Broadcom erschwert den VMware-Ausstieg
Broadcom hat die öffentlichen Downloadmöglichkeiten für das VMware Virtual Disk Development Kit (VDDK) entfernt. Der Anbieter bestätigt die Änderung gegenüber Fachmedien und verweist für den vorgesehenen Einsatz auf ausgewählte Partner. Die Situation erschwert ab sofort vor allem die Neuinstallation von Backup- und Migrationswerkzeugen, die das Paket bislang separat bezogen haben.
Das VDDK ist ein Software Development Kit mit Bibliotheken und Werkzeugen für den Zugriff auf virtuelle Festplattendateien im VMDK-Format. Es richtet sich primär an Hersteller von Storage-, Backup- und Recovery-Software. Zusammen mit den vSphere Storage APIs for Data Protection (VADP) dient es insbesondere dazu, virtuelle Maschinen über Snapshots zu sichern und wiederherzustellen.
Für Administratoren ist VDDK dennoch nicht nur ein Entwicklerthema. Auch einige Migrationswerkzeuge nutzen die Bibliotheken, um virtuelle Disks aus vSphere auszulesen und in andere Formate oder Plattformen zu überführen. Fehlt das VDDK beim Aufbau einer neuen Proxy-VM oder Appliance, kann ein solcher Migrationsweg scheitern, obwohl das eigentliche Werkzeug weiter verfügbar ist.
Zugang nur noch über ausgewählte Partner
Broadcom bestätigte die Einschränkung gegenüber The Register. Dem Bericht zufolge bleibt VDDK für den lizenzierten Einsatzzweck über ausgewählte Mitglieder des Technology Alliance Program (TAP) verfügbar. Broadcom nennt dafür ausdrücklich Backup und Recovery. Kunden mit entsprechendem Bedarf sollen auf zugelassene Lösungen dieser Partner zurückgreifen.
Der Anbieter stellt die Änderung als Durchsetzung bestehender Lizenzbedingungen dar. Das VDDK sei ein eigenständig lizenziertes SDK und nie Bestandteil eines Broadcom-Softwarekaufs gewesen, erklärte ein Sprecher gegenüber The Register. Einen allgemeinen Anspruch von vSphere-Kunden auf den Download oder eine Nutzung für beliebige Zwecke erkennt Broadcom also explizit nicht an.
Das TAP ist Broadcoms Partnerprogramm für Anbieter, die Produkte auf Basis der VMware-Technik entwickeln. Für Backup-Hersteller kann der Partnerweg ausreichen, wenn sie die erforderlichen Komponenten mit ihrer Software bereitstellen. Unabhängige Werkzeuge und Projekte, die VDDK bislang selbst heruntergeladen haben, erhalten damit aber keinen öffentlich dokumentierten Bezugsweg.
Keine öffentliche Erläuterung der Änderung
Broadcom entfernte die Download-Seiten um den 25. August 2026 ohne Vorwarnung – eine öffentliche Ankündigung zur Einstellung der Downloads blieb aus. Die Stellungnahme gegenüber The Register beschreibt zwar den künftig vorgesehenen Partnerzugang, nennt aber keinen Termin für die Umstellung, keine Übergangsfrist und keinen alternativen Downloadweg für Nicht-Partner. Auch TechTarget berichtet über eine von Broadcom bestätigte Änderung der Downloadmöglichkeiten.
Hinzu kommt, dass Broadcom die technische Dokumentation zu VDDK nicht durch einen öffentlich zugänglichen Hinweis zur geänderten Verfügbarkeit ergänzt hat. Administratoren und Softwareanbieter müssen daher selbst prüfen, ob ihre eingesetzten Produkte die benötigten Bibliotheken mitbringen oder sie bei Installation, Update oder Wiederherstellung einer Appliance erneut aus einer externen Quelle beziehen.
Migrationsprojekte müssen Abhängigkeiten prüfen
Betroffene Teams sollten ihre Runbooks, Installationsmedien und Automatisierung testen. Das gilt besonders für Migrationsprojekte, die neue Proxy-VMs oder Appliances aufsetzen und dabei bislang VDDK aus einer öffentlichen Quelle bezogen haben. Entscheidend ist, ob das verwendete Werkzeug die Bibliotheken integriert mitliefert oder einen separaten Download erwartet.
Offen bleibt zudem, was für bereits vorhandene VDDK-Kopien gilt, wenn Administratoren sie für Migrationen benötigen. Broadcoms öffentliche Stellungnahme beschränkt sich auf den vorgesehenen Einsatz über Partnerlösungen für Backup und Recovery. Aussagen zu einer allgemeinen Nutzung bereits vorhandener Pakete macht das Unternehmen darin nicht.
Die Abschaltung der öffentlichen VDDK-Downloads reiht sich in die umfassenden Änderungen ein, die Broadcom nach der Übernahme bei VMware-Produkten, Vertrieb und Lizenzierung vorgenommen hat. Dazu gehören die Umstellung von Dauerlizenzen auf Abonnements, die Kündigung sämtlicher Verträge mit VMware-Vertriebs- und Servicepartnern und die spätere Umgestaltung des Cloud-Provider-Programms zu einem Einladungsmodell.
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