Pressefreiheit, Adobe-Topaz und Nikons Budget-Vollformat – Fotonews der Woche 39
In den USA werden Pressefreiheit und Solidarität unter Medienschaffenden plötzlich wieder ganz konkret, während Adobe seinen nächsten Übernahmecoup landet. Derweil zeigt Nikon, dass man bei einer Vollformatkamera radikal weglassen kann – allerdings nicht unbedingt das, was alle freut.
Die c't Fotografie, Ausgabe 05 2026
(Bild:
heise
)Wenn Fotoagenturen die Kameras niederlegen
Selten war Pressefreiheit so greifbar wie in dieser Woche. Das Weiße Haus hatte mehreren TV-Sendern den Zugang entzogen, und die Lage eskalierte rasch. CNN wurde nicht nur vom allgemeinen Pressezugang ausgeschlossen, sondern auch aus der sogenannten „TV Pool Assignment“ entfernt – jener rotierenden Gruppe von Sendern, die im Namen aller anderen Medien bei wichtigen Ereignissen filmen darf. Kurz darauf traf es MSNBC und Politico.
Die Reaktion fiel beispiellos aus: Große Fotoagenturen und Zeitungen stellten die Verbreitung von Trump-Fotos vorübergehend ein. AP, Reuters, Getty Images und andere zeigten damit Solidarität mit ihren Kollegen vom Fernsehen. Die Botschaft war unmissverständlich: Pressefreiheit ist unteilbar. Werden TV-Sender ausgeschlossen, betrifft das alle Medienschaffenden.
Ein Bundesrichter teilte diese Einschätzung und blockierte das Verbot. Er ordnete die sofortige Wiederherstellung des Zugangs für CNN, MSNBC und Politico an. In seiner Begründung verwies er darauf, dass der Ausschluss von Medien aus dem Weißen Haus verfassungsrechtlich bedenklich sei und gegen den First Amendment verstoße. Die Regierung könne nicht einfach unliebsame Berichterstattung durch Zugangsentzug bestrafen.
Was hier geschah, geht über die üblichen Grabenkämpfe zwischen Politik und Medien hinaus. Die Solidaritätsaktion der Fotoagenturen setzte ein starkes Signal: Wenn Fotografen und ihre Agenturen gemeinsam sagen „ohne unsere Kollegen vom Fernsehen machen wir auch nicht weiter“, ist das mehr als Symbolik. Es zeigt, dass die vierte Gewalt am besten funktioniert, wenn sie zusammenhält – über Mediengattungen hinweg.
Dass es dafür erst einen Richter brauchte, stimmt allerdings nachdenklich. Es wirft die Frage auf, wie weit eine Regierung gehen kann, bevor die Justiz eingreift. Und es erinnert daran, dass Pressefreiheit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern aktiv verteidigt werden muss – manchmal eben auch, indem man die eigene Arbeit niederlegt.
Adobe kauft Topaz – und verspricht, alles bleibt anders
Während in Washington um Zugänge gerungen wurde, vollzog Adobe einen Deal, der die Bildbearbeitungslandschaft neu sortiert: Die Übernahme von Topaz Labs ist abgeschlossen. Das kleine Unternehmen aus Dallas hat sich in den vergangenen Jahren mit KI-gestützten Tools einen Namen gemacht, die oft als Geheimtipp galten. Sharpen AI, Denoise AI, Gigapixel AI und Video AI – alles Werkzeuge auf Basis maschinellen Lernens, die oft beeindruckende Ergebnisse liefern, wo klassische Algorithmen an ihre Grenzen stoßen.
Adobe verspricht, dass Topaz als eigenständige Marke erhalten bleibt. Bestehende Lizenzen sollen weiter funktionieren, Updates werden bereitgestellt, und – das dürfte für viele das Wichtigste sein – auch der Einmalkauf bleibt vorerst möglich. Topaz war gerade deshalb beliebt, weil man die Software kaufen und nicht abonnieren musste. Ein klarer Gegenentwurf zum Creative-Cloud-Modell.
Die Frage liegt auf der Hand: Wie lange hält dieses Versprechen? Adobe hat in der Vergangenheit durchaus Übernahmen getätigt, bei denen eigenständige Produkte später im Adobe-Universum aufgingen oder verschwanden. Man denke an Macromedia FreeHand, das nach der Übernahme zugunsten von Illustrator eingestellt wurde. Oder an Aldus PageMaker, der in InDesign aufging.
Doch es gibt auch Gegenbeispiele: Behance etwa läuft weiterhin als eigenständige Plattform. Und Adobe betont in seinen Statements, die KI-Expertise von Topaz sei wertvoll, man wolle die bestehende Nutzerbasis nicht verprellen. Die Topaz-Tools sollen parallel zu Adobe-Produkten existieren, während die Technologie gleichzeitig in Lightroom und Photoshop einfließen könnte.
Für Adobe ist der Deal strategisch clever: Man kauft sich ausgereifte KI-Technologie ein, die in manchen Bereichen – etwa beim Upscaling oder Entrauschen – der eigenen überlegen ist. Für Topaz-Nutzer heißt es vorerst: Aufatmen, aber wachsam bleiben. Die nächsten 12 bis 24 Monate werden zeigen, ob Adobe sein Versprechen hält oder ob Topaz langsam in der Creative Cloud verschwindet. Wir setzen einen Reminder für 2028 – und hoffen, dass wir dann nicht schreiben müssen: „Wir haben es ja gesagt.“
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Vollformat ohne Sucher – mutig oder vermessen?
