ESPN DeportesAtlante no encuentra respuesta a la goleada de PachucaThe Jerusalem Post'Who Is American?' Exploring the complicated history of Jewish citizenship in the US - review한겨레올해 추석 차례상 어쩌나...정부, '반값 한우' 등 역대 최대 할인예산 투입Bollywood HungamaTriptii Dimri joins Peep Beauty as investor and co-creatorInquirer EntertainmentShuvee Etrata, Anthony Constantino take year-long courtship to new digital seriesScreen RantThis Legend Of Zelda NES Remake Is The Perfect 40th Anniversary Celebrationוואלהדיווח: ארה"ב תגביל את חלונות הזמן להגנה אווירית על מכליות במצר הורמוזRapplerWhy big supermarkets still see plenty of room outside Metro ManilaThe South AfricanConfirmed: Special SA national anthem singer for Baltimore TestMalay MailEarly morning blaze guts first floor of Kuching retail chain, no injuries reportedNew Straits TimesNepal floods: SMART team to return today or tomorrow, says Tok MatLenta.ruВторой за неделю взрыв произошел на военном заводе в Болгарии
The Daily Newsstand · Free, Always
Saturday, September 12, 2026

Die Ich-AG fürs Wir-Gefühl: Schwesig macht den Unterschied - aber wie?

Translate

Die Ich-AG für's Wir-GefühlSchwesig macht den Unterschied - aber wie?

617568487
Wahlkampfendspurt: Manuela Schwesig bei der Vorstellung ihrer Kampagne "Die Frau gegen blau". (Foto: picture alliance/dpa)

In Mecklenburg-Vorpommern könnte Manuela Schwesig ihr Amt als Ministerpräsidentin erneut gegen die AfD verteidigen - gegen jeden Trend. Die Landesmutter investiert dafür alles, nicht zuletzt sich selbst.

Für Manuela Schwesig kommen sie alle. Die Russland-Freunde, die Windkraft-Gegner, die örtliche AfD. Die "Manu"-Fans aller Altersgruppen sind sowieso da. Dabei braut sich an diesem spätsommerlichen Montagabend Ende August ein heftiges Unwetter über der Stadt Neubrandenburg zusammen. Der Wahlkampfauftritt von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin droht ins Wasser zu fallen. Doch die Regenfront dreht ab, die von der SPD gebuchte Zwei-Mann-Band dreht ihre launigen Pophits auf und Schwesig legt einen Auftritt hin, der viel erzählt über die Gründe des ungebrochenen Zuspruchs, den sie genießt. Und auch darüber, warum die 52-Jährige über Mecklenburg-Vorpommern hinaus Sozialdemokraten von einer besseren Zukunft träumen lässt.

Auf die Bühne holt die von mehr als 200 Zuschauern erwartete Regierungschefin der örtliche SPD-Landtagskandidat Erik von Malottki. Der bekennende Parteilinke ruft, Schwesig stehe für "die SPD, auf die ich so stolz bin". Die durchklingende Distanzierung von der übrigen SPD ist so gemeint: In den Jahren der Ampelkoalition saß von Malottki im Bundestag und fremdelte stark mit dem Berliner Politikbetrieb. Nun müssten die Menschen im Land am 20. September wieder SPD wählen, sagt von Malottki, "damit Manuela Schwesig in Berlin gegen bestimmte Reformen kämpfen kann". Ausgerechnet Schwesig - ehemalige Bundesfamilienministerin und Kurzzeit-Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Karrierepolitikerin und Langzeitministerpräsidentin - als Speerspitze des Nordostens gegen das Polit-Establishment in Berlin?

Schwesig sagt, die Leute sind "sauer"

Schwesig selbst würde das nie so formulieren, doch in ihrer halbstündigen Wahlkampfrede taucht die schwarz-rote Koalition in Berlin ausschließlich als Gegner auf: "Das könnt ihr auf gar keinen Fall machen", habe sie der Bundesregierung gesagt, als diese die Rentenpunkte für pflegende Angehörige streichen wollte. "Ich lehne ab, dass die Menschen, die am längsten arbeiten und am längsten einzahlen, nicht mehr das Recht haben, nach 45 Jahren zu gehen", unterstreicht sie ihre Position in der Debatte über das Aus der sogenannten Rente mit 63. So fordert das kleine Schwerin das große Berlin heraus. Schon bei der Landtagswahl vor fünf Jahren sagten 71 Prozent der Befragten, Schwesig vertrete erfolgreich die Interessen des Landes im Bund.

