Vivienne Huber (25) ist der Jungstar – aber SVP übergeht sie

- 16 Personen schlägt die SVP Aargau für die Nationalratswahlen 2027 vor – Vivienne Huber (25) ist nicht dabei.
- Huber erzielte bei den Wahlen 2023 das beste Ergebnis auf der Liste der Jungen SVP.
- Sie kritisiert: «Wer Nachwuchs will, sollte ihm auch Platz machen.»
Bei der SVP Aargau stehen für die Nationalratswahlen 2027 Veränderungen an: Mit Andreas Glarner und Alois Huber verlassen gleich zwei bisherige Nationalräte die politische Bühne in Bundesbern. Damit werden Plätze für neue Gesichter frei.
Glarner begründete seinen Rücktritt unter anderem damit, Platz für jüngere Kräfte machen zu wollen. Nun hat die Findungskommission der SVP Aargau ihre Vorschläge präsentiert: 16 Kandidatinnen und Kandidaten sollen für die Partei ins Rennen steigen. Neben den fünf bisherigen SVP-Nationalratsmitgliedern sind elf Grossrätinnen und Grossräte aufgeführt.
Entscheidend für die Auswahl seien unter anderem die bisherige Parteiarbeit, «das politische und gesellschaftliche Engagement sowie die Bekanntheit» der Kandidierenden gewesen, schreibt die Kommission in ihrer Medienmitteilung.
Doch ausgerechnet eine der bekanntesten jungen SVP-Politikerinnen des Landes sucht man auf der Liste vergebens: Vivienne Huber (25). Sie wollte für den Nationalrat kandidieren – wird nun von der Findungskommission aber nicht vorgeschlagen, obwohl sie Glarner nahesteht.
Huber enttäuscht: «Hätte mir anderen Entscheid gewünscht»
Huber kandidierte bereits 2023 und erzielte mit 2959 Stimmen das beste Ergebnis auf der Liste der Jungen SVP. Mittlerweile führt sie gemeinsam mit SVP-Präsident Marcel Dettling den Podcast «Dütsch Dütlich Dettling», erreicht über die sozialen Medien Tausende und ist längst über die Aargauer Kantonsgrenzen hinaus bekannt.
«Natürlich hätte ich mir einen anderen Entscheid gewünscht», sagt Huber auf Anfrage von 20 Minuten. Gerade, wenn Bekanntheit und Reichweite zu den Auswahlkriterien gehörten. «Dabei geht es mir nicht um Bekanntheit um ihrer selbst willen, sondern darum, mit meiner politischen Arbeit auch junge Menschen zu erreichen, die sich sonst kaum mit Politik beschäftigen.»
«Wer Nachwuchs will, sollte ihm auch Platz machen»
Die 25-Jährige engagiere sich bereits seit acht Jahren in der SVP. «Ich mache das meiste ehrenamtlich für die Partei und setze mich mit Herzblut ein.» Und fügt an: «Wer Nachwuchs will, sollte ihm auch Platz machen.»
Eine Ochsentour – also zuvor zahlreiche politische Stationen zu durchlaufen – sei ein möglicher Weg in die Politik, so Huber. «Sie sollte aber nicht automatisch mit politischer Kompetenz gleichgesetzt werden», sagt die Aargauerin. Entscheidend sei für sie nicht, wie viele politische Stationen jemand durchlaufen habe, sondern welche Antworten die Person auf die «drängendsten Fragen unseres Landes» habe.
Der Fall erinnert an SP-Politikerin Ronja Jansen: Auch sie wollte 2023 für den Nationalrat kandidieren, wurde von der SP Baselland jedoch nicht nominiert – sehr zur Enttäuschung der damals 28-Jährigen.
Findungskommission schweigt über Gründe
Auf Anfrage von 20 Minuten will sich der Präsident der Findungskommission, SVP-Grossrat Mario Gratwohl, nicht zum Entscheid äussern. Er verweist stattdessen auf die Medienmitteilung. Darin betont die Kommission, dass die Liste mit einem «breiten Altersspektrum von Jahrgang 1962 bis 1995 die Bevölkerung hervorragend repräsentiert». Die Liste vereine «politische Erfahrung, verschiedene Generationen und neue Kräfte». Die Kommission sei «überzeugt, damit eine breit abgestützte und schlagkräftige Liste vorzulegen».
Worauf sollte eine Partei bei der Auswahl ihrer Nationalratskandidaten am meisten achten?
Auch Hubers Mentor, der abtretende Nationalrat Andreas Glarner, will den Entscheid der Findungskommission zu seinem Schützling nicht kommentieren. Eine Möglichkeit bleibt Huber noch: Sie könnte erneut auf der Liste der Jungen SVP kandidieren. Doch über diese Liste ist der Sprung in den Nationalrat faktisch aussichtslos.
Entmutigen lassen will sich Huber aufgrund des Entscheids der Findungskommission aber nicht. Für die 25-Jährige sei Politik keine Frage von Ämtern, sondern von Überzeugungen. «Ich werde mich so oder so mit ganzer Kraft für die Schweiz einsetzen. Und ich freue mich auf alles, was noch kommt.»
Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.
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