Fehler fühlen sich schlimmer an: In Männerteams fühlen sich Frauen unsicherer

Hadern mit eigenen FehlernIn Männerteams fühlen sich Frauen unsicherer
12.10.2026, 11:53 Uhr
Fehler sind menschlich, doch nicht alle gehen gleich damit um. Laut einer Erhebung aus dem britischen Finanzsektor fühlen sich Frauen bei Patzern besonders unwohl, wenn Männer das Team dominieren. Sie gestehen Fehler ungern ein und sehen darin seltener eine Lernchance.
Bei einem hohen Männeranteil im Team nehmen Frauen eigene Fehler besonders negativ wahr. Sie sehen Fehler auch weniger als Chance an, etwas zu lernen. Das zeigt eine britische Studie, die im Fachmagazin "Frontiers in Organizational Psychology" erschienen ist. Für die Studie waren 1485 Fachkräfte aus dem britischen Finanzsektor befragt worden.
"Theoretisch hat ein Fehler dieselben Konsequenzen, egal wer ihn begeht. Aber formale Regeln sind nicht gleichbedeutend mit Kultur", sagt die Hauptautorin Grace Lordan von der London School of Economics. "In Teams, die zu drei Vierteln oder mehr aus Männern bestehen, gaben Frauen an, dass sie sich weniger wohl dabei fühlen, einen Fehler zuzugeben, und weniger zuversichtlich sind, dass dieser als Lernmöglichkeit betrachtet wird. Wo Frauen in der Mehrheit sind, verschwindet dieser Unterschied."
Lordan und ihre Co-Autorin Paris Will von derselben Forschungseinrichtung weisen darauf hin, dass über 80 Prozent der Befragten Frauen waren - ein Ungleichgewicht, das die Verallgemeinerbarkeit einschränke. Zudem basierten die Daten auf Selbstauskünften zu einem hypothetischen Szenario, in dem sie sich einen Fehler von mäßiger Bedeutung in ihrem Job vorstellen sollten - zum Beispiel einen, der Kollegen zum Nacharbeiten zwang, oder eine kleinere verpasste Frist.
Frauen tendenziell härter beurteilt
Die Forscherinnen wählten für ihre Untersuchung den britischen Finanzsektor - eine überwiegend männerdominierte Branche. Frühere Untersuchungen zeigten hier bereits, dass Männer und Frauen bei Fehlern unterschiedlich bewertet werden. "Frauen in stereotypisch männlichen Rollen werden tendenziell härter für Fehler beurteilt, als weniger kompetent angesehen und erhalten einen geringeren Status als gleichwertige männliche Kollegen", schreibt das Team zum bisherigen Forschungsstand. Die Finanzbranche sei eine Kultur mit hohem Druck und geringer Fehlertoleranz. Daher gelte das Ergebnis vor allem für derartige Branchen.
Um das Phänomen genauer zu untersuchen, stellten die beiden Forscherinnen drei zentrale Fragen: Haben weibliche und männliche Berufstätige unterschiedliche Empfindungen hinsichtlich der Fehler, die sie bei der Arbeit begehen? Fühlen sich Frauen unwohler mit ihren eigenen Fehlern, weil sie mit einer härteren Beurteilung rechnen? Und: Wird das dadurch beeinflusst, wie stark ihr Umfeld von Männern dominiert ist?
Hier zeigt die neue Studie unter anderem Folgendes: In Teams mit einem Männeranteil von mindestens 75 Prozent fühlten sich Frauen im Umgang mit eigenen Fehlern unsicherer als ihre männlichen Kollegen. Ihnen war deutlich unwohler dabei, einen eigenen Fehler in der Firma offen anzusprechen. Auf einer Skala von eins bis sieben lag das Sicherheitsgefühl beim Eingestehen von Fehlern bei durchschnittlich 5,46 Punkten, bei Männern im selben Arbeitsumfeld bei 5,94 Punkten. In Teams mit einem geringeren Männeranteil lag der Wert bei Frauen bei 5,58.
Auch die Möglichkeit, Fehler als Lernchancen wahrzunehmen, sahen Frauen in Teams mit hohem Männeranteil weniger. Hier lag der Wert bei 4,20 für Frauen und 4,54 für Männer. In Teams mit einem geringeren Männeranteil bewerteten Frauen die Lernchancen ähnlich positiv wie Männer - teilweise sogar etwas positiver.
Gute Fehlerkultur kommt allen zugute
Bei den erwarteten formellen Folgen - etwa einem Vermerk in der Personalakte - zeigte sich kein geschlechtsspezifischer Unterschied. Die Kluft liege also in den informellen, psychologischen Dimensionen, so das Team. "Extrem männerdominierte, unter hohem Druck stehende Teams können ein allgemeines Klima der Angst oder des Perfektionismus sowie eine Null-Fehler-Kultur fördern."
Für Lordan kann diese Ungleichheit Auswirkungen auf alle Teams haben: "Aus Fehlern zu lernen, ist die Quelle von Innovation. Wenn Frauen sich weniger frei fühlen, Fehler zuzugeben, verliert das Unternehmen nicht nur ihr Vertrauen, sondern auch die daraus gewonnenen Erkenntnisse." Aber das Problem sei lösbar: Führungskräfte sollten aktiv an einer offenen Arbeitsatmosphäre arbeiten und deutlich machen, dass Fehler nicht automatisch als Makel gelten, sondern Anlass zum Lernen sind. Eine solche Fehlerkultur "kommt allen zugute und macht Unternehmen auf lange Sicht erfolgreicher", schlussfolgert Lordan.
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