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Wednesday, October 21, 2026

Schau in Leipzig über Schockens Gärten: Eine Gesellschaft aus Rosen und Zypressen

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Mit der Ausstellung „Berlin/Jerusalem. Schockens Gärten“ fragt das Dubnow-Institut in Leipzig, was sich eigentlich verpflanzen lässt inmitten von Zerstörung?

Rosa Budde

Die Erdbeere „Rügen“ ist nicht gemacht für die Hitze und Trockenheit Jerusalems. Doch in Salman Schockens Garten sollte es an nichts mangeln.

Ende der 1920er Jahre führte der jüdische Unternehmer Salman Schocken eine der erfolgreichsten Kaufhausketten der Weimarer Republik. 1931 gründete er den Schocken Verlag. In den Schaufenstern der Schocken-Kaufhäuser konnte man in akkurat paralleler Anordnung Werkzeuge für den modernen Kleingärtner bestaunen. In seinem privaten Garten an der Villa in Berlin waren Bäume und Blumen in ebenso exakten Reihen gepflanzt. Entworfen wurde der Garten Ende der 1920er Jahre von Heinrich Wiepking, der Schockens Begeisterung für eine moderne Verschmelzung von Form und Funktion teilte. Wenig später wurde Wiepking einer der bedeutendsten Landschaftsarchitekten des Nationalsozialismus.

Wegen zunehmender antisemitischer Hetze gegen seine Kaufhäuser entschieden Salman Schocken und seine Frau Lilli im Jahr 1933, Deutschland mit ihren Kindern zu verlassen. Die Familie musste die Villa in Berlin und den Garten aufgeben und emigrierte nach Palästina. In Jerusalem ließ Schocken ein neues Haus bauen und widmete sich noch einmal mit großem Interesse der Planung eines Gartens.

Schon in Deutschland sammelte Schocken Dokumente zu seinem Unternehmen und der Familie – von antisemitischen Zeitungsartikeln über Korrespondenzen bis zu Bestellformularen. Es gelang ihm, sein Archiv nach Jerusalem zu retten und dort weiterzuführen. Das Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow in Leipzig forscht am Schocken-Archiv und zeigt nun die Ausstellung „Berlin/Jerusalem. Schockens Gärten“.

Neubeginn in Palästina

Die an den Wänden der Veranstaltungsräume ausgestellten Dokumente zeigen den Druck, der auf der Familie lastete. Sie belegen den Verfall des Konzerns – Salman Schocken musste ihn 1938 weit unter Wert verkaufen. Sie berichten aber auch vom Versuch eines Neubeginns in Palästina.

Die Darstellung von Schockens minutiöser Planung seines neuen Gartens verhandelt subtil auch einen Umgang mit jüdischer Flucht und Auswanderung. Schockens Gärtner musste ihm regelmäßig Bericht erstatten und sollte für jede Pflanze im Garten ein Datenblatt anlegen. Alles wurde im Archiv dokumentiert. Schocken ging sogar so weit, sich von seinem Gartenarchitekten versichern zu lassen, jede eingesetzte Pflanze werde angehen – was natürlich die menschliche Verfügungsgewalt über andere Lebewesen übersteigt.

Während Schocken immer weniger Einfluss auf den Verlauf seines eigenen Lebens hatte, wurden die 5.000 Quadratmeter in Jerusalem, auf denen er sein Haus errichten und seinen großen Garten anlegen ließ, zu einem Ort, an dem er Kontrolle hatte. Ein Ort, an dem er sein Ideal, eine gute geordnete Gesellschaft, realisieren konnte – wenn auch nur mit Rosen, Tulpen und Zypressen.

Die vielen aus Deutschland importierten und im subtropischen Klima zur Anpassung gezwungenen Pflanzen lassen sich im übertragenen Sinne mit Fragen verknüpfen, die sich in der Emigration stellen: Was kann nach Entwurzelung wieder anwachsen? Was ist für immer verloren?

Die kleine Ausstellung im Leipziger Dubnow-Institut beantwortet diese Fragen nicht, sondern lässt die Dokumente aus dem Schocken-Archiv schlicht für sich wirken. Die in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche Geschichte der Schockens lässt sich nicht als jüdische Erfahrung der Vertreibung verallgemeinern. Dennoch erzählt sie von dem Versuch, Ordnung ins Chaos zu bringen und inmitten von Zerstörung etwas Schönes zu erschaffen.

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