Schwesig begrenzt AfD-Erfolg, CDU schwach wie nie







Wahlergebnis: Rot-blaue Zuspitzung
Das SPD-Ergebnis basiert auf ihrem positiven Ansehen als Landespartei, ihrer Sachkompetenz und einer starken Spitzenkandidatin. Neben guter Arbeit als Ministerpräsidentin und viel Ansehen profiliert sich Manuela Schwesig mit kritischer Distanz zur Bundesregierung. Die CDU kann sich nicht vom Merz-Malus lösen, hat aber auch als Partei in Mecklenburg-Vorpommern große Image- und Kompetenzdefizite.
Bei einer primär landespolitisch geprägten Wahl leiden CDU und Linke unter der rot-blauen Zuspitzung und dem Wunsch nach SPD-Regierungsführung, wenn die einzige Alternative AfD hieße. Bei viel Polarisierung profitiert die AfD von großer Unzufriedenheit, überzeugt ihr Klientel aber auch zunehmend mit politischen Inhalten.
"Über 60 Prozent wollen, dass ich meine Arbeit als Ministerpräsidentin fortsetze", so die SPD-Spitzenkandidatin zur Frage, warum es bei der SPD nur für Platz zwei gereicht hat.
20.09.2026 | 3:57 minSpitzenkandidaten: Erfolgsfaktor Schwesig
Maßgeblichen Anteil am SPD-Ergebnis hat zunächst die Spitzenkandidatin: Manuela Schwesig punktet mit ihrer Leistungsbilanz (gute Arbeit: 68 Prozent; 2021: 81 Prozent) und gutem Ansehen (+5/-5-Skala: 1,3; 2021: 2,7), das neben Bestnoten aus dem SPD-Lager auch auf viel Wertschätzung im Linke-, CDU-, Grünen- und BSW-Lager beruht.
AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm hat insgesamt ein Negativimage (minus 1,1) und entwickelt im AfD-Lager weniger Zugkraft als zuletzt Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt. 33 Prozent aller Wahlberechtigten wollen Holm als Ministerpräsidenten, 61 Prozent sind dagegen für Schwesig, die gegenüber Holm als weitaus kompetenter, glaubwürdiger und sympathischer gilt.
AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm hofft in Mecklenburg-Vorpommern auf den Wahlsieg. Er erwartet, dass sich die anderen Parteien zu möglichen Koalitionsgesprächen offen zeigen.
20.09.2026 | 1:15 minBundespolitik: Erfolgreiche SPD-Distanzierung
Parallel zu ihrem Vorteil im Kandidatenduell gelingt der SPD-Ministerpräsidentin die erfolgreiche Distanzierung vom Bund: Während die Bundesregierung (+5/-5-Skala: minus 2,6) und - besonders drastisch - Bundeskanzler Friedrich Merz (minus 3,0) im Nordosten extrem schlecht gesehen werden, meinen 55 Prozent aller Befragten, dass die in Teilen starke Kritik von Manuela Schwesig an der Bundesregierung der SPD jetzt geholfen hat.
Tatsächlich kann sich die Mecklenburg-Vorpommern-SPD (1,3) beim Ansehen überdeutlich von der SPD-Bundespartei (minus 0,4) absetzen. Die CDU fällt bei dieser mehr landespolitisch geprägten Wahl (ausschlaggebend war die Politik im Land: 59 Prozent; im Bund: 35 Prozent) - neben einem miserablen Image der Bundes-CDU (minus 2,1) - als Landespartei auf ein Rekordtief (minus 1,6). Die AfD wird im Land (minus 1,1) inzwischen weniger kritisch gesehen.
AfD-Erfolg: Mehr Inhalte, weniger Protest
Wie schon vor zwei Wochen in Sachsen-Anhalt punktet die AfD zunehmend mit Parteikompetenzen. In Mecklenburg-Vorpommern setzen zwar weiterhin die meisten Befragten in den Bereichen "Bildung/Schule", "Arbeitsmarkt", "Wirtschaft", "Infrastruktur" und "Zukunft" auf die SPD. Die AfD hat aber überall stark aufgeholt, die CDU bleibt durchweg sehr schwach.
Im AfD-Lager gibt es wie gewohnt sehr häufig das Gefühl von persönlicher Benachteiligung, oft maximale Kritik an den Regierenden in Bund und Land und völlig konträr zu allen anderen Bürgern die Meinung, dass Russland keine Gefahr für den Westen sei. Im AfD-Lager sagt inzwischen eine Mehrheit von 54 Prozent, dass die AfD vor allem "wegen ihrer politischen Forderungen" gewählt wird, noch 41 Prozent meinen "als Denkzettel für die anderen Parteien".
Wer wählte wen: AfD mit starkem Bildungsgefälle
Das Rückgrat des SPD-Erfolgs bleibt eindeutig die Generation 60-Plus: In dieser großen und beteiligungsstarken Wählergruppe schafft die SPD 48 Prozent. Unter Frauen liegt die SPD vor der AfD (41 bzw. 33 Prozent), bei den Männern ist die AfD stärker als die SPD (44 bzw. 32 Prozent). Eine zentrale Rolle spielt bei der AfD-Unterstützung der Faktor Schulbildung: Unter Befragten mit Hauptschulabschluss oder Mittlerer Reife (jeweils 48 Prozent) ist die AfD weitaus erfolgreicher als unter Wähler*innen mit Abitur oder Hochschulabschluss (30 bzw. 20 Prozent).
Die CDU hat in allen Altersgruppen Verluste. In der Generation 60-Plus erreicht sie noch sechs Prozent, bei den unter 30-Jährigen lediglich zwei Prozent. Die AfD erzielt bei den unter 30-Jährigen 37 Prozent, die SPD verfehlt hier mit 24 Prozent sehr klar ihr Wahlergebnis. Linke (18 Prozent) und Grüne (acht Prozent) sind in dieser jungen Wählergruppe überdurchschnittlich erfolgreich.
Die CDU bangt in Mecklenburg-Vorpommern um den Einzug in den Landtag. Spitzenkandidat Daniel Peters sieht im Wahlkampf "schwierigste Rahmenbedingungen" und dankt den Wahlkämpfern.
20.09.2026 | 1:02 minOption AfD-Regierung: Große Vorbehalte
Neben Manuela Schwesig, ihrem Ansehen als Landespartei und der Entkopplung vom Bund profitiert die SPD auch von großen Vorbehalten gegenüber einer AfD-Regierungsverantwortung. Vor die Wahl gestellt zwischen einer AfD- oder SPD-geführten Regierung, wollen 37 Prozent die AfD an der Spitze, insgesamt 60 Prozent sind dann aber für die SPD, darunter auch die allermeisten CDU-, Linke- und Grünen-Anhänger.
Einher geht dieses Votum mit großen Zweifeln am Mehrwert der AfD: Dass eine AfD-Regierung zu besserer Politik führen würde, glaubt außerhalb des AfD-Lagers fast niemand. 51 Prozent aller Befragten sehen in der AfD aber eine Gefahr für unsere Demokratie, darunter 75 Prozent all derjenigen Bürger, die nicht AfD wählen wollten.
Die Zahlen basieren auf einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen unter 918 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Mecklenburg-Vorpommern in der Woche vor der Wahl (telefonisch/online) und auf der Befragung von 17.727 Wähler*innen am Wahltag.
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen
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