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Wednesday, September 23, 2026

Kann man mit "nur" 666 PS leben? : SUV Porsche Cayenne Electric heißt "S" - und S fährt gut

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Kann man mit "nur" 666 PS leben? SUV Porsche Cayenne Electric heißt "S" - und S fährt gut

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Typisch Porsche sind die Vierpunkt-LED-Tagfahrlichter. Sie verschaffen auch dem Cayenne seinen Marken-Wiedererkennungswert. (Foto: Porsche)

Elektromobilität ist nicht nur ein Thema in der EU, sondern weltweit. Also auch in der Türkei, wo Porsche nun das mittlere Cayenne-Electric-Modell "S" noch einmal auf Herz und Nieren hat prüfen lassen. ntv.de war dabei. 

Autohersteller tendieren dazu, ihre neuen Produkte bei Sonnenschein vorzustellen - das gibt einfach schönere Bilder. Aber in der Türkei, also außerhalb der Europäischen Union? Eher selten. Doch das ist nicht nur deshalb ein spannendes Ziel, weil man den Cayenne dort womöglich unbürokratischer mal auf Pfade schicken kann, auf denen er zeigen kann, was er so an Gelände-Skills draufhat. Nein, denn wenn die Marke schon ihr elektrisches SUV in der Türkei launcht, muss das einen Grund haben. Immerhin wurden hier letztes Jahr 190.000 elektrisch angetriebene Vehikel neu zugelassen. Das mag im Vergleich zu Deutschland (halbe Million Fahrzeuge) zwar eher verhalten klingen, aber gemessen an Autokultur und Wirtschaftskraft darf diese Zahl als beachtlich durchgehen.

Insofern ist diese Botschaft ein interessantes Signal an die Elektroauto-Skeptiker, die der überregulierenden EU gern den Schwarzen Peter zuschieben, wenn es um Zulassungsziele batterieelektrischer Autos geht. Die Elektromobilität wächst auch außerhalb Europas.

In der Türkei treibt vor allem der landeseigene Togg-Konzern mit seiner Lademarke Trugo die Infrastruktur voran, sodass man wirklich jeden noch so entlegenen Winkel dieses knapp 800.000 Quadratkilometer großen Landes mit dem Elektroauto erreichen kann. Roadtrip in die Stadt Van an der türkisch-iranischen Grenze geplant? Trugo macht es möglich mit den Ladegeräten von bis zu 180 kW Leistung.

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Zur Not wird der Porsche Cayenne Electric zu einem veritablen Kletterer. (Foto: Porsche)

Leistung ist ein gutes Stichwort. Davon hat der Porsche Cayenne S Electric ebenfalls genug. Wobei es bei den elektrischen Antrieben durchaus schwerer fällt, nicht das Topmodell zu wählen, weil das Verlangen ja doch ziemlich groß ist, einmal über 1000 PS auszuprobieren so nach dem Motto "Performance schlägt Sound". Irgendwie muss man ja den Kunden elektrische Antriebe schmackhaft machen, die doch immer wieder auf Acht- und Sechszylinder schielen.

Cayenne S kostet einen Kompaktwagen weniger als der Turbo

Doch vielleicht muss man auch in diesem Segment über Preise sprechen. Während die Zuffenhausener für den Cayenne Turbo Electric dann doch 165.500 Euro verlangen, bekommt man die S-Ausführung "schon" ab 126.400 Euro. Ja, das ist immer noch haufenweise Geld, aber zwischen den beiden Varianten liegt absolut betrachtet auch haufenweise Sparpotenzial. Gespart wird zwar auch bei der Leistung, allerdings sind die 666 PS noch gerade ausreichend, um den 2,6-Tonner durch die Gegend zu schubsen. Ironieverdacht? Okay, präziser gesagt, angemessen durch die Gegend zu schubsen.

