Warum das Wetterphänomen El Niño immer unberechenbarer wird
Wechselwirkungen mit dem Klimawandel machen das Wetterphänomen El Niño immer unberechenbarer. Forscher des National Center for Atmospheric Research (NCAR) im US-Bundesstaat Colorado warnen deshalb: Das diesjährige Ereignis, das bisherigen Messungen zufolge besonders intensiv ausfällt, könnte zu bislang unbekannten Wettermustern führen.
El Niño ist eine wiederkehrende Erwärmung der Meeresoberfläche im tropischen Pazifik, die alle drei bis zehn Jahre auftritt und weltweit Wetter und Klima beeinflusst – etwa Niederschlagsmuster in Amerika oder die Hurrikan-Saison im Atlantik. Bereits im Frühsommer 2026 zeigten Satellitenaufnahmen des Copernicus-Programms, wie stark sich der Pazifik am Äquator aufheizt und dass ein besonders intensives Ereignis heranwächst. Gemeinsam mit der kühlen Gegenphase La Niña bildet sie den ENSO-Zyklus (El Niño-Southern Oscillation).
Kaum Daten für die Berechnungen
Grundlage für die Berechnungen der Forscher war das Vorläufer-Ereignis in den Jahren 2023 und 2024. Der damalige El Niño hat dabei nicht die erwarteten Auswirkungen in den USA gezeigt. Üblich war sonst eine höhere Feuchtigkeit im Süden, während es im Norden trockener war. Stattdessen wurden extreme Dürren im Amazonas-Gebiet beobachtet, die schlimmsten seit 120 Jahren.
Grund für diese Abweichungen könnte sein, dass sich der Indische Ozean und der Atlantik durch den Klimawandel erwärmt haben. Dies wiederum habe Auswirkungen auf die sogenannte „Teleconnection“, eine Art Schmetterlingseffekt zwischen El Niño und dem nordamerikanischen Wetter, der dadurch gestört sei. Als Teleconnections werden gekoppelte, weit entfernte Klimamuster bezeichnet, die über Wochen bis Jahre bestehen können.
Erschwerend kommt beim diesjährigen Auftreten des Phänomens hinzu, dass das Ereignis erstmals seit den späten 1990er-Jahren durch warme Wassertemperaturen im östlichen Pazifik ausgelöst wird, während der Ausgangspunkt sonst meist im zentralen Pazifik liegt. Dadurch gebe es kaum Vergleichsdaten aus den vergangenen drei Jahrzehnten. Davor warnten die Forscher jetzt in „Nature“.
Was das für Europa bedeutet
Die Studie selbst liefert durchaus Anhaltspunkte für Europa – allerdings widersprüchliche. Im Klimamodell zeigte sich für Mitteleuropa ein Trend zu überdurchschnittlichen Niederschlägen, während sich der klassische El-Niño-Effekt und der Erwärmungstrend in Nord- und Südeuropa gegenseitig neutralisierten. In den tatsächlichen Messdaten für 2023/24 ergab sich für Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal jedoch eher das Gegenteil: eine leicht trockenere Tendenz. Die Autoren selbst räumen ein, dass Modell und Beobachtung hier nicht vollständig übereinstimmen – ein weiteres Indiz dafür, wie unsicher Vorhersagen für Europa derzeit sind. Dabei gilt der aktuelle El Niño inzwischen als wahrscheinlich stärkster seit Beginn der Aufzeichnungen – mit indirekten Folgen für Europa etwa über Rohstoffpreise und den Welthandel.
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