NFL-Erkenntnisse aus Woche 3: Drake Maye ist nicht okay(e) - Packers sind Toast

Die Offensiv-Krise der New England Patriots hat in der NFL einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die Ursache dürfte vor allem beim Quarterback liegen. Die Green Bay Packers scheinen derweil verloren, während die Houston Texans historisch betrachtet noch Hoffnung haben sollten.
Woche 3 hatte es in sich und lieferte ein paar klare Erkenntnisse, was das Kräfteverhältnis in der NFL betrifft. Die Patriots haben ein großes Problem, während die Packers wohl nicht zu retten sind - die Texans trotz eines noch schlechteren Starts aber vielleicht schon. Und Deebo Samuel hat für ein Kuriosum in der Bay Area gesorgt.
Drake Maye ist nicht okay(e)
Zur Erinnerung für die Nicht-Eingeweihten: Vor nicht mal acht Monaten standen die New England Patriots noch im Super Bowl, nachdem sie die vergangene Saison fast schon sensationell mit einer 14-3-Bilanz abgeschlossen hatten. Die Hauptgründe dafür? Eine richtig gute Defense und Quarterback Drake Maye, der in seiner erst zweiten NFL-Saison auf MVP-Niveau gespielt hat und die Liga in diversen Statistiken anführte.
Allerdings ist die NFL ein sehr schnelllebiges Geschäft. Maye ist das neueste Paradebeispiel dafür. Vor wenigen Monaten noch war er vielleicht der beste Quarterback der Liga, nun ist er einer der schlechtesten. Es sind erst drei Spiele gespielt, aber Zahlen lügen nicht. In Sachen Effizienz belegt er mit -0,21 EPA/Play den viertletzten Platz unter allen QBs, die alle drei Spiele gestartet haben - schlechter sind nur Aaron Rodgers, Baker Mayfield und Justin Herbert.
Zudem führt er die NFL mit sieben Ballverlusten an. Er ist darüber hinaus der erste Spieler überhaupt seit 2007, der nach drei Spielen sechs oder mehr Ballverluste verbucht hat und gleichzeitig einen oder weniger Touchdowns produzierte (er hat genau einen TD-Pass in Woche 1 verbucht). Damals fabrizierten dies der (un)vergessene Rex Grossman für die Bears (1 TD, 6 Turnovers) und Hall-of-Famer Drew Brees (1 TD, 9 TO) bei den Saints - das macht zumindest Hoffnung.
Was Maye gerade zeigt, muss man allerdings als mehr als nur eine schwache Phase ansehen. Es ist ein Trend. In seinen letzten sieben Spielen agierte er jeweils ineffizient, hatte also pro Passspielzug einen negativen EPA-Wert (Expected Points Added). Diese Statistik ist sicher nicht die allübergreifende Grundlage für die Bewertung von Quarterbacks, sie ist jedoch ein guter Indikator, ob eine Offense und damit ein Quarterback regelmäßig positive Plays hinlegt. Maye tut dies seit nun sieben Spielen am Stück, also seit den letzten Playoffs, nicht mehr. Damit einhergehend spielt die gesamte Patriots-Offense seit jenen sieben Spielen ineffizient.
Sind Verletzungen ein Faktor?
Jetzt kann man Verletzungen anführen als Ursache, doch das wäre eine faule Ausrede. Im Vorjahr hatte Maye irgendwann Probleme mit der Schulter, die aber mittlerweile auskuriert sein sollten. Ebenso stand ihm in den Playoffs zumindest die Stamm-Offensive-Line zur Seite, was jetzt nur noch bedingt der Fall ist. Right Guard Mike Onwenu fällt den Rest des Jahres aus, sein Vertreter Greg Van Roten hat sich nun auch verletzt. Doch dafür ist nun Left Tackle Will Campbell zurück und blockt in diesem Jahr konstant auf gutem Niveau.
