US-Präsident Donald Trump in Irland: „Trump hält unser Dorf am Leben“

Der US-Präsident besucht Irland – und alle Seiten bekommen bei dem Besuch, was sie wollen: politisches Geplänkel und Trump kann beim Golfen zuschauen.
Plötzlich zeigt Tony nach oben: „Die Air Force One“, ruft er, „sie dreht eine Runde über dem Golfplatz, bevor sie weiter nach Shannon fliegt.“ Am westirischen Flughafen stieg US-Präsident Donald Trump am Samstagnachmittag in seinen Hubschrauber Marine One um, der ihn zu den Trump International Golf Links in Doonbeg brachte, wo bis Sonntag die Irish Open stattfanden.
„Trump ist ein Segen für Doonbeg und die ganze Gegend hier an der Westküste“, sagt Tony, der auf einem Hocker vor Tubridy’s Bar sitzt und ein Guinness trinkt. Er kommt aus der gar nicht weit entfernten Stadt Galway und macht Urlaub in Doonbeg. „Der Golfplatz hat den wirtschaftlichen Niedergang, unter dem so viele ländliche Gegenden leiden, verhindert. Ich wollte jetzt sehen, wie sich der Ort auf den US-Präsidenten vorbereitet.“
Doonbeg hat etwa 270 Einwohner. Im Sommer, wenn sich die Ferienhäuser füllen, steigt die Zahl auf 1.000. Das Dorf hat sich für den hohen Besuch herausgeputzt. Der Farbenhersteller Fleetwood spendete Farbe, um den Häusern entlang der Hauptstraße einen neuen Anstrich zu verpassen. Aus den Lautsprechern entlang der Hauptstraße tönt auf dem Lokalradio der aufgeregte Bericht eines Fußballspiels. Und auf dem Parkplatz der Gemeindehalle läuft auf einer Großbildleinwand das Golfturnier live.
„Man wird von den Einheimischen kein böses Wort über Trump hören“, sagt Maeve. Sie hat es sich mit ihrer Mutter Suzie auf der niedrigen Mauer vor ihrem Haus gemütlich gemacht und beobachtet das Treiben auf der Straße, wo Polizisten die Autos kontrollieren. „Wir haben vier Pubs, zwei Restaurants und eine ganze Reihe Pensionen in Doonbeg“, sagt Maeve. „Ohne Trump gäbe es das alles nicht.“
„Trump ist unsere Fabrik“
Im Golfresort sind rund 340 Voll- oder Teilzeitkräfte beschäftigt. Joe Russell, der Geschäftsführer, schätzt, dass das Resort durch direkte Lohnkosten, Zulieferer und Dienstleistungen jährlich etwa 11 Millionen Euro zur lokalen Wirtschaft beitrage. „Wenn eine Fabrik mit mehr als 300 Mitarbeitern schließen würde, käme das in die Schlagzeilen“, sagt Suzie. „Trump ist unsere Fabrik. Er ist der größte Arbeitgeber weit und breit. Wir sind nicht mit allem einverstanden, was er in der Welt tut, aber er hält unser Dorf am Leben.“
Die enge Beziehung zwischen Doonbeg und dem Golfplatz begann lange vor Trump. Die Anlage wurde von Einheimischen konzipiert. Sie erwarben einen 1.600 Quadratmeter großen Küstenstreifen mit Sanddünen etwa sechs Kilometer außerhalb des Dorfes und machten sich daran, einen Golfplatz zu bauen, um wohlhabende US-Amerikaner anzulocken. Der Golfplatz wurde 2002 eröffnet, 2006 folgte die Eröffnung des Clubhauses. Einheimische zahlten erschwingliche Mitgliedsbeiträge, während ausländische Mitglieder das nötige Geld in die Kassen spülen sollten. Doch die Anlage geriet in finanzielle Schwierigkeiten, was zu internen Streitigkeiten führte, die 2013 vor Gericht endeten und schließlich zum Verkauf des Unternehmens führten.
Trump erwarb das Anwesen 2014 für 15 Millionen Euro, ein Schnäppchenpreis, und fügte es den 15 Golfresorts hinzu, die er zu diesem Zeitpunkt besaß. In Doonbeg löste seine Ankunft große Erleichterung aus. Zu dieser Zeit arbeiteten in der Hochsaison fast 250 Menschen im Golfresort. Trump versprach, Geld in den Golfplatz zu investieren, und er hielt Wort. Damals war nicht abzusehen, dass der neue Eigentümer bald der mächtigste Mann der Welt sein würde.
Die Empörung über Trump und sein Resort erwachte erst während seines ersten Präsidentschaftswahlkampfs vor zehn Jahren. Sie kam von außerhalb und hat seitdem proportional zu seinem abstoßenden Verhalten zugenommen. Für die Dorfbewohner ist das nichts Neues. Seit einem Jahrzehnt leben sie mit den Kollateralschäden für ihren Ruf. In der öffentlichen Wahrnehmung hat Doonbeg seine Seele verkauft.
