Audi-Chef Döllner nach Auftritt mit Trump in der Kritik
Der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies kritisierte den Auftritt von Gernot Döllner scharf. "Eine Wahlkampfveranstaltung kann nicht der richtige Ort sein, eine solche Investition zu verkünden", erklärte der SPD-Politiker.
Politisch vereinnahmt
Der Chef der VW-Tochter Audi sei "Teil einer politischen Inszenierung" geworden, was Befremden ausgelöst habe. Trump hatte am Wochenende den Bau eines neuen Audi-Werks in Perry im US-Bundesstaat Georgia für rund vier Milliarden Dollar angekündigt. Döllner trat dabei gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump auf und dankte ihm für seine Unterstützung.

Lies stellte in seiner Funktion als niedersächsischer Regierungschef und als VW-Aufsichtsrat klar, dass eine endgültige Entscheidung über das Projekt noch ausstehe. Über eine Investition dieser Größenordnung entscheiden die zuständigen Gremien des Konzerns, "und diese Entscheidung ist noch nicht gefallen".
Auch an Deutschland denken
Lies nannte es zugleich strategisch richtig, dass Audi den US-Markt besser erschließen wolle, das allerdings nur solange Arbeitsplätze in Deutschland gesichert und nicht verdrängt würden. Er forderte, alle Bedingungen für die Investition gehörten "vollständig auf den Tisch des Aufsichtsrats". Zudem erwarte er, dass "mit derselben Entschlossenheit, mit der in den USA investiert werden soll, auch an Zukunftsperspektiven und Lösungen für die Standorte in Deutschland gearbeitet wird, die heute in Frage stehen".

Linken-Chef Luigi Pantisano forderte den Rücktritt von Audi-Chef Gernot Döllner. "Ich finde, es ist eindeutig: Audi-Vorstandschef Gernot Döllner muss seinen Hut nehmen", sagte er dem Nachrichtenportal "t-online". "Gerade bei VW, wo das Land Niedersachsen mit in Verantwortung ist, muss das Konsequenzen haben." Audi gehört zum VW-Konzern.
Grundsätze der Firma verletzt
Zudem kritisierte Pantisano - ähnlich wie die VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo und die IG Metall -, dass Döllners Auftritt gegen die eigenen Grundsätze von Audi verstoße. Zu diesen Grundsätzen gehöre es, sich vor Wahlen nicht an öffentlichen Parteiveranstaltungen zu beteiligen.
Am 3. November finden in den USA Zwischenwahlen, die sogenannten Midterms, statt. Die US-Bürger sind aufgerufen, Teile des Senats und des Repräsentantenhauses neu zu wählen. Die Abstimmungen gelten als wichtiger Stimmungstest zur Halbzeit einer Präsidentschaft und können die politischen Kräfteverhältnisse im Land neu ordnen.
Aktuell besitzen die Republikaner von US-Präsident Donald Trump im Senat und im Repräsentantenhaus eine Mehrheit. Jüngsten Umfragen zufolge drohen den Republikanern bei den jetzt anstehenden Midterms aber Stimmenverluste.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.