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Wednesday, October 7, 2026

Euro fällt gegenüber dem US-Dollar: Droht eine Finanzkrise?

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Der Euro ist am Montagmorgen im frühen Handel auf ein 17-Monats-Tief gegenüber dem Dollar gefallen. Grund dafür waren Sorgen um die Verschuldung in der Eurozone, besonders im Blick auf Frankreich, die zu den bereits bestehenden Befürchtungen der Anleger hinsichtlich der Renditen globaler Staatsanleihen und steigender Ölpreise hinzukamen.

Der Euro hat im Großteil des Jahres 2026 gegenüber dem Dollar an Wert verloren und ist seit Jahresbeginn um rund fünf Prozent gefallen. Am Montag (5.10.2026) notierte er bei 1,12 US-Dollar.

Der Grund dafür sei, sagte Ricardo Amaro, leitender Volkswirt für die Eurozone bei Oxford Economics, der DW, eine Neubewertung der Markterwartungen hinsichtlich der Geldpolitik der US-Notenbank (Fed): Angesichts steigender globaler Anleiherenditen rechne man nun mit höheren Zinsen. Er erklärte jedoch, der jüngste Ausverkauf sei insbesondere durch Sorgen um Frankreich ausgelöst worden, da sich "Investoren auf höhere fiskalische Risiken eingestellt" hätten.

Das Paris-Problem

Der Ausverkauf französischer Staatsanleihen beschleunigte sich in der vergangenen Woche, gleichzeitig nahmen die Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit der französischen Finanzen zu. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen - also die Kosten, die Frankreich für die Kreditaufnahme mit zehnjähriger Laufzeit tragen muss - kletterte zwischenzeitlich auf fünf Prozent, bevor sie wieder leicht zurückging.

Paris hat schon lange mit grundlegenden fiskalischen Problemen zu kämpfen. Seit dem Amtsantritt von Präsident Emmanuel Macron im Mai 2017 sind die Staatsausgaben gestiegen, während gleichzeitig umfassende Steuersenkungen umgesetzt wurden. Infolgedessen ist die Staatsverschuldung des Landes um weit mehr als eine Billion Euro angewachsen.

Die französische Schuldenquote im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt mittlerweile bei fast 118 Prozent. Das Land weist durchgehend unausgeglichene Haushalte auf. Das jährliche Haushaltsdefizit übersteigt regelmäßig die Marke von fünf Prozent und liegt damit deutlich über den 3,4 Prozent, die zu Beginn von Macrons Amtszeit verzeichnet wurden.

Für viele Investoren haben das schwache Wachstum in der Eurozoneund die stark gestiegenen Energiepreise dazu geführt, dass Frankreich wieder stärker in den Fokus gerückt ist. Viele ziehen sich daher in vermeintlich sicherere Anlagen zurück, etwa in deutsche Staatsanleihen.

Die Renditedifferenz zwischen zehnjährigen französischen und deutschen Staatsanleihen - ein genau beobachteter Indikator für die Finanzstabilität in der EU - erreichte in der vergangenen Woche den höchsten Stand seit der Schuldenkrise in der Eurozone.

Was kann die EZB tun?

Der so entstandene Druck auf den Euro und auf andere Märkte für Staatsanleihen, einschließlich des italienischen, hat Forderungen nach einem Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) laut werden lassen, um zu verhindern, dass sich die Sorgen um Frankreich zu einer Panik ausweiten.

Frankreichs Wirtschaft schwächelt

Jim Reid von der Deutschen Bank merkte am Montag an, dass der Renditeabstand zwischen deutschen und französischen Anleihen in der vergangenen Woche zeitweise so stark angewachsen sei, dass eine "Mini-Panik" drohte. "Die große Frage ist, ob dies der Beginn einer neuen Euro-Staatsschuldenkrise ist oder ob die Märkte bereits überreagiert haben", sagte er.

