heise+ | Analoge Archive als Schutz vor dem digitalen Vergessen
Tief im Berg versteckt schlummert die Geschichte der deutschen Bundesrepublik. Nicht etwa auf Festplatten, SSDs oder Magnetbändern, sondern in analogen Archiven mit wenig Technik. So sollen sie das Wissen über viele Generationen hinweg bewahren, weit länger als typische Datenträger durchhalten würden. Wir haben uns das „Wissensendlager“ im Barbarastollen im Schwarzwald angeschaut.
Wer den Stollen besucht, sieht zunächst vor allem einen langen Gang. Rund 450 Meter führt der Weg vom Eingang durch den Berg bei Oberried in der Nähe von Freiburg, bevor der Zugang zu den Lagerkammern erreicht ist. Dort finden sich aber keine Originalurkunden und keine wertvollen Erstausgaben. Stattdessen lagern hier Kopien in Edelstahlbehältern: stark verkleinerte Aufnahmen von Dokumenten, die an anderen Orten verwahrt werden. Gehen diese Originale verloren, sollen die Filme zumindest ihren Inhalt überliefern. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bezifferte den Bestand zum 50-jährigen Jubiläum des Bergungsorts 2025 auf mehr als 1,3 Milliarden Aufnahmen.
Das klingt nach einer eigenwilligen Antwort auf eine Zeit, in der Archive ihre Bestände digitalisieren und Daten über Netze verteilen. Aber der Stollen erfüllt einen anderen Zweck als ein Onlinearchiv. Seine Filme müssen nicht täglich verfügbar sein. Sie sollen noch vorhanden und lesbar sein, wenn andere Sicherungen versagt haben. Gerade darin liegt eine grundsätzliche Frage der Langzeitarchivierung: Genügt es, Information auf einen haltbaren Träger zu schreiben? Oder muss zugleich gesichert sein, dass künftige Menschen den Träger finden, den Inhalt lesen und seine Bedeutung verstehen können?
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