616201513
Schwesig auf ihrer Wahlkampfbühne: Sie hat sich fürs Land entschieden, nun soll sich Mecklenburg-Vorpommern wieder für sie entscheiden. (Foto: picture alliance / photothek.de)

Bundeskanzler Friedrich Merz fordert Schwesig von Neubrandenburg aus auf, nach dem Vorbild Luxemburgs einen Preisdeckel für Diesel und Benzin auszuhandeln, denn: "Wir wollen nicht im Kapitalismus leben", so Schwesig unter Applaus. "Wir wollen in einer sozialen Marktwirtschaft leben, wo auch unser Klein- und Mittelstand und wo die, die jeden Tag hart arbeiten - wie die Pendler -, auch klarkommen und nicht die massiven Übergewinne von großen Konzernen bezahlen." In ihren zuletzt zahlreicheren Interviews forderte Schwesig vom Bund zudem niedrigere Strompreise und machte sich gegen Kürzungen beim Unterhaltsvorschusses für Alleinerziehende stark.

Im Gespräch mit ntv.de erläutert Schwesig ihre Haltung: "Das größte Problem von Politik ist, dass viel versprochen wird und dann wird es ganz anders gemacht." Schwesig hatte bei den eigenen Genossen für den Koalitionsvertrag der SPD mit der Merz-Union geworben. Nun sagt sie: "Es war völlig klar, dass die SPD nur einem Koalitionsvertrag zustimmt, wenn es bei der Rente nach 45 Beitragsjahren bleibt." Auch ihr Dringen auf niedrigere Benzin- und Dieselpreise seien kein Selbstzweck: "Nur weil es keine große Protestwelle gibt, heißt das nicht, dass die Leute nicht sauer sind", sagt Schwesig über die Rückmeldungen ihrer Bürger. "Sie haben nicht mehr das Vertrauen, dass der Kanzler und die Bundesregierung das lösen. Und das ist ein Problem. Auch das ist ein Grund für das Ergebnis bei der Sachsen-Anhalt-Wahl."

Dieser Bundesregierung gehört auch Schwesigs SPD an, was sie in Neubrandenburg lieber nicht thematisiert. Ihre Bundesvorsitzenden Bärbel Bas und Lars Klingbeil, die zugleich wichtigsten SPD-Minister in der Merz-Regierung, erwähnt Schwesig mit keiner Silbe. "Geben Sie beide Stimmen der SPD. Die SPD-Stimmen sind die Schwesig-Stimmen", sagt sie am Ende ihrer Rede. In den letzten 14 Tagen vor dem Wahltag lässt Schwesig den Slogan "Die Frau gegen blau" plakatieren: Wer die AfD verhindern will, soll sich zum Kreuz bei der SPD durchringen, trotz der Bundesregierung.

Zuhören, bis alle gesprochen haben

Schwesigs Abgrenzung von der Bundesregierung, ohne allzu offensichtlich gegen die SPD zu koffern, ist ein ständiger Spagat - aber kein Selbstzweck, beteuert Erik von Malottki. "Sie hat diesen besonderen Instinkt, was die großen Themen sind, die die Leute umtreiben", sagt der Landtagskandidat bei einer Tasse Kaffee am Tag nach dem Wahlkampfauftritt. Wenn Schwesig erkenne, dass ein Thema für die Menschen wirklich wichtig ist, sei sie auch bereit, mit den Regeln des Berliner Politikbetriebs zu brechen. "Wo andere sich vollkommen den Sachzwängen ergeben, wagt es Schwesig auch mal, out of the box zu denken." Schwesig sagt im Gespräch mit ntv.de: "In Mecklenburg-Vorpommern ist die Frage des bezahlbaren Lebens elementar."

In Neubrandenburg erklärt die Regierungschefin, woher sie Sorgen und Nöte ihrer rund 1,6 Millionen Einwohner zu kennen glaubt: "Seit meinem ersten Arbeitstag am 5. Juli 2017 mache ich konsequent im ganzen Land Bürgerdialoge, wo alle kommen können, wo alle auch ihre Meinung sagen können." Das Format ist ein Kraftakt im sechstgrößten Bundesland mit der bundesweit niedrigsten Bevölkerungsdichte. In Neubrandenburg nimmt sich Schwesig nach ihrer Rede eineinhalb Stunden Zeit für gemeinsame Fotos und Gespräche; verzieht auch dann keine Miene, wenn ihr Gegenüber jedes vernünftige Maß überzieht und gar nicht mehr aufhört, auf sie einzureden. Sie bleibt an diesem Abend deutlich länger als geplant; so lange, bis wirklich alle Wartenden ihren Moment mit der Ministerpräsidentin hatten.

