Nach Saudi-Übernahme: EA macht legendäres Studio BioWare dicht
Das legendäre Rollenspiel-Studio BioWare fällt dem Sparkurs Electronic Arts’ zum Opfer. Das Studio wird geschlossen, die Arbeit an einem neuen „Mass Effect“-Teil eingestellt, schreibt BioWare online. Das Studio aus dem kanadischen Edmonton hat zuletzt nur noch mit einem kleinen Team an der frühen Entwicklung des 2020 angekündigten Science-Fiction-Rollenspiels gearbeitet.
Die Schließung ist Teil eines größeren Umbaus: EA streicht laut Variety rund drei Prozent seiner weltweiten Belegschaft; das sind etwa 400 Stellen. In einem Memo begründen EA-Manager Cam Weber und David Tinson den Schritt nicht wirklich: „BioWare ist ein legendäres Studio, das das Rollenspiel-Genre mitdefiniert hat, und wir treffen diese Entscheidung nicht leichtfertig“, heißt es darin. Mehr Details gibt es nicht.
Rollenspiel-Legende aus Edmonton
BioWare wurde 1995 gegründet. Mit „Baldur’s Gate“ (1998) und „Baldur’s Gate 2“ (2000) machte sich das Studio einen Namen, es folgten „Neverwinter Nights“ und „Star Wars: Knights of the Old Republic“. 2007 kündigte EA die Übernahme des Studios an, Anfang 2008 war der Kauf abgeschlossen. Im selben Jahr erschien das erste „Mass Effect“, 2009 folgte „Dragon Age: Origins“.
Mit diesen beiden eigenen Marken hatte BioWare seine größten Erfolge. Besonders die „Mass Effect“-Trilogie gilt mit ihrem selbst etablierten Sci-Fi-Universum und mit den über alle drei Teile beständigen Entscheidungen als Meilenstein des Genres. Die Spiele seien dadurch zu etwas Größerem geworden, sodass Spieler über ihre Entscheidungen debattiert und sich in die Figuren verliebt hätten, schreibt BioWare in dem Abschiedspost.
Flops und Abwanderung
In den vergangenen Jahren hat BioWare abgebaut: Die großen Releases blieben weit hinter den Erwartungen zurück. „Mass Effect: Andromeda“ (2017) wurde kritisch aufgenommen und verkaufte sich schlechter als seine Vorgänger, das Live-Service-Spiel „Anthem“ (2019) floppte. Auch „Dragon Age: The Veilguard“ setzte den Negativtrend fort.
Kurz darauf verkleinerte EA das Studio drastisch. Zahlreiche Entwickler wurden dauerhaft an andere EA-Studios abgegeben und arbeiteten fortan an Spielen wie „Skate“ oder „Iron Man“. Laut Bloomberg hatte BioWare danach nur noch weniger als 100 Beschäftigte, zwei Jahre zuvor waren es noch über 200.
Milliardenschulden nach Übernahme
Seit dem 4. August gehört EA einem Konsortium aus dem saudischen Staatsfonds PIF, der Investmentfirma Silver Lake und Jared Kushners Affinity Partners. Finanziert wurde der 55 Milliarden US-Dollar schwere Kauf zu einem großen Teil auf Pump. 20 Milliarden US-Dollar Fremdkapital landen als Schulden bei EA selbst und müssen aus dem laufenden Geschäft abbezahlt werden.
Das von Variety veröffentlichte EA-Memo macht deutlich, wo die Firma künftig investieren will: Die Sportabteilung soll weiter florieren. Neben „EA Sports FC“ entstehen ein Open-World-Spiel rund um American Football und eine Neuauflage der Boxreihe „Fight Night“. Respawn und DICE sollen außerdem gemeinsam an einem Projekt aus der Shooter-Sparte arbeiten, bei dem es sich um „Star Wars: Battlefront 3“ handeln könnte.
Geld verdient EA auch nach dem Verkauf eines Spiels: Im Geschäftsjahr bis Ende März 2026 entfielen rund 5,6 von 8 Milliarden US-Dollar Nettobuchungen (Net Bookings) auf Live-Service-Einnahmen wie Zusatzinhalte und Mikrotransaktionen, geht aus dem Jahresbericht an die US-Börsenaufsicht hervor. Der Ultimate-Team-Modus der Sportspiele ist dabei besonders lukrativ: EA selbst bezeichnet die Einnahmen daraus als wesentlich für sein Geschäft. Wie weit der Publisher dabei geht, zeigte zuletzt „College Football 27“, in dessen Einzelspieler-Modi EA ohne Ankündigung Mikrotransaktionen eingebaut hat.
Ein storylastiges Einzelspieler-Rollenspiel mit jahrelanger Entwicklungszeit passt schlecht in diese Rechnung. Dass die Marken „Mass Effect“ und „Dragon Age“ bei EA noch eine Zukunft haben, ist fraglich.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.