Denn es reicht bei einem solchen Auto ja nicht, dass es souverän beschleunigt. Nein, spätestens beim Gebrauchen der Launch-Control müssen die beiden Maschinen die Karosse mit einer Wucht wegpunchen, dass es im Magen flau wird. Kann man dieses Feature denn in dieser Umgebung überhaupt testen?

Zum Glück mangelt es im Umland von Kappadokien nicht gerade an einsamen Landstraßen. Also, übersichtliche Stelle aussuchen und stoppen. Einen Fuß auf die Bremse setzen, den anderen auf das Fahrpedal und selbiges niederdrücken. Wenn du dann die Bremse lupfst, schnalzt das schwäbische Schwergewicht binnen 3,8 Sekunden auf 100 km/h. Und das löst jetzt nicht dieses völlig abgedrehte Gefühl aus, wie wenn ein Stromer mit vierstelligen Leistungswerten über den Asphalt herfällt, aber um volle Mägen zu strapazieren, reicht es allemal.

Neuer Porsche Cayenne kann auch komfortabel sein

Doch das, was ein Cayenne im Alltag liefern sollte, ist ja nicht, seine Passagiere permanent zu stressen. Sondern diese sollten vielmehr auf feinen Sesseln gebettet wohlig weit entfernte Ziele erreichen. Freilich mit einem kleinen Sternchen, denn sportliche Präzision dürften viele Kunden angesichts der Marke gedanklich mitbuchen. Und ja, diese Mission haben die Ingenieure auch erfüllt; in diesem SUV ist das Fahren eben Präzisionsarbeit inklusive direkt-straffem Lenkgefühl mit so einer irgendwie natürlich anmutenden Schwergängigkeit.

Schwerfällig dagegen fühlt sich der Brocken auch bei extremem Tempo auf ebenso extrem geschwungenen Landstraßen nicht an. Wobei man es noch auf die Spitze treiben kann mit der 1702 Euro teuren Hinterachslenkung sowie einem etwas mehr als 8000 Euro kostenden Fahrwerks-Upgrade. In diesem Fall verfügt jedes einzelne Rad über eine Hochdruckpumpe, um Druck- und Zugkräfte der Dämpfer aktiv zu modellieren. Das spricht für eine große Spreizung zwischen komfortabler und strammer Ausrichtung. Und zusätzlich kann der Cayenne sowohl Wankbewegungen ausgleichen als auch ein Moment anlegen mit der Funktion, Seitenneigung gezielt zu erzeugen. Dann wird aus dem Brikett endgültig ein Dynamikbündel mit Kurvenkompetenz.

Und ebenso mit Geländekompetenz, denn dank serienmäßiger Luftfederung lässt sich das Chassis derart hochfahren, dass der Allradler mehr kann als bloß mal über eine nasse Wiese zu krauchen. Das höchste Level erreicht er indes lediglich mit dem 2500 Euro zusätzlich kostenden Offroad-Package. In diesem Fall erhöht sich die Anhängelast außerdem von 3 auf 3,5 Tonnen, was dem Cayenne eine Sonderstellung innerhalb batterieelektrischer Offerten beschert.

Er ist aber nicht nur praktisch, sondern auch schnell mit 250 km/h Topspeed. Speed ist überdies beim Ladegeschehen ein Thema. Mit 390 kW Peakladeleistung wäre der 113 kWh (brutto) große Stromspeicher binnen 16 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen. Der Wettbewerb aus dem gleichen Bundesland hat zwar Schnelleres in der Pipeline, aber mit diesen Werten kann man dennoch ausgezeichnet arbeiten.

So avanciert der Porsche Cayenne S Electric zum ziemlich umfassenden Allrounder mit Leistung immer noch im Überfluss und einer verlockenden WLTP-Reichweite von bis zu 653 Kilometern gemittelt (wobei die Realität oft anderes aussieht). Und wenngleich der Turbo den S als großes Überauto in den Schatten stellt, dürfte diese mittlere Baureihe den Bedarf der meisten Kunden noch immer massiv übertreffen.

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