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Sunday, November 1, 2026

"Weil Leben wertvoll ist, ist auch das Ende wertvoll"

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Die Teilnehmenden der Glaubens-WG sprechen über Sterben, Suizid, Schwangerschaftsabbruch - und kommen an persönliche Grenzen.

01.11.2026 | 27:10 min

Hanna hat ihre Großeltern Erika und Winfried geliebt. Sie vermisst sie. Die beiden hatten sich gemeinsam für einen assistierten Suizid entschieden. "Wir wollen gemeinsam sterben" hätten ihre Großeltern gesagt, erzählt Hanna.

Und das wollten sie so sehr, dass sie dafür in einen rechtlichen Graubereich gegangen sind und einen gemeinsam assistierten Suizid gemacht haben.

Hanna

In Würde und gemeinsam sterben sei der Wunsch von Hannas Großeltern gewesen. Dieses Versprechen hätten sich die beiden bereits in den 1980er-Jahren gegeben.

Eine Frau sitzt in einem Raum auf einem blauen Sessel. Im Hintergrund sind Stühle und ein Tisch zu sehen.

Hanna erzählt den Mitgliedern der Glaubens-WG von ihren Großeltern und wie ihr Sterben sie beschäftigt.

Quelle: ZDF

Hannas Großmutter war schwer krank, sie hatte vier Jahre Krebs, ihr Ende war absehbar. Ihr Großvater hätte wahrscheinlich noch leben können - aber er sagte, er gehe mit. Hanna hadert mit der Entscheidung ihrer Großeltern. Über den Bewältigungsprozess hat sie ein Buch geschrieben.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts beendeten 2025 rund 11.000 Menschen in Deutschland ihr Leben durch Suizid. Fachleute des Nationalen Suizidpräventionsprogramms gehen davon aus, dass mittlerweile jeder zehnte Suizid mit Assistenz erfolgt. 2020 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass Menschen das Recht haben, über ihr Sterben zu entscheiden. Dafür dürfen sie freiwillige Hilfe in Anspruch nehmen. Voraussetzung ist, dass die Entscheidung "freiverantwortlich" getroffen wird.

Tod: Emotionales Thema bei Gläubigen

Hanna erzählt ihre Geschichte sechs Menschen, die ihr zuvor noch fremd waren. Sechs Menschen mit jeweils verschiedenen Weltanschauungen und Glaubenswelten. Sie ist als Journalistin und Autorin zu Gast bei der Glaubens-WG: einem Experiment, bei dem ein Atheist und fünf Gläubige aus jeweils einer Weltreligion eine Woche zusammenleben.

Sechs Fremde, sechs Glaubenswelten, eine WG mitten in Sachsen. Schnell zeigt sich: Wer über Religion spricht, landet schnell bei den ganz großen Themen - und Konflikten.

25.10.2026 | 27:07 min

Nachdem Hanna ihre Geschichte erzählt hat, fließen ein paar Tränen. Das Thema Tod ist für die ganze Gruppe emotional. Sie alle wünschen sich selbst im hohen Alter, in Frieden und Würde zu gehen.

Thema Sterben spaltet

Doch über das Thema assistierter Suizid herrscht Uneinigkeit. Doha ist Muslimin. Sie bezieht klar Stellung: "Es ist verboten im Islam. Es wäre ein Suizid und es ist haram. (...) Aber es wäre eine Sünde zwischen deinen Großeltern und Gott. Auf jeden Fall ist es ausgeschlossen."

Auch für Buddhist Titou ist es kein Ausweg, das Leben zu beenden. Es gehe darum, dass man als Menschen leide - und wie man das überkomme. Dass mit dem Tod alles vorbei sei "ist nur eine Hypothese".

Porträt von Titou in rotem Gewand

Titou (28) hat eine spirituelle Reise hinter sich: atheistisch aufgewachsen, befasste er sich mit der hinduistischen Lehre und entschied sich schließlich für den Buddhismus.