Das Play-Calling muss auch hinterfragt werden, denn Offensive Coordinator Josh McDaniels tut seinem jungen Quarterback derzeit auch überhaupt keinen Gefallen. Effiziente Offenses passen in frühen (1st, 2nd) Downs, um sich managebare 3rd Downs zu erspielen, um nicht eindimensional zu werden. Die Idee: Durch die Luft lassen sich leichter viele Yards erzielen. Die Patriots jedoch laufen in der Regel mehr in frühen Downs als, dass sie passen würden. Und sie sind miserabel dabei. Ihre Success Rate mit Läufen in frühen Downs liegt bei 26,1 Prozent. Dennoch versuchen sie es immer wieder und bringen sich damit in 3rd&Long-Situationen, die man keinem QB der Liga zu oft zumuten will, weil dies dem Gegner die Chance gibt, extra Pass-Rusher zu schicken und den Druck zu erhöhen.
Darüber setzt New England weiterhin unterdurchschnittlich oft auf Play Action, was ebenfalls schlecht ist, weil PA in der Regel auch dann funktioniert, wenn man nicht gut läuft. Das ist alles seit Jahren bekannt, hat sich aber offenbar nicht bis nach Foxborough/MA herumgesprochen.
Man kommt jedoch nicht drumherum, den Großteil des Problems bei Maye selbst zu verorten. Die Rahmenbedingungen passen sicherlich derzeit nicht, zumal sein langersehnter Top-Receiver A.J. Brown wochenlang fehlt. Doch auch ohne diesen ist es offensichtlich, dass Maye derzeit einfach keine sonderlich guten Entscheidungen trifft. Sein Fumble gegen Jacksonville war einfach Pech, die Interceptions jedoch gehen auf ihn, speziell die zu Travis Hunter in die Endzone. Zum einen warf er damit wie schon in Woche 1 die Chance auf Punkte in der Red Zone weg, zum anderen wollte er schon wieder etwas erzwingen, was einfach nicht da war.

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Peinlich: Patriots-QB Maye verliert Ball ohne Gegnerkontakt
Er hat nicht die Geduld, die es braucht, um in der NFL erfolgreich zu sein. Und dabei war Cover-6 dieses Mal gar nicht das Problem. Er brachte 4/5 Pässe gegen Cover-6 an, ebenso 3/3 gegen Cover-2 und 5/8 gegen Cover-4, auch wenn seine Success Rate gegen Letzteres bei nur 44,4 Prozent lag und er seine zweite Interception dagegen warf. Der erste Pick war gegen Cover-0. Bezeichnend auch: Er war besonders ineffizient, wenn die Jaguars nicht blitzten.
Maye ist derzeit das größte Problem der Patriots, deren Defense weiter nach Kräften versucht, das Team im Spiel zu halten. Und wenn er nicht bald den Turnaround schafft, dann werden die Lichter schon bald ausgehen in dieser Saison. Laut Next Gen Stats sind ihre Playoff-Chancen schon jetzt auf nur noch 44 Prozent gesunken.
Die Green Bay Packers sind Toast
Die vernichtende 14:35-Pleite der Green Bay Packers zu Hause gegen die (verheerenden) Atlanta Falcons lässt vor allem einen Gedanken zurück: dieses Team ist durch. Das war's! Aus. Ende. Feierabend. Hier ist nichts mehr zu retten.
Die Packers haben 48,7 Rushing Yards pro Spiel. Und das liegt nicht daran, dass Running Back Josh Jacobs wegen des Vorwurfs häuslicher Gewalt derzeit aus dem Verkehr gezogen ist. Das liegt zuvorderst daran, dass die Offensive Line in Trümmern liegt. Wie soll das gefixt werden? Right Tackle Zach Bako-Bewele (ehemals: Tom) hat sich die Patellarsehne gerissen, wird nicht zurückkommen. Guard Aaron Banks ist verletzt und war ohnehin ein Fehleinkauf, der andere Guard Jacob Monk ist auch angeschlagen. Gegen die Falcons starten RT Anthony Belton (Zweitrundenpick 2025) und G Jager Burton (Sechstrundenpick 2026), die beide kaum Erfahrung mitbringen und offensichtlich keine Hilfe waren.