Trotz Trump mehr Mitglieder
Es gibt allerdings keine Anzeichen dafür, dass Trumps Verhalten im Amt dem Geschäft schadet. Bislang hat Doonbeg in diesem Jahr mehr als 40 neue Mitglieder gewonnen, womit die Gesamtzahl auf 1.300 stieg. Etwa die Hälfte davon lebt nicht in Irland. Die Aufnahmegebühr für Mitglieder aus dem Ausland beträgt 30.000 Dollar. In den letzten anderthalb Jahren wurde der Platz aber zweimal von propalästinensischen Demonstranten verwüstet. Im Juni vorigen Jahres hat Sean Corcoran, ein Umweltkünstler, mit zwei Freunden die 106 Meter breite Botschaft „Free Palestine“ in den Doughmore-Strand direkt neben dem Golfplatz eingeritzt.
Am Wochenende hielten sich die Proteste gegen Trump in Grenzen. Vor dem Eckhaus, dessen Giebelwand von dem seit 2023 in Doonbeg ansässigen deutschen Künstler Marcus Vallböhmer mit einem Gemälde verziert worden ist, das die Geschichte des Ortes in Form von Puzzleteilen erzählt, haben sich rund 25 Menschen mit Anti-Trump-Plakaten versammelt. „Trump ist vielleicht gut für das Dorf, aber er ist nicht gut für die Welt“, sagt eine junge Frau, die ihren Namen nicht verraten wollte. „Warum hat man ihm auch noch die Irish Open gegeben, sodass er noch mehr Geld verdienen kann? Warum sind unsere Politiker so unterwürfig? Sie haben Angst vor seinen Launen.“
Diese Angst ist durchaus begründet. Es liegt im wirtschaftlichen Interesse Irlands, Trump bei Laune zu halten, da das Land von den Steuereinnahmen US-amerikanischer multinationaler Unternehmen abhängig ist. In den 40 Jahren zwischen 1982 und 2022 stiegen die Exportumsätze von US-amerikanischen Unternehmen mit Sitz in Irland von 2,8 Milliarden Dollar auf 443 Milliarden Dollar. Die Vermögenswerte US-amerikanischer Unternehmen in Irland sind mehr als doppelt so hoch wie die in China und Südkorea zusammen.
Viele Themen, für die Trump verantwortlich ist
Umgekehrt stammen aber vier Cent von jedem Dollar, den die US-Bundesregierung von anderen Ländern leiht, aus dem kleinen Irland. Im November letzten Jahres hielten irische Unternehmen – Investmentfonds, Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften, Konzerne – US-Staatsanleihen im Wert von 340 Milliarden Dollar. Deutschland hält 110 Milliarden Dollar.
Der politische Teil des Trump-Besuchs verlief ohne größere Zwischenfälle, was bei Treffen mit dem unberechenbaren US-Präsidenten nicht immer gewährleistet ist. Sicher, in Dublin und Shannon haben Tausende demonstriert – für Palästina, gegen den Irankrieg, gegen Pädophilie, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Transphobie, Korruption, Klimazerstörung und gegen die Nutzung des Flughafens Shannon für das US-Militär auf dem Weg in den Nahen Osten. Es gibt viele Themen, für die Trump verantwortlich ist.
Er selbst sagte, er habe gar keine Demonstrationen gesehen. Wie auch? Er wurde vom Dubliner Flughafen direkt über abgesperrte Straßen zum Phoenix Park gefahren, dem größten Stadtpark Europas. Dort liegt nicht nur das Farmleigh House, wo die irische Regierung ihre Gäste empfängt, sondern auch die Residenz der irischen Präsidentin und des US-Botschafters. So konnte Trump den politischen Teil seines Besuchs schnell abhaken, bevor er zum Golfturnier weiterreiste.
Die sozialistische, feministische Präsidentin Catherine Connolly betonte in einer sorgfältig formulierten Erklärung, sie habe Trump gegenüber „die entschiedene Haltung des irischen Volkes zum Ausdruck gebracht, dass die Normalisierung von Krieg und Völkermord niemals akzeptiert wird“. Das Treffen dauerte kaum eine Viertelstunde. Im Farmleigh House war es etwas länger, und für den irischen Premierminister Micheál Martin wurde es ungemütlich.
Auf die Frage eines Journalisten, wie er es mit der irischen Vereinigung halte, antwortete Trump: „Ich würde es sehr begrüßen, wenn Irland vereinigt würde, das wäre eine wirklich coole Sache. Es wird sowieso passieren, also kann man es genauso gut sofort tun.“ Und Martin sei „der richtige Mann, um die Sache voranzubringen“. Der hat bisher allerdings wenig Enthusiasmus für diese Sache gezeigt. Trumps 34-minütige Rede im Festzelt der Residenz des US-Botschafters Edward Walsh war dann die übliche Mischung aus Humor, Prahlerei, Selbsttäuschung und glatten Lügen. An die Iren verteilte er noch eine Art Lob: „Ich sag euch was: Ihr seid einige der grausamsten Mistkerle, aber wenn ihr nett sein wollt, gibt es niemanden, der netter ist.“
Jeder hat bei diesem Besuch das bekommen, was er wollte. Der irische Premierminister und seine Regierung pflegten die freundschaftlichen Beziehungen zur Trump-Regierung – die laut Trump „noch nie so gut waren wie jetzt“. Präsidentin Connolly konnte ihre Standpunkte zum Thema Frieden darlegen. Und Trump konnte für sein Resort werben, etwas Golf anschauen und dem Iren Shane Lowry die Siegertrophäe überreichen.
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