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Friday, September 11, 2026

Wie der 11. September die US-Außenpolitik verändert hat

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George W. Bush  erklärt den Irak-Krieg in einer Rede auf dem Deck des Flugzeugträgers mit den Worten "Mission Accomplished" für beendet. (Archivbild: 01.05.2003)

25 Jahre nach den Anschlägen Wie 9/11 die US-Außenpolitik verändert hat

Stand: 11.09.2026 • 11:33 Uhr

Der "Krieg gegen den Terror", die Logik von Präventivkriegen: Die Anschläge am 11. September 2001 hatten dramatische Folgen für die Außen- und Sicherheitspolitik der USA - die bis heute nachwirken.

Carsten Kühntopp

Die Terroristen des Netzwerks Al Kaida treffen die USA vor 25 Jahren buchstäblich aus heiterem Himmel. Die angegriffene Nation antwortet schnell. Innerhalb einer Woche erteilt der Kongress eine "Genehmigung zum Einsatz militärischer Gewalt". Sie ist bewusst sehr weit gehalten und gibt dem Präsidenten freie Hand.

Diese Genehmigung sehen Historiker später als rechtliche Grundlage für den "Krieg gegen den Terror", den der damalige US-Präsident George W. Bush nur neun Tage nach den Attentaten in einer Ansprache vor dem Kongress ausruft: "Unser Krieg gegen den Terror beginnt mit Al Kaida, endet dort aber nicht. Er wird nicht enden, bevor nicht jede Terrorgruppe mit globaler Reichweite aufgespürt, gestoppt und besiegt worden ist."

Noch viele Jahre später werden sich US-Regierungen auf diese "Genehmigung zum Einsatz militärischer Gewalt" berufen, wenn sie Militärschläge in anderen Ländern anordnen.

Die Terroranschläge vom 11. September 2001

Am 11. September 2001 verübte die islamistische Terrororganisation Al Kaida koordinierte Anschläge in den USA. 19 Terroristen entführten vier Passagierflugzeuge und steuerten zwei davon in das World Trade Center in New York. Dessen beide Türme stürzten ein. Ein drittes Flugzeug wurde in das Pentagon bei Washington gesteuert, während das vierte Flugzeug nach einem Eingreifen der Passagiere in Pennsylvania im offenen Gelände abstürzte. Bei den Anschlägen wurden 2.977 Menschen getötet.

Krieg gegen die Taliban beginnt

Das Taliban-Regime in Afghanistan hatte Al Kaida Zuflucht gegeben. Präsident Bush setzt die Armee in Gang, keine vier Wochen nach den Anschlägen. Und er teilt die Welt in zwei Lager: "Im Kampf gegen den Terror steht man entweder auf unserer Seite oder gegen uns."

Meinungsumfragen zeigen, dass an die 90 Prozent der US-Amerikaner den Militäreinsatz in Afghanistan befürworten. Das Ziel, auf die Anschläge vom 11. September mit entschlossenem Handeln gegen die Verantwortlichen zu antworten, ist nationaler Konsens.

Peter Bergen, Journalist und Professor an der Arizona State University, vergleicht den 11. September mit dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor, der zum Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg führte: "Das war ein massiver Schock. Und Überraschungsangriffe rufen meistens sehr starke Reaktionen hervor."

Mehrere NATO-Partner machen in Afghanistan mit, es ist die erste Phase eines Krieges, der 20 Jahre dauern und mit dem Sieg der Taliban enden wird.

Präventivkriege als Teil der "Bush-Doktrin"

Als nächstes Ziel nimmt Bush den Irak unter dem damaligen Diktator Saddam Hussein ins Visier. Führende Köpfe aus dem Umfeld des US-Präsidenten hatten bereits vor dem 11. September darauf gedrängt, Saddam Hussein zu stürzen. Jetzt können sie Bush überzeugen.

Anfang 2002 erklärt der Präsident: "Staaten wie diese und ihre terroristischen Verbündeten bilden eine Achse des Bösen, die sich bewaffnet, um den Weltfrieden durch das Streben nach Massenvernichtungswaffen zu bedrohen." Eine neue Nationale Sicherheitsstrategie fasst Präventivkriege und die Förderung der Demokratie in der Welt zu einer "Bush-Doktrin" zusammen.

Im Frühjahr 2003 lässt Bush die US-Armee im Irak einmarschieren, allerdings ohne detaillierte Pläne für die Zeit nach dem Sturz der Regierung dort. In Bagdad werden die Soldaten zunächst als Befreier und Erlöser gefeiert.

Bürgerkrieg und "Islamischer Staat"

Bald kann Bush auf dem Deck eines Flugzeugträgers verkünden: Mission erfüllt! Die großen Kampfhandlungen im Irak seien beendet, die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten hätten gesiegt. Saddam Hussein wird aufgespürt und in Gefangenschaft genommen, aber von den Massenvernichtungswaffen, über die der Diktator verfügt haben soll, fehlt jede Spur.

