Apple-Leak-Prozess: Streit um Zeitplan und neue Beweise bei Prosser
Hat der YouTuber Jon Prosser sich an einer Verschwörung gegen Apple beteiligt, weil er laut Apple einen Mann dafür bezahlt hat, heimlich Geschäftsgeheimnisse bei einem Mitarbeiter zu beschaffen? Im seit Juli 2025 laufenden Zivilverfahren gegen Prosser und Michael Ramacciotti dauert die Beweisermittlung weiter an. Während Ramacciotti auf eine rasche Klärung drängt, ob es tatsächlich zu einer Hauptverhandlung kommt, hat Apple noch weitere Fragen. Prosser wiederum will den Zeitplan des Verfahrens ändern lassen.
In dem aufsehenerregenden Fall geht es um ein Leak, das Prosser Anfang 2025 über seinen YouTube-Kanal verbreitete. Prosser zeigte bereits im Januar 2025, fünf Monate vor der WWDC, nachgebaute Bilder der neuen Kamera-App, im April folgte ein Video mit dem späteren Apple-Liquid-Glass-Design. Vor allem die Bilder der Kamera-App mit ihrer neuen Steuerung zwischen Fotos und Videos kursierten wochenlang im Netz.
Welche Rolle spielte Prosser wirklich?
Ramacciotti hat inzwischen eingeräumt, auf das Entwickler-iPhone des Ex-Apple-Mitarbeiters Ethan Lipnik zugegriffen zu haben. In einer früheren Stellungnahme hatte Ramacciotti noch betont, lediglich ein Apple-Fanboy zu sein und kein Geld für die Enthüllung erhalten zu haben. Apple wirft ihm vor, vertrauliche Informationen an Dritte weitergegeben zu haben. Nach eigener Darstellung hat Ramacciotti voll kooperiert: Er übergab Apples Forensikern mehrere Dutzend Geräte, gewährte Zugriff auf seine privaten Konten bei iCloud und Google Drive und sagte rund fünf Stunden lang aus. Er sei nicht in der Lage, nennenswerten Schadenersatz zu zahlen, ließ er erklären. In den Streit zwischen Apple und Prosser wolle er nicht hineingezogen werden.
Unklar ist hingegen weiterhin, welche Rolle Prosser genau spielte. Bezahlte er Ramacciotti für das Leak? Oder beauftragte er ihn gar, Lipnik auszuspähen? Apples Anwälte sind laut dem neuen Statusbericht, der beim zuständigen Bezirksgericht für den Northern District of California (Az. 3:25-cv-06043-JD) eingereicht wurde, weiterhin überzeugt, dass die beiden Beklagten sich verschworen haben. Darauf deuteten unter anderem Signal-Chats zwischen den beiden hin, die Apple vorliegen. Dass Prosser sich finanziell bereichert hat, will Apple erst noch belegen. Die Anwälte wollen Ramacciotti jetzt ein zweites Mal befragen, weil es Widersprüche zu Prossers Aussage gibt. Ramacciotti hat dem im Grundsatz zugestimmt, knüpft es aber an einen „Fahrplan“ Apples zur Beendigung des Verfahrens. Die lange Dauer der Beweisermittlung erklärt Apple unter anderem damit, dass Prosser zunächst nicht am Verfahren teilnahm und Ramacciotti vom 6. Juli bis 7. September wegen des Urlaubs seines Anwalts nicht erreichbar war.
Apples Anwälte wollen weitere Informationen haben
Von Prosser erwartet Apple außerdem noch Umsatz- und Analysedaten seiner YouTube-Kanäle, um seinen finanziellen Gewinn beziffern zu können, sowie Dokumente aus der Kommunikation mit Dritten. Prosser sieht seine Pflichten mit den bisherigen Herausgaben dagegen als erfüllt an. Sein Anwalt stellt zudem infrage, ob die Geschäftsgeheimnisse überhaupt noch schützenswert sind, weil Dritte sie öffentlich gemacht hätten und iOS 26 sie inzwischen offenbare.
Prosser, dem die Aneignung von Geschäftsgeheimnissen vorgeworfen wird, war im Oktober 2025 zunächst per „Entry of Default“ als säumig eingestuft worden, weil er auf die Klage nicht reagiert hatte. Weil er damit formal nicht mehr Verfahrenspartei war, lud Apple ihn Ende Januar 2026 als Dritten vor. Im Juni zeigte er sich doch kooperativ: Gegen die Zusage, an der Beweisermittlung mitzuwirken, hob das Gericht den Default am 9. Juni auf. Eine Woche später wurde er vernommen. Anfang Juli wies Prosser in seiner Klageerwiderung die Vorwürfe zurück und stellte seinen Mitbeklagten Ramacciotti als allein verantwortlich dar.
Wie es jetzt weitergeht
Bereits im Februar hatten sich beide Seiten gegenüber dem Gericht zunächst kooperationsbereit gezeigt, bevor sich der Ton im weiteren Verfahrensverlauf verschärfte. Nun liegt es an Richter James Donato, ob er die von Ramacciotti beantragte Status Conference noch im Oktober ansetzt. Tut er das nicht, wollen die Anwälte am 2. Dezember einen weiteren Statusbericht vorlegen. In seinem Kanal Front Page Tech, der 603.000 Abonnenten hat, macht Prosser indessen weiter wie bisher und gibt in seinen Videos einen Ausblick auf künftige iPhones.
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