Quelle: ZDF

Aus einer theoretischen Diskussion über Sterbehilfe und assistierten Suizid wird durch Hannas persönliche Geschichte ein tieferes Gespräch. Die orthodoxe Jüdin Lien erzählt vom Verlust ihrer Mutter und dass ihr Vater - im Gegensatz zu Hannas Großvater - weiterleben wollte.

Das findet sie auch richtig: "Ich würde jeden versuchen, zu überzeugen, am Leben zu bleiben. Auch wenn man jemanden total vermisst und man denkt, dass es nicht mehr geht. Es geht immer."

Porträt von Laura: Sie steht mit einem weißen T-Shirt bekleidet in einem Raum, im Hintergrund sind Fenster zu sehen.

Laura (35) ist Christin, Geografin und politisch engagiert. Mit ihrer Haltung, dass "Jesus links ist", sorgt sie in der Glaubens-WG immer wieder für spannende Diskussionen.

Quelle: ZDF

Schnell Hilfe bei Suizidgedanken finden

Leben als wertvoll ansehen

Laura ist gläubige Christin. Sie sieht die Sache anders. Für sie persönlich ist klar, dass ein selbstbestimmtes Lebensende keine Sünde ist. Auch wenn das einige Christen so sehen.

Weil Leben wertvoll ist, ist auch das Ende wertvoll. Und ich entscheide mich jeden Tag - oder hab jeden Tag Entscheidungen. Und warum sollte mir die letzte Entscheidung genommen werden?

Laura

Auch bei Denis stößt die Kritik an assistiertem Suizid auf Widerstand. Er befürwortet die Möglichkeit: "Nur weil wir das jetzt so sagen, heißt es nicht, dass es keinen Suizid gibt." Wenn er es nicht mehr schaffe, sei seine Option aber nicht: 'Ich spring von einem Haus oder vor einen Zug'.

Sondern er würde dann eine legale offizielle Methode wählen, bei der man auch durch eine psychotherapeutische Behandlung geführt werde. Wenn das Ergebnis davon sei, dass man trotzdem bei seiner Entscheidung bleiben wolle, "dann hätte man vielleicht auch eine rechtliche Grundlage dafür".

Erst Freibad, dann Hölle: Ein gruseliger Dachboden zwingt die WG, sich den dunkelsten Seiten des Menschseins zu stellen.

15.11.2026 | 27:10 min

Wiedergeburt durch gute Taten

Versöhnliche Worte findet Saran: "Bei uns im Hinduismus ist es so, dass wenn jemand entscheidet, sein Leben zu nehmen, der Gott den Menschen an sich in seiner Vergangenheit beurteilt. Wie er als Mensch gewesen ist: Hat er gute Taten vollbracht? Hat er gesündigt?" Bei einem positiven Urteil, so glaubt Saran, würde man wiedergeboren.

Der Opa hat sehr viel Liebe zu der Oma gehabt. Und die Liebe allein reicht schon, dass man als guter Mensch betitelt wird.

Saran

Hanna ist dankbar über die unterschiedlichen Perspektiven zu ihrer Geschichte: "Ich war ganz froh, mal mit Menschen zu sprechen, die einer Religion angehören." Das Gespräch habe ihr beim Prozess geholfen, ihren Großeltern zu verzeihen. Die Begegnung mit Hanna hinterlässt Spuren bei den Mitgliedern der Glaubens-WG. Dürfen wir Gott spielen? Das ist nur eine von vielen Fragen, die Gläubige und Nicht-Gläubige einen, aber auch entzweien kann.

Tod und Trauer, und sich richtig lebendig fühlen: Die Glaubens-WG besteigt einen Reisebus, um sich wenig später auf 4000 Metern Höhe wiederzufinden. Wer traut sich, zu springen?

24.11.2024 | 27:10 min

Über dieses Thema berichtet 37 Grad in der Sendung "Dürfen wir Gott spielen?", online verfügbar am 23.10. 2026 um 5:01 Uhr, im ZDF am 01.11.2026 ab 09:03 Uhr.

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