Ihren Gesprächspartnern geht es um eine Ausweitung der vergünstigten Seniorentickets, um die hohen Energiepreise für Landwirte, um mehr Anerkennung für Kita-Erzieherinnen, um fehlende Sportanlagen und immer wieder auch um die militärische Unterstützung der Ukraine. Das MV-Ticket auszuweiten, dafür fehle das Geld, entgegnet Schwesig. Vereinen will Schwesig helfen, indem die Landesregierung für drei Feste pro Jahr die Gema-Gebühren bezahlt, das Lizenzgeld für das öffentliche Abspielen urheberrechtlich geschützter Musik. "Es ist wichtig, zusammenzukommen", sagt sie dazu in ihrer Rede. "Wir haben viel zu viel Gegeneinander in der Gesellschaft." Den Kritikern der Russlandpolitik versichert sie, dass niemand Krieg mit Russland wolle.

"Wir müssen uns kümmern"

Eine Frau spricht Schwesig wegen ihres Lebenspartners an, ein ehemaliger Heizungsinstallateur mit mehrfachem Bandscheibenvorfall. Seit vier Jahren kämpfe der vergeblich um eine Erwerbsminderungsrente, doch die Ämter hielten ihn für arbeitsfähig. Schwesig sucht den im Abseits wartenden, im Rollstuhl sitzenden Mann auf.

Als würden nicht Dutzende umstehende Menschen um ihre Aufmerksamkeit ringen, hört Schwesig dem Mann konzentriert zu. "Da geht es auch um Anerkennung Ihrer Lebensleistung", sagt Schwesig in verständnisvollem Ton zu dem Mann. Als dessen Partnerin die Tränen kullern, streichelt Schwesig ihren Oberarm. "Richtig, diese Anerkennung wird mir versagt." Schwesig verspricht, sich zu kümmern. Es ist ihre Politik des Gesehenwerdens.

Natürlich weiß die wahlkämpfende Ministerpräsidentin, dass Pressevertreter die Szene verfolgen. Authentisch wirkt ihr Interesse dennoch. Der Gestus der mitfühlenden Kümmerin ist bei Schwesig Programm. "Wir müssen vor Ort sein, wir müssen uns kümmern. Das ist meine feste Überzeugung", sagt Schwesig zu ntv.de und räumt ein: "Das ist auch etwas, das mir Spaß macht, das mir liegt und das mich erdet." Sie sei überzeugt: Auch ein Bundeskanzler könne so sein Regierungsamt führen, wenn er es denn wolle.

Das Private ist politisch

Die Menschen werden mit ihr privat, Schwesig aber auch mit ihnen. Anekdoten aus ihrem eigenen Familienleben, die Arbeitslosigkeit ihres Vaters in den Nachwende-Jahren, ihr erfolgreicher Kampf gegen die eigene Krebserkrankung: Das sind zuverlässig Bausteine ihrer Reden. In der SPD-Wahlkampfpostille "Manu Magazin" geht es ausführlich um die "Liebe ihres Lebens", Ehemann Stefan. Der sagt im Interview Sätze wie "Ich liebe meine Frau, wie sie ist", und "Manus Krebserkrankung war für mich definitiv der schwerste Moment". Ihren 19-jährigen Sohn präsentiert Schwesig stolz auf Instagram, von der 10-jährigen Tochter gibt es dort ein Babyfoto zu sehen. Und wer in der kleinen Landeshauptstadt Schwerin lebt, bekommt Familie Schwesig leicht zu Gesicht, ob beim Einkaufen oder beim Sportturnier der Tochter.

So viel Vertraulichkeit mag nicht jeden ansprechen. Aber Schwesigs Offenheit dürfte vielen Menschen im Land das Gefühl geben, sie als Menschen zu kennen - nicht nur als die taffe Politikerin, die sie auch ist. Wie straff das Regiment ist, mit dem Manuela Schwesig ihre rot-rote Landesregierung geräuschlos führt, wie fordernd sie auch sein kann gegenüber ihren Mitarbeitern: All das verschwindet hinter dem sorgsam gepflegten Bild von "Manu". Als Schwesig mit damals sensationellen 39,6 Prozent die Landtagswahl 2021 gewann, hatten 43 Prozent der Frauen für sie gestimmt. Die Mutter, die die Herausforderungen des Familienalltags kennt, die Frau, die der Brustkrebs heimsuchte: Gerade Wählerinnen finden sich in Schwesig wieder.