Doch auf einmal müssen sich die US-Soldaten gegen Aufständische wehren. Bald versinkt der Irak in einem blutigen Bürgerkrieg, bei dem sich irakische Schiiten und irakische Sunniten gegenüberstehen. 2014 überrennen die Milizionäre des sogenannten Islamischen Staats (IS) weite Teile des Irak.

Die religiösen Fanatiker errichten eine Terrorherrschaft über Millionen Menschen und rufen ein Kalifat aus. Den IS zu zerschlagen kostet Zehntausende Iraker das Leben. Schließlich ist das Land wieder in der Hand der Regierung in Bagdad. Der Irak gewinnt an Stabilität und ist nun demokratischer als unter Saddam Hussein.

Ablehnung von Auslandseinsätzen hilft Trump

Auch die USA zahlen im Irak einen hohen Preis: 4.500 gefallene Soldaten, 32.000 verletzte. In Afghanistan beklagen die USA 2.500 Gefallene und 21.000 Verletzte.

"Nie wieder solche Abenteuer", schlussfolgern viele Amerikaner und sehen die Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan als ein Fiasko, ein Trauma. Zu hoch seien die menschlichen und finanziellen Kosten gewesen. Peter Bergen, Journalist und Hochschuldozent, nennt den Irakkrieg einen der größten Fehler in der US-Außenpolitik: "Es war ein Krieg, den man selbst gewählt hatte, der aber unnötig war."

Die Stimmung in den USA spielt Donald Trump in die Hände. Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 verspricht der Immobilienunternehmer: "Amerika zuerst". Er behauptet, von Anfang an gegen den Irakkrieg gewesen zu sein. Peter Bergen ist der Ansicht, dass der Krieg ein Grund für Trumps Wahlerfolg gewesen sei.

Die jahrelange vergebliche Suche nach Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen habe damals den Glauben der US-amerikanischen Öffentlichkeit untergraben, dass die Regierung in Washington wisse, was sie tue. Trumps Gegenkandidatin von den Demokraten, Hillary Clinton, hatte hingegen einst für den Irak-Einsatz gestimmt. Im Wahlkampf schadet ihr das.

Abzug aus Afghanistan mit weitreichenden Folgen

Während seiner ersten Amtszeit als US-Präsident vereinbart Trump mit den Taliban den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan. Dabei ignoriert Trump die afghanische Regierung und ihr Schicksal. Sein Nachfolger Joe Biden setzt die Vereinbarung um.

Die Präsenz der US-Soldaten und ihrer Verbündeten aus anderen NATO-Staaten endet überstürzt und im Chaos. Die Bilder verzweifelter Afghanen aus Kabul, in panischer Angst vor den herannahenden Taliban, gehen um die Welt. Die afghanische Regierung stürzt. Die Beliebtheit von Präsident Biden erleidet in den USA einen harten Schlag. Davon wird sich Biden bis zum Ende seiner Amtszeit nicht mehr erholen.

Der Afghanistan-Abzug 2021 war aus Sicht von Dozent Bergen ein Signal, das selbst im weit entfernten Kreml gehört wurde: "Das zeigte Russlands Präsident Wladimir Putin, dass sich die Vereinigten Staaten aus der Welt zurückziehen. Es war kein Zufall, dass Putin nur Monate später Zehntausende Soldaten an die ukrainische Grenze verlegte."

Größere Auswirkungen "als Korea- oder Vietnam-Krieg"

Bergen ist der Ansicht, dass der 11. September noch weit mehr nachhallt als einst der Korea- oder der Vietnam-Krieg. Er habe die Sicherheits- und Außenpolitik der USA dramatisch verändert.

"Die Vereinigten Staaten haben sich seitdem viel mehr als früher im Nahen Osten engagiert. Und zu Hause haben wir eine ganze Generation, die dort in den Krieg gezogen ist, oder man hat einen Vater oder eine Mutter, der dort im Einsatz war", so Bergen.

Zudem hätten die USA einen gewaltig großen Apparat für die nationale Sicherheit errichtet und ihre Verteidigungsausgaben enorm gesteigert - inflationsbereinigt um etwa 50 Prozent seit 2001.

Bei seiner Ablehnung von Militäreinsätzen im Ausland bleibt Trump sich jedoch nicht treu: Im vergangenen Februar beginnt er mit Israel einen Krieg gegen Iran - mit ungewissen Folgen, aber einer Begründung, die bekannt klingt: Es gehe um den Kampf gegen Massenvernichtungswaffen. Auch 25 Jahre später ist das Echo des 11. September noch immer zu hören.

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