Ricardo Amaro erklärte, die Situation stelle eine Herausforderung für die EZB dar, da sie handeln müsse, ohne die Lage zu verschlimmern. "Ein allzu restriktiver Tonfall würde den Druck auf die Renditen französischer Staatsanleihen erhöhen, die sich zu einem wesentlichen Treiber der Euro-Schwäche entwickelt haben", fügte er hinzu. Er geht davon aus, dass die Entscheidungsträger die Lage weiterhin beobachten würden, zunächst aber nicht eingreifen werden.

Was steht auf dem Spiel?

Druck aus Politik und Wirtschaft sorgen für Unsicherheit. Frankreich wurde in den vergangenen Jahren von politischen Krisen erschüttert; die Verabschiedung der jährlichen Haushaltspläne entwickelte sich dabei zu einer Zerreißprobe für die Stabilität der Regierung.

Zwar wurde der Haushalt für 2027 - inklusive Reformen zur Defizitsenkung - bereits beschlossen, doch die rechte Partei "Rassemblement National" (RN) ist im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2027, bei der Marine Le Pen voraussichtlich als Spitzenkandidatin antreten wird, weiterhin gut positioniert.

Die Sorge vor der französischen Wirtschaftspolitik im Falle eines Wahlsiegs von Le Pen verunsichert die Investoren. Auch der Aufstieg der rechtsextremen AfD in Deutschland hat Fragen zur künftigen Ausrichtung der wichtigsten Volkswirtschaft des Staatenblocks aufgeworfen.

Ein wesentlicher Grund für die politische Instabilität ist der Unmut der Wähler über die hohen Lebenshaltungskosten. In Spanien hat Ministerpräsident Pedro Sánchez gerade vorgezogene Neuwahlen angesetzt, nachdem Maßnahmen zur Bewältigung der dortigen Wohnungskrise im Parlament abgelehnt worden waren.

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Nun ist ein angemessenes Verhalten der Europäischen Zentralbank gefragtBild: Jana Rodenbusch/REUTERS

Laut Amaro könnte eine Euro-Schwäche das zugrundeliegende Inflationsproblem verschärfen.
"Eine deutliche Abwertung des Euro würde den Inflationsschock verstärken - und das zu einem Zeitpunkt, an dem ohnehin damit gerechnet wird, dass die Teuerungsrate bis ins Jahr 2027 hoch bleiben wird", sagte er.

Ein schwächerer Euro würde die Kosten für Importgüter in die Höhe treiben, insbesondere für solche, deren Preise in US-Dollar notieren. Da globale Rohstoffe wie Öl und Gas in Dollar gehandelt werden, dürften die ohnehin schon stark gestiegenen Energiepreise weiter klettern; gleiches gilt für die Kosten von US-Importen.

Die nächste Finanzkrise?

Angesichts der noch frischen Erinnerungen an die Staatsschuldenkrise, die die EU Anfang der 2010er Jahre erschütterte, fragen sich viele Beobachter, ob die Entwicklungen rund um die französische Verschuldung auf eine neue Krise in der Eurozone hindeuten könnten.

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Einige Experten, wie etwa Geoffrey Yu, Senior Stratege bei BNY, halten solche Befürchtungen für unbegründet. "Vergleiche mit dem Jahr 2012 gehen völlig an der Sache vorbei", sagte er.

Amaro weist jedoch darauf hin, dass die für dieses Jahr erwarteten weiteren Zinserhöhungen der EZB in Verbindung mit den sich verschlechternden Inflationsaussichten eine Situation schaffen, die sehr sorgfältig gemanagt und beobachtet werden muss. "Die Schwäche des Euro sollte nicht als isoliertes Phänomen betrachtet werden", sagt er. "Sollte sie durch wachsende Sorgen um die Haushaltslage Frankreichs ausgelöst worden sein, würde die EZB angesichts der Risiken für die Eurozone sicherlich sehr behutsam vorgehen wollen."

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