.

Alle Frauen, die ich kenne, beschäftigen sich mit ihrem Körper. Bei Männern ist das eher weniger der Fall, habe ich den Eindruck.  

Frauen sind anders konditioniert in unserer Gesellschaft: Wenn du nicht gut aussiehst, ist das ein Problem. Einem Mann ist das, glaube ich, weniger wichtig, es zählen andere Werte. Das heißt, für die Frau ist der Schmerz, sich optisch nicht wohlzufühlen, deutlich größer durch den gesellschaftlichen Druck als bei einem Mann. Die Frau hat also schon mal einen viel höheren Handlungsbedarf, weil sie sagt, dass sie diesen Schmerz nicht will. Und der Mann hat diesen Schmerz nicht, weil er gesellschaftlich trotzdem gut aufgestellt ist. Das ist ein bisschen vereinfacht dargestellt, aber ich glaube, es ist nicht ganz falsch. 

Sind weibliche Führungskräfte noch sehr männlich geprägt, weil sie in der Welt der Männer bestehen wollen und müssen?

Ich nehme da keinen großen Unterschied wahr. Ich glaube, dass Frauen, ob Führungskraft oder nicht, ihr Aussehen und ihren Energielevel verbessern wollen. Das sind die zwei Haupttreiber.  

Wie oft sollte ich vorbeikommen?

Die meisten Leute kommen zwischen zwei- bis dreimal. Aber: Was ist deine Ambition? Sind dein Aufwand und dein Ziel realistisch? Das kann zwischen zwei bis fünf Mal die Woche sein. Du musst nur gucken, dass auch die Erholung noch passt. Aber grundsätzlich ist die Antwort: Die Ambition entscheidet über die Frequenz. 

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