Nikon wagt ein Experiment, das in der Fotografie-Community polarisieren dürfte: Die Z5IIC ist eine Vollformatkamera ohne elektronischen Sucher. Stattdessen gibt es nur einen Touchscreen. Das „C“ im Namen steht vermutlich für „compact“ oder „content creator“, auch wenn die Kamera gar nicht so viel kompakter ausfällt als die reguläre Z5II.
„Capability over compactness“, wie DPReview in seinem Review titelt – das trifft es ganz gut. Die Z5IIC bietet den gleichen 24-Megapixel-Vollformatsensor wie die Z5II, denselben Bildprozessor, ähnliche Videofunktionen und das Z-Bajonett. Was fehlt, ist der elektronische Sucher – und genau das macht die Kamera günstiger.
Ohne Sucher fehlt ein Element, das für viele Fotografen zur DNA einer „richtigen“ Kamera gehört. Bei hellem Sonnenlicht, wenn der Bildschirm kaum ablesbar ist, oder bei Vogel- und Sportfotografie, wo man das Auge ans Okular presst, um dem Motiv zu folgen – da bleibt ein Sucher unverzichtbar.
Nikons Strategie ist trotzdem nachvollziehbar. Die Z5IIC richtet sich explizit an Umsteiger vom Smartphone und an Content Creator, die primär Videos drehen. Wer heute mit dem Handy fotografiert, vermisst keinen Sucher – im Gegenteil, das Fotografieren über den Bildschirm ist für diese Zielgruppe völlig normal. Und wer Videos dreht, nutzt ohnehin fast immer den Monitor.
Nikon spart dabei nicht nur die Kosten für das Bauteil selbst, sondern auch für die Elektronik dahinter. Ein elektronischer Sucher braucht einen eigenen kleinen Bildschirm mit hoher Auflösung, Sensoren zur Augenerkennung und entsprechende Verarbeitungsleistung. All das fällt weg, was die Kamera günstiger und in der Produktion einfacher macht.
Ob das Konzept aufgeht? Nikon bewegt sich auf einem schmalen Grat. Die Z5IIC könnte tatsächlich Smartphone-Nutzer überzeugen, die mehr Bildqualität und Objektivauswahl wollen, aber von komplexen Kameras abgeschreckt sind. Gleichzeitig riskiert Nikon, dass traditionelle Fotografen die Kamera als „unvollständig“ abtun. Canon und Sony bieten in ähnlichen Preisregionen Kameras mit Sucher an – Nikon setzt also darauf, dass der Preisvorteil und die Einfachheit schwerer wiegen als das fehlende Okular. Zumindest ist es mutiger als die zehnte Iteration einer Z6 mit minimalen Verbesserungen. In einer Branche, die oft vom Inkrementalismus lebt, ist das bemerkenswert.
Bird Photographer of the Year: Gefiederte Stars und geduldige Jäger
Zum Schluss noch etwas fürs Auge und die Seele: Die Gewinner des „Bird Photographer of the Year 2026“ stehen fest, und wie jedes Jahr sind die Bilder spektakulär. Der Wettbewerb, der sich ausschließlich der Vogelfotografie widmet, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der renommiertesten seiner Art entwickelt – aus gutem Grund.
Die Gewinner-Galerie zeigt die ganze Bandbreite dessen, was Vogelfotografie sein kann: dramatische Flugaufnahmen, bei denen man fast die Luftströmungen spürt, intime Porträts mit jedem einzelnen Federdetail und Verhaltensaufnahmen, die Momente festhalten, die nur Sekunden dauern. Ein Eisvogel beim Eintauchen ins Wasser, ein Adler im Sturzflug, ein Kolibri, der in der Luft steht – solche Bilder entstehen nicht zufällig.
The Atlantic widmet den Gewinnern eine ausführliche Fotostrecke und beleuchtet die Geschichten hinter den Bildern. Was auf den ersten Blick wie ein glücklicher Schnappschuss wirkt, ist meist das Ergebnis von Tagen oder Wochen in der Natur. Vogelfotografen sitzen stundenlang in Tarnzelten, studieren das Verhalten ihrer Motive, kehren immer wieder an dieselben Orte zurück und warten auf den perfekten Moment – das richtige Licht, die richtige Pose, den richtigen Hintergrund.
Technisch sind die Anforderungen enorm. Lange Brennweiten, schnelle Autofokus-Systeme, hohe Serienbildraten und vor allem viel Geduld sind gefragt. Viele der prämierten Fotografen arbeiten mit Teleobjektiven jenseits der 500 Millimetern Brennweite, manche sogar mit 800 Millimetern oder mehr. Dazu kommen Stative, Gimbal-Köpfe für flüssige Schwenks und oft auch Tarnkleidung, um die scheuen Tiere nicht zu verschrecken.
Was die Bilder über die technische Perfektion hinaus auszeichnet, ist ihr ästhetischer und emotionaler Wert. Ein gutes Vogelfoto zeigt nicht nur ein Tier – es erzählt eine Geschichte von Freiheit, von Überlebenskampf, von der Schönheit der Natur. In Zeiten, in denen viele Vogelarten bedroht sind, erfüllen solche Bilder auch eine wichtige Funktion: Sie erinnern daran, was wir zu verlieren haben.
Die Gewinner-Galerie ist unsere Empfehlung fürs Wochenende. Sie zeigt, dass die besten Geschichten manchmal nicht im Weißen Haus oder in Konferenzräumen von Tech-Giganten passieren, sondern in der Wildnis – wenn man nur geduldig genug ist, hinzuschauen. Und sie führt vor Augen, dass Fotografie im Kern immer noch das ist, was sie schon immer war: die Kunst, den richtigen Moment einzufangen.
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