Todesstrafe in den USA: Hinrichtung in Tennessee steht bevor

In dem US-Bundesstaat soll am Mittwoch zum ersten Mal seit über 200 Jahren eine Frau exekutiert werden. Ein Gnadengesuch der Verurteilten wurde abgelehnt.
dpa | Am Mittwoch Vormittag (Ortszeit) soll die in den USA zum Tode verurteilte Christa Pike (50) in Nashville, Tennessee, hingerichtet werden. Die 50-Jährige wurde 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt. Sie war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. Es wäre die erste Hinrichtung einer Frau in dem US-Bundesstaat seit mehr als 200 Jahren.
Mehrere Kampagnen hatten bis zum Schluss versucht, den geplanten Vollzug aufzuhalten. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International betonte, dass die Verurteilte in ihrer Kindheit Vergewaltigung, sexuelle und körperliche Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung erlitten habe. Auch UN-Experten fordern einen Stopp der Hinrichtung.
Pikes Anwälte reichten Anfang September ein 226-seitiges Gnadengesuch an die Regierung des Bundesstaates ein. Der republikanische Gouverneur Bill Lee lehnte dieses am Montag jedoch ab. Nach sorgfältiger Prüfung bestätige er das Urteil des Staates Tennessee und habe nicht vor einzugreifen, zitierten Medien Lee.
In seltenen Fällen kann der Supreme Court geplante Hinrichtungen auch kurz vor Vollzug stoppen. 2014 etwa hatte das oberste US-Gericht die Exekution von Russell Bucklew nur eine Stunde vor dem Vollzug aufgehalten. Damals rührten die Bedenken des Gerichts allerdings von der Hinrichtungsmethode her. Bucklew wurde 2019 hingerichtet.
Aufmerksamkeit löst Empörung aus
Die Mutter der damals ermordeten 19-Jährigen sagte der New York Times, sie sei empört über die Aufmerksamkeit, die Pike nun vor der Hinrichtung erhalte. „Niemand könnte mich jemals, jemals davon überzeugen, dass sie sich geändert hat“, zitierte die Zeitung die Frau. Selbst in Isolationshaft habe Pike Zugang zu Trost und Unterstützung gehabt, die ihrer Tochter verwehrt geblieben sei.
„Ich finde nicht, dass jemand mich töten sollte, um mir beizubringen, dass es falsch ist, jemanden zu töten“, zitierte die New York Times die verurteilte Pike. „Ich gehe diese Hinrichtung!jeden Tag in meinem Herzen durch“, sagte sie in einer Audioaufnahme, die ihre Anwälte der Zeitung zur Verfügung stellten.
1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet. Nach Angaben der gemeinnützigen Organisation Death Penalty Information Center ist Pike die Einzige der drei, die zum Tode verurteilt wurde. Ihr damaliger Freund war zum Zeitpunkt der Tat 17 Jahre alt, er erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Eine weitere 18-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
Anstieg von Hinrichtungen Neue barbarische Gegenwart
Kommentar von Christian Jakob
Laut Amnesty International gab es 2025 so viele Hinrichtungen wie seit 44 Jahren nicht mehr. Diese Trendumkehr ist bezeichnend für die neue Gegenwart.
US-Justiz unter Trump Hinrichtungen durch Erschießen und Ersticken
Donald Trump will mehr Exekutionen auf Bundesebene. Zudem soll die Bandbreite der Tötungsmethoden erweitert werden, heißt es in neuen Anweisungen des US-Justizministeriums.
Angeblich ausufernde Gewaltkriminalität Trump will Todesstrafe in Washington wieder einführen
Seit über 40 Jahren gibt es die Todesstrafe in der US-Hauptstadt nicht mehr. Präsident Donald Trump will das ändern.
10 Ausgaben für 10 Euro
Die Wochenzeitung mit taz-Blick
Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die woanders nicht gehört werden. Jetzt zehn Wochen lang kennenlernen.
- Jeden Samstag als gedruckte Zeitung frei Haus
- Zusätzlich digitale Ausgabe inkl. Vorlesefunktion
Jetzt bestellen
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.