Die Packers hatten 17 Rushing Yards (!) und Jordan Love musste 53-mal werfen, kassierte dabei zwölf Hits. Das kann so nicht weitergehen. Zu allem Überfluss kommt noch hinzu, dass auch die Defense einfach kein Faktor ist. Der Trend des Vorjahres setzt sich nahtlos fort: Seit sich Micah Parsons im vergangenen Dezember das Kreuzband gerissen hat, ist dies ein anderes Team. Eines, das Spiele auch nicht defensiv zu Ende bringen kann. Seit Parsons ausgefallen ist, haben sie nur noch ein Spiel von acht gewonnen - in Woche 2 gegen die Jets, bei denen sich Head Coach Aaron Glenn am Ende selbst geschlagen hat mit seinem hanebüchenen Clock Management.
Parsons' Rückkehr wird weiterhin für Woche 6 gegen Dallas veranschlagt. Doch bis dahin ist es noch ein weiter weg. Statistisch scheint dies schon jetzt ein Himmelfahrtskommando zu sein - laut Next Gen Stats liegen die Playoff-Chancen der Packers noch bei mageren neun Prozent. The Athletic ist mit seinem Modell mit 20 Prozent noch etwas optimistischer, aber auch das sind schon klar die schlechtesten Chancen der NFC North.

3:59
Falcons schießen gegen Packers aus allen Rohren
Die Statistik der Woche
Versuchen wir mal was Neues - die "Statistik der Woche". Wie besser anfangen als mit einem Kuriosum? Deebo Samuel, seines Zeichens Wide Receiver der San Francisco 49ers, brachte es beim überraschend spektakulären 36:30-Heimsieg über die Arizona Cardinals auf 80 Receiving Yards und damit die zweitmeisten seines Teams hinter George Kittle (82 YDS). Doch warum ist das etwas Besonderes oder sogar kurios?
Nun, Deebo hat in diesem Spiel keinen einzigen Pass gefangen! Vielmehr war er derjenige, der beim 82-Yard-Touchdown-Pass von Brock Purdy im ersten Viertel den Löwenanteil am Spielzug hatte. Die Niners griffen in die Trickkiste für ein sogenanntes "Hook and Ladder"-Play. Purdy warf einen Pass über zwei Yards zu Mike Evans und der flippte den Ball dann umgehend zu Samuel per Lateral, also Rückwärtspass, wenn man so will. Und Samuel ging dann auf und davon bis zur Endzone. Statistisch gesehen hat er damit also nicht den Ball gefangen, aber eben jede Menge Receiving Yards gesammelt, weil es ja ein Passspielzug war. Verrückt!

1:22
49ers greifen für Touchdown tief in die Trickkiste
Texans haben immer noch Grund zur Hoffnung
Die Houston Texans haben durch ein spätes Field Goal in Indianapolis (17:19) auch ihr drittes Spiel in dieser Saison verloren. Wer mit 0-3 in eine NFL-Spielzeit startet, hat anschließend traditionell sehr schlechte Karten, wenn es darum geht, doch noch in die Playoffs einzuziehen. Genau genommen liegen die Chancen darauf bei etwas mehr als zwei Prozent seit 2000.
Konkret haben es seit 2000 nur ganze zwei Teams geschafft, nach einem 0-3-Start noch in die Postseason einzuziehen. Das klingt relativ düster. Ist es auch, doch bei genauerem Hinschauen stellen wir fest, welche Teams das geschafft haben: die Houston Texans. Und zwar sowohl 2018 als auch in der vergangenen Saison 2025.
Ein langer, steiniger Weg wird es aber in jedem Fall. Schon jetzt sind die Playoff-Chancen der Texans auf 28 Prozent gefallen laut Next Gen Stats. Die Chancen, die AFC South noch zu gewinnen, liegen derweil bei nur noch 15 Prozent. Unmöglich? Nein. Extrem schwierig? Absolut.
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