Sorgerechtsdrama in Stade: Gutachten bestätigt Schütteltrauma bei Baby

Sorgerechtsdrama in StadeGutachten bestätigt Schütteltrauma bei Baby
16.10.2026, 07:07 Uhr
Vor drei Monaten erschießt ein Vater in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade sechs Menschen. Hintergrund war wohl ein Sorgerechtsstreit um ein verletztes Baby. Ein Gutachten liefert nun neue Erkenntnisse.
Mit Verletzungen eines Babys hat der Sorgerechtsstreit angefangen - am Ende starben sechs Menschen in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade westlich von Hamburg. Nun liegt ein Gutachten zu den Verletzungen des Säuglings vor, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover auf Nachfrage mitteilte. Das damals drei Monate alte Mädchen hatte demnach ein Schütteltrauma.
Die Staatsanwaltschaft spricht von einer schweren Kindesmisshandlung. "Die Ermittlungen gegen die Kindesmutter dauern an", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Mutter droht nun eine Anklage und im Falle einer Verurteilung auch eine Haftstrafe.
Verletztes Baby - Vater greift zur Waffe
Die Verletzungen des Babys führten nach bisherigen Erkenntnissen zu einer Kette von Ereignissen, die in Stade mit sechs Toten endete. Im April kam das kleine Mädchen zur Behandlung in die Medizinische Hochschule Hannover. Ärzte diagnostizierten eine Hirnblutung und vermuteten schon, dass ein Schütteltrauma die Ursache dafür sein könnte.
Den Eltern war daraufhin das Sorgerecht entzogen worden. Ein Gericht entschied, dass die Mutter mit ihrem Kind in der Stader Einrichtung leben soll. Dort wollten Angestellte des zuständigen Jugendamts und der Einrichtung am 29. Juni mit den Eltern über das Sorgerecht sprechen - doch die Situation eskalierte.
Der Vater griff zur Waffe und erschoss sechs Menschen, darunter vier Frauen und zwei Männer. Ermittler gehen davon aus, dass der Sorgerechtsstreit das Motiv war. Kurz nach der Tat nahmen Einsatzkräfte den Verdächtigen fest, der sich später im Gefängnis das Leben nahm.
Die Ermittlungen gegen den Mann wegen sechsfachen Mordes und der Kindesmisshandlung wurden eingestellt, weil in Deutschland nicht gegen Tote ermittelt werden darf. Das Kind lebt inzwischen in einer anderen Einrichtung, getrennt von seiner Mutter.
Warum ein Schütteltrauma so gefährlich ist
Fälle mit Schütteltrauma sind vor Gericht oft schwer zu beweisen. Es ist schwierig zu rekonstruieren, wer für das Schütteltrauma eines Kindes verantwortlich ist.
Auch wenn ein Baby stundenlang schreit und sich nicht beruhigen lässt, darf es niemals geschüttelt werden. Ansonsten schlägt der Kopf ungeschützt hin und her, Blutgefäße im Gehirn können reißen. Die Folgen reichen von bleibenden Hirnschäden und Behinderungen bis zum Tod. Nach Schätzungen des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen überleben nur etwa 10 bis 20 Prozent der betroffenen Säuglinge ohne bleibende Schäden.
Nach Schätzungen des Zentrums werden in Deutschland jährlich 100 bis 200 Säuglinge und Kleinkinder mit Schütteltraumata in Kliniken behandelt. Fachleute gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus, weil nicht alle betroffenen Kinder medizinisch versorgt werden. Sie vermuten, dass geistige und körperliche Beeinträchtigungen bei Kleinkindern teilweise auf früheres, nie diagnostiziertes Schütteln zurückzuführen sind.
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