EU plant arktisches Datenkabel
Glasfaserleitungen durch die Arktis sollen die digitale Resilienz der Europäischen Union stärken, indem sie Alternativen zu Datenleitungen durch geopolitische Nadelöhre schaffen. Das ist Teil der Arktisstrategie der EU. Die Initiative sieht vor, Europa über Grönland und Kanada direkt mit Japan und Südkorea zu verbinden.
Angesichts geopolitischer Spannungen rückt der hohe Norden stärker in den Fokus der europäischen Sicherheitspolitik. Die EU-Kommission und die Außenbeauftragte Kaja Kallas haben eine neue Strategie für die Arktis vorgelegt. Neben dem Klimawandel nimmt darin kritische Infrastruktur eine Schlüsselrolle für „Europas nördliche Nachbarschaft“ ein.
Im Fokus stehen digitale Konnektivität und Schutz von Unterseekabeln vor Sabotage und hybriden Angriffen. Bislang fließen rund 90 Prozent des Datenverkehrs zwischen Europa und Asien durch das Rote Meer und Meerengen wie Bab al-Mandab, nach der jüngst die Huthi-Miliz aus dem Jemen greift.
Grönland
Ein wichtiger Baustein ist die Anbindung Grönlands, das bislang nur ein Unterseekabelsystem namens Greenland Connect hat. Es verknüpft Island via Grönland mit der kanadischen Insel Neufundland, erreicht auf Grönland aber auch nur fünf Orte im Südwesten. Daher setzt der örtliche Netzbetreiber bislang auf Starlink.
Nun soll eine direkte Kabelverbindung zwischen Grönland und dem EU-Festland vorangetrieben werden. Über den Fördertopf Connecting Europe hat die EU bereits 107 Millionen Euro investiert, zudem ist ein Global-Gateway-Paket für 2026/27 mit 200 Millionen Euro dotiert. Langfristig ist vorgesehen, diese Route über Nordamerika bis nach Ostasien zu erweitern.
Bedrohungen im Eis und der Arctic Cable Hub
Die kritische Unterwasserinfrastruktur gilt auch in der Arktis als gefährdet. Die Sicherheitslage im hohen Norden hat sich seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine drastisch verschlechtert. Berichten zufolge sollen russische Tiefsee-U-Boote im Frühjahr in der Arktis neue Technik zur Sabotage von Unterseekabeln getestet haben.
Dazu kommt stark wachsender Verkehr russischer Schattentanker entlang der Nordostpassage. Diese schalten häufig ihre Positionssender ab, um internationale Sanktionen zu umgehen. Damit gefährden sie die maritime Sicherheit sowie Unterseeleitungen.
Um diesen hybriden Bedrohungen zu begegnen, plant die EU die Einrichtung eines Datenkabelzentrums. Dieser „Arctic Cable Hub“ soll als Teil der im Februar verkündeten maritimen Sicherheitsinitiative Schutz, Überwachung und schnelle Reparatur von Seekabeln im Nordatlantik und der Arktis koordinieren. Ähnliche Knotenpunkte existieren bereits in der Ostsee und im Mittelmeer. Ergänzend setzt die Kommission auf intelligente Sensoren direkt an den Kabeln als Frühwarnsysteme sowie auf Schiffsüberwachung aus dem All und den geplanten neuen Satellitendienst IRIS² mit spezieller Polar-Option.
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