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Monday, October 5, 2026

Neuer Marinehafen der Bundeswehr soll in Emden gebaut werden

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Monatelang hatte das Verteidigungsministerium verschiedene Standorte geprüft, nun ist die Entscheidung gefallen: Der neue Marinehafen der Bundeswehr soll in Emden an der niedersächsischen Nordseeküste gebaut werden. "Emden bietet ideale Voraussetzungen. Etwa der schnelle Zugang zum Atlantik und dem Hohen Norden", begründet Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die Wahl. "Damit erhöhen wir die Abschreckungsfähigkeit Deutschlands und der NATO." Außerdem wachse die Marine. Die neuen Schiffe und Boote bräuchten Liegeplätze, die zusätzlichen Soldatinnen und Soldaten Unterkünfte.

Der Seehafen von Emden ist das wirtschaftliche Herzstück Ostfrieslands. Er prägt nicht nur das Stadtbild, sondern sichert auch tausende Arbeitsplätze. Direkt am Hafen liegt das große Volkswagen-Werk, von wo aus Autos per Schiff in die ganze Welt exportiert werden. Der Hafen dient außerdem als Umschlagplatz von großen Komponenten für die Windparks in der Nordsee. Nun soll bis Anfang der 2030er Jahre noch ein Marinestützpunkt mit bis zu 2000 Dienstposten hinzukommen. Bis 1997 war Emden schon einmal Bundeswehr-Standort, der nach dem Ende des Kalten Kriegs aber nicht mehr gebraucht und folglich aufgelöst wurde.

Große Freiflächen stehen bereit

Nach Einschätzung von Experten sprechen eine Reihe von Gründen für den Standort Emden. Gerade an der Küste sind Bauflächen rar - jedoch nicht in Emden. Die Hafenstadt habe "den großen Vorteil, dass dort sehr viel Fläche zur Verfügung steht, auf der man einen neuen Hafen entwickeln kann", sagt Johannes Peters, Experte für maritime Sicherheit am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel. "In Emden bietet sich jetzt die Möglichkeit, einen exklusiven Marinehafen nach den neuesten Anforderungen auch an die Sicherheit und an den Schutz des Hafens bauen zu können", betont Peters im DW-Interview. Das Verteidigungsministerium spricht von bis zu 450 Hektar benötigter Fläche. Das entspricht etwa 630 Fußballfeldern. 

Der derzeit einzige Marinehafen an der deutschen Nordseeküste liegt in Wilhelmshaven. Aus strategischer Sicht sei es nicht sinnvoll, nur einen Hafen und keinerlei Redundanzen zu haben, betont Sicherheitsexperte Peters. "Wenn es wirklich zu einem Konfliktszenario kommen sollte und diese Infrastruktur ausfällt, dann hat man ein echtes Problem. Dementsprechend möchte man sich hier jetzt breiter aufstellen."

Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius unterstreicht den strategischen Vorteil eines zweiten Marinehafens an der Nordsee: "Damit sind wir im Ernstfall schwerer ausrechenbar und erhöhen unsere operativen Möglichkeiten."

Entlastung für Wilhelmshaven 

Durch den geplanten Hafen in Emden soll der Marinestützpunkt Wilhelmshaven ergänzt und entlastet werden. Hier ist die Einsatzflottille 2 stationiert, ein Großverband aus Fregatten und Versorgungsschiffen. Auch der Marinestützpunkt Wilhelmshaven wird derzeit ausgebaut, da die Flotte wächst und das Personal aufgestockt wird.

Verteidigungsminister Boris Pistorius im dunklen Anzug und weißem Hemd spricht gestikulierend in ein Mikrofon
"Der Hafen liegt extrem günstig" - Verteidigungsminister Boris Pistorius verkündet die Entscheidung für Emden als Standort des neuen MarinehafensBild: Sina Schuldt/dpa/picture alliance

Die "aktuell kleinste Marine in der Geschichte der Bundeswehr" habe mehr Aufgaben denn je, betont der Verteidigungsminister. "Also muss die Marine wachsen und das wird sie. Wir haben die Weichen dafür gestellt, in allen Bereichen."

Bremerhaven wird NATO-Drehscheibe

In der engeren Auswahl war auch Bremerhaven. Die Stadt bekommt zwar nun keinen Marinestützpunkt, doch auch hier investiert die Bundesregierung eine Menge Geld. Der Hafen soll zur logistischen Drehscheibe ausgebaut werden, über die im Ernstfall große Truppenkontingente und schweres Gerät von NATO-Verbündeten verlegt werden könnte. So sieht es der "Operationsplan Deutschland" vor, der Verteidigungsplan Deutschlands für den Spannungs- und Bündnisfall. Bis zu 1,35 Milliarden Euro lässt sich der Bund den Ausbau kosten.

Neue Arbeitsplätze für Emden

Zwar ist die Entscheidung für den Standort Emden gefallen, aber bisher nur als Absichtserklärung zwischen dem Verteidigungsministerium, dem Bundesland Niedersachen und der Stadt Emden. Der Bau des Marinehafens dürfte Jahre in Anspruch nehmen. "Es sind noch dicke Bretter zu bohren", sagt Verteidigungsminister Pistorius. "Einen neuen Marinestützpunkt gibt es nicht im Baumarkt. Wasserbau, Verkehrsanbindungen, die Kaserne - dafür müssen wir jetzt schnell die Weichen stellen."

Die Stadt mit ihren rund 50.000 Einwohnern dürfte vom Bau des Hafens profitieren, zumal die Zukunft des örtlichen VW-Werks ungewiss ist - der Autobauer VW steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Umso erfreuter zeigte sich Oberbürgermeister Tim Kruithoff: "Das ist ein großer Tag für Emden." Der geplante Marinestützpunkt sei "eine außergewöhnliche Chance" für Arbeitsplätze und für die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region.

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