Als die DDR das Westgeld bekam
Die D-Mark versprach Freiheit und Wohlstand. Zeitzeugen erzählen, wie Währungsunion und Wiedervereinigung 1990 Hoffnungen weckten und das Leben der DDR-Bürger veränderten.
30.09.2026 | 28:41 minWie fühlt es sich an, wenn die gewohnte Währung plötzlich weg ist und das Brot auf einmal das Fünffache kostet? Sabine Brinke hat das erlebt. "Ich bin dann ohne Brot nach Hause", erzählt sie. Denn:
Das war die gute Westmark, die war heilig in der DDR, die hat man nicht einfach so ausgegeben.
Sabine Brinke
Die Westmark kommt, als es die DDR noch gibt. Für den Film "Meine D-Mark - Als die DDR das Westgeld bekam" berichtet Brinke von ihren Erfahrungen aus der Zeit der Währungsunion, als eine ganze Gesellschaft sich neu orientiert.
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1990: Die Tage der "Aluchips" sind gezählt
"Ein Gefühl von Anarchie" - so beschreibt Ivos Piacentini aus Berlin diese Monate zwischen Wende und Geldwende, zwischen November 1989 und dem 1. Juli 1990. Er verdient schon im Januar 1990 das erste Westgeld im Osten, weil er Zimmer in Ost-Berlin an Westdeutsche vermittelt.
Die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit finden in diesem Jahr in Bremen statt. Bis Sonntag sind in der Hansestadt mehr als 700 Veranstaltungen geplant.
02.10.2026 | 2:31 minUnd schon da, Anfang 1990, ist absehbar, dass die Tage der "Aluchips", wie die leichten DDR-Münzen im ostdeutschen Volksmund spöttisch heißen, gezählt sind. Die D-Mark wird zur Hoffnung von Millionen DDR-Bürgern. Auf Demonstrationen entsteht der Ruf "Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr".
Die massenhafte Abwanderung aus der DDR in die Bundesrepublik ist nicht zu stoppen, die ostdeutsche Planwirtschaft am Abgrund, die DDR pleite. Hinzu kommt bei vielen das Gefühl, Bürger zweiter Klasse zu sein, weil selbst im Ostblock keiner mehr die Ostmark will.
Vor 60 Jahren eröffneten in der DDR die ersten Delikatläden. Gegen DDR-Mark boten die Geschäfte besondere Lebensmittel zu hohen Preisen an, um gezielt die Kaufkraft abzuschöpfen.
17.08.2026 | 7:46 minD-Mark bringt Einschnitte für Arbeitnehmer und Betriebe
Manfred Windus sieht das alles mit Sorge. Dem Direktor für Materialwirtschaft beim VEB Fahrzeugwerk Waltershausen ist früh klar, dass der 1. Juli massive Einschnitte für Arbeitnehmer und Betriebe bringen würde.
Ich wusste, dass mit der Einführung der D-Mark der Todesstoß für die zentral geleitete Wirtschaft der DDR gegeben worden war.
Manfred Windus
Ostprodukte will keiner mehr. Die sozialistischen Bruderländer können nicht in harter D-Mark zahlen. Und die West-Konkurrenz ist riesig. Trotzdem kann Windus seinen Multicar, einen Minilaster mit Streu-, Kipp- oder Kehr-Aufsatz, retten.
Was verbindet Menschen, die im Osten Deutschlands geboren und aufgewachsen sind? Gibt es eine besondere Ostidentität? Und was macht "die Ostdeutschen" aus?
10.11.2024 | 44:50 minDie Zeit der Glücksritter aus dem Westen beginnt
Doch es ist auch die Zeit der Glücksritter aus dem Westen, die im Osten das Geschäft ihres Lebens machen. Hermann von Schrötter aus Düsseldorf ist heute stolz darauf, dass er einige Abzock-Versuche verhindern konnte. Der Unternehmensberater wollte Geschichte mitgestalten und brach im Frühjahr 1990 mit seinem amerikanischen Wohnmobil von Düsseldorf in den Osten auf - zum größten Abenteuer seines Lebens:
Ossiland war wie ein weißes Blatt Papier.
Hermann von Schrötter
Und so wird mit der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion vieles überschrieben, das für die DDR-Bürger bis dahin selbstverständlich war - von den gestützten Lebensmittelpreisen bis zur Vollbeschäftigung.
Auch Christine Stein, Futterökonomin in einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft, wird genau zur Währungsunion arbeitslos. "Am Nachmittag kriegte ich Bescheid, ich brauche ab morgen nicht mehr zur Arbeit zu kommen". So wie sie verliert fast ihre gesamte Familie den Job.
Die Einführung der D-Mark und Hoffnungen für die Zukunft gingen in der DDR für viele Hand in Hand. Die Währungsumstellung war jedoch nicht für alle ein Glücksfall.
02.10.2026 | 2:53 minEinführung der D-Mark ist ein logistischer Kraftakt
"Es hat sich im ganzen Osten fast alles verändert", sagt Heidrun Naumann, die damals Direktorin der Ostdeutschen Sparkasse in Grimma ist.
Für sie und ihre meist weiblichen Kolleginnen wird diese Zeit zur stressigsten ihres Lebens. In der ganzen DDR müssen Millionen Tauschkonten eröffnet werden, Ostmark ein- und Westgeld ausgezahlt werden. "Überstunden, Überstunden, Überstunden", sagt dazu auch ihre Kollegin Angela Elsner. Die Einführung der D-Mark ist ein logistischer Kraftakt, der in Grimma pragmatisch bewältigt wird - mit einem Sparkassen-Wartburg, Millionen D-Mark im Kofferraum - und ganz ohne Polizeischutz.
Sie alle blicken heute auf eine Zeit zurück, die sie geprägt hat. Und sie sind sich einig: Die Einführung der D-Mark war richtig, wenn auch ambivalent. Sie ließ Träume wahr werden - und platzen.
Dokumentationen und Hintergründe
:Deutsche EinheitMehr als 40 Jahre existierten zwei deutsche Staaten. Am 3. Oktober 1990 kam es zur Wiedervereinigung. Dem war die Öffnung der Mauer am 9. November 1989 vorausgegangen.
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