Schwesig ist die Ich-AG für das Wir-Gefühl im Norden. "Die gebührenfreie Kita ist meine ganz konkrete Unterstützung für Mütter und Väter", sagte Schwesig neulich im NDR-Interview. Auch sonst scheut sie nicht das "Ich" statt "Wir", wenn es um Erfolge ihrer Koalition geht. Die nicht gerade groß gewachsene Frau mit dem Pixie-Cut-Haarschnitt macht keinen Hehl daraus, wie viel sie sich zutraut und sich auch zu nehmen bereit ist. Schwesig kann auch Härte ausstrahlen. Für Politikerinnen ist das noch immer keine Selbstverständlichkeit und ihr Weg dahin war nicht frei von Rückschlägen.

Für das Land entschieden

Dass Schwesig in der Nord-Stream-Affäre ihrer Landesregierung zeitweise dastand, als sei sie die bundesweit einzige Politikerin gewesen, die billige Gasimporte aus Russland mit aller Macht forcierte, soll ihr zugesetzt haben. Und doch ist sie noch immer im Amt, ist sie erneut auf bestem Weg, ihr Amt gegen eine Regierungsmehrheit der AfD zu verteidigen. Ausweislich der Umfragen hat ihre SPD den Rückstand auf nur noch wenige Prozentpunkte verkürzt. Bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten würde rund die Hälfte aller Befragten Schwesig wählen, aber nur ein Viertel den AfD-Bewerber Leif-Erik Holm. In der SPD rechnet man sich Chancen aus, am Wahltag noch stärkste Kraft zu werden.

Allerdings wächst Schwesigs SPD in den Umfragen eher auf Kosten potenzieller Koalitionspartner, vor allem der CDU. Die hohen Zustimmungswerte der AfD sind im Schwesig-Land derweil so stabil wie die strukturellen Probleme Mecklenburg-Vorpommerns: die Überalterung, die Landflucht, der Mangel an attraktiven Arbeitsplätze. Abzüglich der Ausreißer liegt das Durchschnittsgehalt bei rund 3500 Euro brutto. Mecklenburg-Vorpommern ist damit - wie in den meisten Jahren seit der Wende - das Schlusslicht unter allen Bundesländern. Schwesig mag den Menschen das Gefühl geben, ihre Probleme zu sehen und lösen zu wollen. Dass ihr das in neun Regierungsjahren gelungen ist, würde sie auch selbst nicht behaupten. Trotzdem will sie weitermachen.

"Entscheidung für Mecklenburg-Vorpommern", steht auf Schwesigs Wahlplakaten. Der Slogan soll nicht nur ausdrücken, dass es bei der Landtagswahl vor allem um die Belange des Landes geht. "Auch ich habe mich für Mecklenburg-Vorpommern entschieden", sagt Schwesig in Neubrandenburg. Ohne das genauer auszuführen, erinnert Schwesig daran: Sie hat sich den Sirenengesängen aus Berlin verwehrt, hat sich an das Schweriner Schloss gekettet, indem sie einem Vorsitz über die Bundes-SPD eine Absage erteilt hat. Seit Jahren wird sie als potenzielle Retterin der deutschen Sozialdemokratie gehandelt - je mehr es mit der SPD bergab geht, desto lautstärker. Daraus aber wird erstmal nichts.

Als Schwesig in Neubrandenburg ihre Rede beginnt, fangen die AfD'ler hinter ihrem Banner zu pfeifen an. Die Truppe mit den Russland-Fahnen ist noch lauter, ein Mann aus der Gruppe versucht, die Veranstaltung mit einem Megafon zu stören. Es ist der lauteste Protest, der ihr im diesjährigen Wahlkampf bis dahin entgegengeschlagen ist. Ganz allein auf der recht großen Bühne wirkt Schwesig noch etwas kleiner, geradezu mädchenhaft. Doch die Stimme bleibt fest, die Miene unbeeindruckt. Sie sei "jemand, der sieht, was in diesem Land geleistet wird, das unterstützt, und auch die Probleme benennt und anpackt", so Schwesig. Die AfD könne nur Krawall machen, tröten und das Land schlechtreden. Dieses Intro ist der wohl am meisten improvisierte Teil der Rede. Aber eigentlich ist damit auch alles gesagt. Das ist Schwesigs Angebot.

View the original on n-tv

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.