Humanitäre Not im Jemen wächst durch Vormarsch der Huthi
Humanitäre Not im Jemen "Wir sehnen uns nach Sicherheit"
Stand: 15.09.2026 • 21:30 Uhr
Die Huthi-Miliz blockiert im Jemen eine der wichtigsten Meerengen der Welt. Doch abseits der Schlagzeilen zu Öl und Handel leiden Zehntausende Menschen. Sie sind der Gewalt schutzlos ausgeliefert.
Der Wind fegt über Plastikplanen in einem improvisierten Flüchtlingslager im Südwesten des Jemen. Bilder der Nachrichtenagentur Reuters zeigen die Not der Vertriebenen, die auf der Flucht vor der jüngsten Eskalation der Gewalt im Jemen sind.
Mutter Aisha Mohammed erhitzt Wasser auf dem offenen Feuer vor ihrem Zelt. Sie ist verzweifelt, macht sich Sorgen um ihre Kinder. "Ich habe zwei Töchter und drei Söhne, die festsitzen - sie sind durch die Kämpfe eingeschlossen und kommen nicht weg."
Ihre Kinder könnten nicht einmal auf den Markt gehen, um Lebensmittel zu kaufen, sagt die Mutter. "Es wird geschossen, sie sind in ihren Häusern gefangen. Sie kochen nur Reis - kein Brot, sonst nichts. Meine Töchter wollen weg, aber es geht nicht."
Schwere medizinische Fälle, aber kaum Ärzte
Familienvater Abdallah erzählt: "Wir konnten uns gerade noch mit dem Leben retten und haben alles zurückgelassen. Seht uns an: Wir sehnen uns nach Sicherheit."
Doch danach sieht es im Jemen nicht aus: Nach Angaben der Vereinten Nationen sind etwa 125.000 Menschen allein in diesem Monat durch die Kämpfe im Jemen auf der Flucht. Und das in einem Land, das ohnehin schon durch einen jahrelangen Krieg und Hungersnot gezeichnet ist. Viele Menschen haben keine medizinische Versorgung.
Vor Ort versuchen auch die Ärzte ohne Grenzen zu helfen. "Wir haben sehr schwere Fälle", sagt Emmanuel Massart. "Wir bräuchten Chirurgen, Anästhesisten und Kinderärzte, um die Menschen zu versorgen." Doch das sei an der Westküste des Jemen kaum möglich.
Huthi haben Westküste erobert
Der Krieg zwischen der Huthi-Miliz und den Truppen der international anerkannten Regierung, die unter anderem von Saudi-Arabien unterstützt wird, ist erneut aufgeflammt. Die Huthi haben die komplette Westküste des Jemen erobert und erklärten ihre Kontrolle über die wichtige Meerenge Bab al-Mandab, durch die Berichten zufolge etwa zwölf bis 15 Prozent des Welthandels geht.
Saudische Frachter, die bislang Öllieferungen durch die Meerenge transportierten, werden nun blockiert - mit entsprechenden Folgen für den Weltmarkt. Der Ölpreis ist, auch aufgrund einer zerbombten saudischen Pipeline, deutlich gestiegen.
IOM beklagt viel zu wenig internationale Hilfsgelder
Inmitten der internationalen Ölpreis-Diskussionen drohen die Zivilisten im Jemen vergessen zu werden. Die Organisation für Migration (IOM) warnt: "Unsere größte Sorge gilt der massiven Finanzierungslücke", so der IOM-Missionsleiter für den Jemen, Abdusattor Esoev.
"Während der Bedarf steigt, ist der humanitäre Reaktionsplan für den Jemen für dieses Jahr zu weniger als 20 Prozent finanziert", sagt Esoev. "Angesichts der aktuellen Lage mit immer mehr Vertriebenen appellieren wir an die internationale Gemeinschaft und unsere Geldgeber, mehr finanzielle Mittel bereitzustellen." Sonst könne den Menschen vor Ort nicht geholfen werden.
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