"Müssen Trump aus Partei werfen": Maga-Bewegung erlebt Wahl-Debakel als Nahtoderfahrung

"Müssen Trump aus Partei werfen"Maga-Bewegung erlebt Wahl-Debakel als Nahtoderfahrung
05.11.2026, 01:13 Uhr

Eine Wahlniederlage als Meteoriteneinschlag: Bei den Republikanern herrscht am Tag danach Endzeitstimmung. Während erste Stimmen laut werden, die Trump aus der Partei werfen wollen, fordern andere eine Rückbesinnung auf die Wurzeln.
Entsetztes Schweigen: Das ist die Reaktion vieler Anhänger von US-Präsident Donald Trump und seiner Maga-Bewegung (Make America Great Again, Macht Amerika wieder großartig) nach der krassen Klatsche bei den Kongresswahlen am Dienstag. Andere hören bereits die Totenglocken für Maga läuten und fordern die Rückkehr zu klassischen republikanischen Werten.
Von einer politischen Nahtoderfahrung spricht der scheidende Gouverneur des Bundesstaates Florida, Ron DeSantis. Mit einem "Artensterben" nach einem gewaltigen Meteoriteneinschlag verglich der Republikaner und langjährige Trump-Unterstützer die krachende Niederlage seiner Partei. Der 48-Jährige kreidete der Trump-Regierung unter anderem ihren Umgang mit dem Skandal um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein an und ihre laxe Haltung bei Künstlicher Intelligenz (KI).
Ähnliche Fundamentalkritik äußerte der republikanische Kongressabgeordnete Don Bacon aus Nebraska, der sein Mandat an eine Demokratin verlor. Die Wähler hätten "Populismus, Chaos, Putin und Zöllen eine Absage erteilt", bilanzierte Bacon, der Trumps Zollpolitik und seine Russland-freundliche Haltung im Ukraine-Krieg kritisch sieht. Er forderte eine Rückkehr zu den republikanischen "Wurzeln" aus der Zeit von Präsident Ronald Reagan (1981 bis 1989) - wie freien Märkten, Recht und Ordnung und niedrigen Steuern.
Ende wie in einem Western-Klassiker
Das "Wall Street Journal", das dem rechtsgerichteten Medienmogul Rupert Murdoch gehört, rief Trumps Partei zu einer "Gewissensprüfung" auf. Die Republikaner müssten mit Trumps ultranationalistischer und identitärer Rhetorik brechen. "Zölle und Massenabschiebungen können kein Ersatz für das Wachstum der Realeinkommen sein", hieß es im Leitartikel der Wirtschaftszeitung. Die männliche geprägte Maga-Basis könne nicht Latino-Wähler, Unabhängige und Vorstadtbewohner ersetzen, "die der Partei den Rücken gekehrt haben", schimpfte das Blatt.
Denn auch zahlreiche männliche Wähler, die bei der Präsidentschaftswahl 2024 noch für Trump gestimmt hatten, liefen nun zu den Demokraten über. "Das kann nicht wahr sein", hauchte Steve Bannon, der frühere Trump-Berater und Chefideologe der Maga-Bewegung, als er in der Wahlnacht in einer Livesendung den Trend entdeckte.
Bannon verglich die Maga-Lage am Tag danach mit dem Western-Klassiker "Bis zum letzten Mann" (Originaltitel: Fort Apache) von 1948. Darin verschanzt sich ein verbohrter Kommandant mit seinen Leuten in einem abgelegenen Fort in Arizona. Weil er die Kultur der Apachen nicht versteht und militärische Stärke demonstrieren will, führt dies zu einem Blutbad.
Absetzbewegungen bei JD Vance
Heißt es nun: Ruhe in Frieden (RIP, Rest in Peace) Maga? Ist die Bewegung, die auf Trumps erste Präsidentschaftskampagne 2016 zurückgeht, nach gut zehn Jahren passé? Trump hatte sich damals den Slogan "Make America Great Again" ans Revers geheftet, der eigentlich auf einen Ausspruch Reagans in den 1980er Jahren zurückgeht. Zumindest ist die Maga-Bewegung mit dem Wahldebakel an einem Scheidepunkt angekommen. Er dürfte zum Abnabeln von ihrem zunehmend wirr und senil wirkenden Anführer führen.
Am stärksten spürbar war dies am Tag danach bei Vizepräsident JD Vance. Der 42-Jährige, der womöglich um seine Chancen auf die Trump-Nachfolge bei den Präsidentschaftswahlen 2028 fürchtet, veröffentlichte mehrere lange Botschaften im Onlinedienst X. Darin rückte er deutlich von dem 80-jährigen Präsidenten ab. "Beendet den Krieg" und "Konzentriert euch auf die Lebenshaltungskosten/Inflation" seien die Hauptlektionen aus dem Wahlergebnis, schrieb Vance. "Das Hauptproblem ist, dass viele Menschen, die 2024 für Trump/Vance gestimmt haben, 2026 die Demokraten gewählt haben", bilanzierte er.
Innenminister: Ein Tag zum Feiern
Für einige frühere Maga-Köpfe ist die Konsequenz klar: "Wenn die Republikaner in Zukunft überhaupt eine Chance haben wollen, müssen sie Donald Trump aus der Partei werfen", forderte die frühere Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene. Sie hatte sich bereits im Epstein-Skandal und wegen des Iran-Kriegs mit Trump überworfen.
Und Trump? Der Maga-Boss zeigte sich bei seinem ersten Auftritt nach den Midterms auf der Baustelle zu seinem Ballsaal am Weißen Haus. Als wäre nichts gewesen, pries er die Qualität des Fußboden-Marmors und signierte einen Stahlträger mit einem Filzstift. Währenddessen lobte sein Innenminister Doug Burgum Trump als genialen Baumeister und verkündete: "Heute ist ein Tag zum Feiern!"
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