Grünen-Jugend-Chef Bobga: "Menschen per se nicht illegal"
Jan Fleischhauer meint: Humanität funktioniert nur mit kontrollierten Grenzen. Grüne Jugend-Chef Luis Bobga hält dagegen: Nicht mehr abschotten, sondern mehr integrieren.
22.10.2026 | 33:49 minLuis Bobga will Migration möglich machen, statt sie zu steuern und zu begrenzen. Jan Fleischhauers These, Zuwanderung müsse auch Nutzen bringen, verwirft der Co-Chef der Grünen Jugend.
Mit einem, wenn nicht dem grundlegenden Missverständnis in der Debatte um Zuwanderung geht es los. "Niemand ist illegal", sagt Jan Fleischhauer, Gastgeber der ZDF-Sendung "Keine Talkshow", sei ein "klassischer Linken-Satz":
Ich finde es ganz schön, dass es Grenzen gibt und dass man auch Leute draußen hält.
Jan Fleischhauer
Beim EU-Innenrat stand Anfang Oktober die Migrationspolitik im Fokus. Um Situationen wie in Ceuta zu verhindern, sind Abschiebungen, Kooperation mit Drittstaaten und die Beobachtung von Migrationsbewegungen Thema.
01.10.2026 | 3:24 minLuis Bobga, Bundessprecher der Grünen Jugend, sagt, dass Grenzen von Menschen gemacht und daher auch veränderlich seien - auch wenn, zugegeben, die Abschaffung von heute auf morgen ins Chaos führen würde.
Menschen per se sind nicht illegal.
Luis Bobga, Grüne Jugend
Im thematisch gegliederten Raum nehmen die Diskutanten an einem Schreibtisch der "Ausländerbehörde" voller Aktenstapel Platz. Oft, sagt Bobga, werde von illegalen Einwanderern gesprochen. "Menschen per se sind aber nicht illegal."
Das kommt für Fleischhauer darauf an, wie sie ins Land gekommen sind. Hier die ontologische Argumentation, dort die Frage nach dem Rechtsstatus - diese Bruchlinie zieht sich durch die gesamte Diskussion.
Fleischhauer: Rechtsstaat muss an Realität angepasst werden
Es geht hinüber zu einem Flüchtlingsboot. "Was ist der höhere Wert", fragt Bobga, "dass es schwierig bleibt, sich auf den Weg zu machen, oder dass Menschen sicher sind auf einem Weg?" Es sei die richtige Entscheidung gewesen, Menschen, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine geflohen sind, einen sicheren Weg nach Deutschland zu ermöglichen. Das gehe doch auch in anderen Teilen der Welt.
Politikwissenschaftler Prof. Hannes Schammann zur Frage, welchen Einfluss die Maßnahmen der Bundesregierung auf Migration haben.
17.09.2026 | 0:51 minFast jeder, entgegnet Fleischhauer, der nach Deutschland komme, erhalte auch ein Asylverfahren (mehr Details und Infos zum Thema gibt es auf fleischhauer.zdf.de).
Die Leute kommen an die Grenze, und wenn sie nicht ganz blöd sind, rufen sie Asyl, und dann sind sie erst mal im Land.
Jan Fleischhauer
Oft folge ein langer juristischer Prozess und irgendwann das Bleiberecht. Der Rechtsstaat müsse an die Realität angepasst werden. Oder, entgegnet Bobga, man erleichtert es den Menschen, hier anzukommen.
Kanada ist Vorbild für Fleischhauer
Ein von der Decke abgeseilter Koffer mit Kanada-Tasse und Plüsch-Elch initiiert das nächste Argument. Dabei geht es um die Frage, nach welchen Kriterien man die Migration steuern oder begrenzen sollte. Fleischhauer nennt dafür Kanada als Vorbild. Man müsse sich, wie die Kanadier es tun, genau anschauen, wen man ins Land lasse und wen nicht. "Das ist für mich gesteuerte Migration", argumentiert Fleischhauer.
An dem Punkt, entgegnet Bobga, entscheide man über Menschen nach ihrer Verwertbarkeit. "Da bin ich raus."
- EU-Innenminister geben Zustimmung: Grünes Licht für Abschiebezentren außerhalb Europas
- Dobrindt schwört Europa auf noch härteren Migrationskurs ein
"Wir haben keine Moderation. Wir haben zwei Menschen, die eingesperrt sind in einem Raum. Und dann geht's ab!", so Jan Fleischhauer, Kolumnist, zu seiner neuen ZDF-Sendung "Keine Talkshow".
25.11.2025 | 6:59 minDieses Argument der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nützlichkeit habe - auch bei den Grünen - längst die Vision einer multikulturellen Gesellschaft verdrängt, führt Fleischhauer aus. Und verweist auf die hohen Kosten, die unserer Gesellschaft durch die aktuelle Art der Migrationssteuerung entstünden. "Aber auf der anderen Seite stehen Menschen, die ein Leben ermöglicht bekommen", entgegnet Bobga. "Ich finde, das ist der höhere Wert."
An einem Grenzzaun fragt Bobga: "Mich würde sehr interessieren, warum Sie so sehr unterscheiden, wer Anspruch auf ein sicheres Leben hat, wer Anspruch auf Kriminalitätsfreiheit hat, anhand von Nationalstaatlichkeit." Fleischhauer spricht von einer "abgestuften Form der Solidarität". Wenn Menschen am Hindukusch die gleichen Ansprüche hätten wie unsere Nachbarn, seien Gesellschaften nicht zu organisieren.
Weniger Asylbewerber beziehen staatliche Leistungen. Ende 2025 waren es in Deutschland rund 390.000 Menschen. Das sind 15 Prozent weniger als im Vorjahr, erklärt das Statistische Bundesamt.
10.09.2026 | 0:40 minBobga: Probleme auf Thema Zuwanderung abgewälzt
Fleischhauer kommt auch auf das Thema Gewaltkriminalität, wo Migranten überrepräsentiert sind, zu sprechen. Bobga sieht eine andere, entscheidende Variable: "Wir haben ein Problem, wie wir Männlichkeit in unserer Gesellschaft anders denken können." Bei 83 Millionen Menschen in Deutschland könne die aktuelle Anzahl an Migranten kein Problem darstellen. Stattdessen würden bestehende Probleme auf das Thema Zuwanderung abgewälzt.
Bobga spricht von einem immensen Aufwand, um Migration zu steuern. Viel besser sei doch, mit demselben Aufwand Migration zu organisieren, beginnend bei der Finanzausstattung der Kommunen. Denn, so die stets präsente Idealvorstellung: Kein Mensch ist illegal, auch rechtlich nicht.
Gesellschaft
:Eingesperrt mit Jan FleischhauerPolitiktalk trifft Reality-TV: Zwei Menschen, zwei Meinungen und keine Moderation. Keine Talkshow - Eingesperrt mit Jan Fleischhauer.
Die neue Folge von "Keine Talkshow - Flüchtlinge: Aufnehmen oder abwehren?" mit Jan Fleischhauer und Grüne-Jugend-Chef Luis Bobga ist online zu sehen am Donnerstag, 22. Oktober 2026, ab 10 Uhr im ZDF-Streaming-Portal und am Freitag, 23. Oktober 2026, ab 00:45 Uhr im ZDF.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.