Klimaschutz in Unternehmen: Thermomix schaltet auf Ökomodus

Hersteller Vorwerk geht in einen Klima-Firmenverband. Dahinter steht auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer, die gegen Klimapolitik lobbyiert.
Foto: Michael Bihlmayer/imago
Der Thermomix ist ein fester Bestandteil in vielen deutschen Küchen. Kochmagazine haben ganze Rezeptrubriken für die Küchenmaschine, die neben zerkleinern und mixen auch erhitzen und braten kann. Nun will Thermomix-Produzent Vorwerk auch ein fester Bestandteil beim Thema Klimaschutz sein. Das Wuppertaler Familienunternehmen wird dafür Mitglied im Verband Klimaschutz-Unternehmen. Am Mittwoch wird es neben zwei anderen Unternehmen beim Klimaschutztag 2026 im Berliner Haus der deutschen Wirtschaft in den Verein aufgenommen.
Der Verband Klimaschutz-Unternehmen wurde einst auf Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums, des Bundesumweltministeriums und der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) gegründet. Ihm gehören Konzerne wie die Discounter-Kette Aldi Süd und der Möbel-Riese Ikea Deutschland ebenso an wie mittelständische Familienunternehmen, etwa Deutschlands größte Biobrauerei Lammsbräu. Die Mitglieder wollen dem Firmenverein zufolge beweisen, „dass ambitionierte Klimaziele zum unternehmerischen Selbstverständnis gehören“.
„Die Aufnahme in unseren Verband erfolgt über ein Auswahlverfahren und liegt bei unserem unabhängigen Beirat“, teilt der Verband auf Nachfrage mit. In diesem seien neben Vertreter*innen der Mitglieder und Institutionen wie dem Umweltbundesamt auch die drei Initiatoren vertreten. Vorwerk selbst argumentiert etwa mit einer genauen Kundenberatung durch den traditionellen Vertrieb an der Haustür und dem Fokus auf Langlebigkeit der Produkte.
In Bezug auf die DIHK wirft das die Frage auf, wie sie ihr Engagement bei den Klimaschutz-Unternehmen mit ihren sonstigen klimapolitischen Positionierungen in Einklang bringt. Denn die DIHK hat im vergangenen Herbst ein Positionspapier verabschiedet, in dem sie eine Abkehr von wichtigen Klimazielen fordert. So soll Deutschland das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 aufgeben, auch soll die Bundesregierung auf die Festlegung von konkreten CO2-Minderungszielen für einzelne Jahre verzichten.
DIHK-Engagement passt nicht zu ihren Positionen
„Dass sich die DIHK beim Klimaschutztag 2026 auf die Bühne stellt und Vorreiter beim Klimaschutz auszeichnet, ist begrüßenswert, passt aber nicht zu ihrem politischen Wirken“, sagt die Geschäftsführerin des Bundesverbandes Nachhaltige Wirtschaft (BNW), Katharina Reuter, der taz.
Seit 1992 engagiert sich der Unternehmensverband für Umweltschutz, bis 2021 noch unter dem Namen Unternehmensgrün. Er gilt als Vorreiter in Sachen nachhaltiges Wirtschaften. Auch unter seinen Mitgliedern gibt es größere Unternehmen wie die Drogeriekette dm oder den Naturkosmetikhersteller Weleda. Der Fokus liegt aber auf Mittelständlern wie dem Outdoor-Ausrüster Vaude oder Start-ups wie dem Suchmaschinenbetreiber Ecosia oder dem Kondom- und Hygieneprodukthersteller Einhorn.
„Mit ihren rückwärtsgewandten Positionen zu Energiewende, Energieeffizienzgesetz und dem Infragestellen vom verbindlichen jahresscharfen Klimazielen hat die Kammer seit dem vergangenen Herbst massiv Unsicherheit geschürt“, führt Reuter ihre Kritik weiter aus. Teile der DIHK-Positionen fänden sich nun in den aktuellen Vorhaben des Wirtschaftsministeriums wieder. Mit den vorgeschlagenen Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und dem Netzpaket könne der Erneuerbarenausbau erneut ins Stocken geraten und die Energiewende im Mittelstand ausgebremst werden.
BNW-Geschäftsführerin Reuter berichtet, dass ihr Verband viele Anrufe von Unternehmen erhalten habe, die sich wegen des Klimapapiers von der DIHK übergangen fühlten. Ihr Verband startete daraufhin eine Onlinekampagne. Über 1.200 Unternehmen haben diese unterzeichnet, um ihre Unzufriedenheit mit der DIHK auszudrücken. Darunter sind unter anderem Vaude und der Obstsaft-Produzent Voelkel, ebenfalls BNW-Mitglied. Sie kritisieren, dass die DIHK das Klimapapier ohne breite Beteiligung aller ihrer Mitgliedsunternehmen beschlossen hat.
Seitens der DIHK heißt es, dass man die Klimaneutralität erreichen wolle, ohne die Breite der Wirtschaft zu überfordern. „Allerdings sehen wir, dass sich mit der derzeitigen Politik das Ziel der Klimaneutralität 2045 nur unter hohen Kosten für erhebliche Teile der Wirtschaft erreichen lässt und dies zu einem massiven Verlust an Wertschöpfung, Arbeitsplätzen und Wohlstand führt“, teilte eine DIHK-Sprecherin der taz mit.
Vorwerk will sich zur DIHK nicht äußern
Allerdings wollen weder Vorwerk noch der Verband Klimaschutz-Unternehmen das Klimapapier der DIHK kommentieren. „Für Fragen zu dessen Inhalt und Zielsetzung wenden Sie sich bitte direkt an die DIHK“, teilte Vorwerk der taz mit. „Im Rahmen unserer Mitgliedschaft im Verein Klimaschutz-Unternehmen e. V. möchten wir Erfahrungen austauschen und gemeinsam konkrete Fortschritte bei Klimaschutz, Energieeffizienz und Ressourcenschonung erzielen.“ Vorwerk verfolgt darüber hinaus eine eigene Klimastrategie, mit der man einen Beitrag zu den internationalen Klimazielen des Pariser Weltklimaabkommens leisten wolle.
„Als Klimaschutz-Unternehmen e.V. sind wir institutionell und finanziell unabhängig“, teilte der Verband mit. „Zu den politischen Positionen unserer Initiatoren und Netzwerkpartner nehmen wir keine Stellung.“ Als Vorreiter im unternehmerischen Klimaschutz zeigten die Mitgliedsunternehmen, „was heute bereits möglich ist“.
Dabei gibt es durchaus auch Überschneidungen mit dem Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW). Die Unternehmen Lammsbräu und Märkisches Landbrot sind etwa in beiden Verbänden Mitglied. „Die Klimaschutz-Unternehmen und auch Vorwerk leisten einen wichtigen Beitrag“, sagt deshalb BNW-Geschäftsführerin Reuter. Sie zeigten, dass sich Mittelstand, Familienunternehmen und Großkonzerne längst auf den Weg der Transformation gemacht hätten. Das Wirtschaftsministerium und die DIHK sollten daher auf der Preisverleihung „genau zuhören, wenn es um die Wünsche nachhaltiger Unternehmen geht – und den Zukunftsmärkten nicht mit ihren politischen Positionen im Weg stehen“.
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