Söder, Merz und die Zwickmühlen
Das Besondere an diesem CSU-Parteitag ist: Es geht diesmal nicht um Markus Söder - zumindest nicht in erster Linie. Ilse Aigner steht im Mittelpunkt des Interesses. Ihr fliegen seit Jahren schon die CSU-Herzen zu.
Während Söder gerne stichelt, hört die bayerische Landtagspräsidentin Aigner zu und hat ein Herz für fast jedermann. Und so hat die CSU eine klare Erwartung an ihren Chef: Sie wollen Ilse Aigner an der Spitze Deutschlands sehen. Sie soll die erste Bundespräsidentin werden.
CSU-Chef Söder nennt Ilse Aigner als mögliche Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten. Auch Merz kann sich ihre Kandidatur vorstellen. Aigner wäre die erste Frau in diesem Amt.
02.08.2026 | 3:17 minWährend Söders Bekenntnis zu ihr am Anfang noch eher schmallippig klang, ging seine öffentliche Begeisterungskurve zuletzt steil nach oben. Auf die Dauerbrennerfrage ob er bereit sei, auf Merz zu folgen, sagt Söder vor knapp zwei Wochen: "Friedrich Merz bleibt Bundeskanzler."
Die einzige Personalie, die ihn persönlich interessiere, sei nicht die Kanzlerschaft, "sondern ich möchte, dass, wenn es irgendwie geht, Ilse Aigner Bundespräsidentin wird." Auf dem Parteitag erwartet die Basis nun ein mindestens genauso glühendes Bekenntnis.
Im ZDF-Sommerinterview spricht sich Söder für Ilse Aigner als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin aus. "Ich glaube, sie wäre eine sehr gute Kandidatin", sagt er.
26.07.2026 | 1:36 minCSU steht wieder hinter Parteichef Söder
Dabei treibt die Präsidentinnen-Frage Markus Söder in eine Zwickmühle: Wenn Ilse Aigner im Schloss Bellevue sitzt, ist es wohl vorbei mit seinen Kanzlerambitionen. Aber es bleibt ihm keine andere Wahl, als Aigner zu stützen, um seiner Partei zu zeigen: Seht her, ich lasse andere glänzen. So würde er auch seine Macht in Bayern sichern. Eine seiner größten Konkurrentinnen wäre dann in Berlin.
Insgesamt ist das innerparteiliche Grummeln um Söder, ausgelöst durch die Ergebnisse bei den Kommunalwahlen, wieder so gut wie verstummt. Seit den Wahl-Schocks im Osten und dem Taumeln der CDU, steht die CSU wieder hinter ihrem Chef. Während die Umfragewerte der CDU fast überall - auch in NRW - im Sinkflug sind, an der 20 Prozentmarke kratzen, liegt die CSU in Bayern relativ stabil bei 36 Prozent.
Machtkampf in der CSU
:Söder: Ein Offensivspieler in der DefensiveIn der CSU rumort es. Im Parteivorstand treffen heute Markus Söder und seine Kritiker aufeinander. Kann Parteichef Söder die Debatte um seine Person einfangen?
von Simon Pfanzelt
Analyse
Das Koalitionschaos scheint den Bayern weniger anzuhaben. Und daran schließt sich die nächste Frage für den Parteitag an. Wie wird die CSU Kanzler Merz bei seinem Auftritt am Samstag empfangen? Auch wenn Söder seit Monaten seinen Rückhalt für Merz beteuert, die ein oder andere Stichelei könnte verfangen in der CSU. Denn so hören wir, auch von CSU-Vorstandsmitgliedern: Als Ministerpräsident bleibe eine gewisse Unzufriedenheit mit Söder, aber für den besseren Kanzler hielten ihn die meisten in der CSU.
Wie verhält sich Merz mit Blick auf Aigner?
Wie sich das beim Besuch von Merz auswirkt, wird sich zeigen. Ob Merz nur braven Applaus oder Jubel erntet, wird auch davon abhängen, ob und wie sich der Kanzler in der Präsidentinnen-Frage verhält. Viele in der CSU hoffen, dass er sich in irgendeiner Form zu seiner langjährigen Polit-Freundin Ilse Aigner bekennt. Bisher war er zurückhaltend.
Während sich hochrangige SPD-Mitglieder schon positiv zu Aigner geäußert haben, ist es in der CDU verdächtig ruhig. In München muss Merz sich irgendwie äußern, auch wenn mit einer offiziellen Kür keiner rechnet. Insofern steckt auch Merz in einer Zwickmühle: Die CSU erwartet ein Signal, aber seine CDU darf sich nicht übergangen fühlen.
CSU-Chef Söder fordert bei der Jungen Union, die versprochene Reformen sofort umzusetzen. Er warnt vor der AfD und einem Linksbündnis in Berlin und verlangt eine Brandmauer nach links.
18.10.2026 | 1:35 minUmgang mit AfD und Linken
Und dann sind da noch die Inhalte. "Näher am Menschen" lautet das Parteitags-Motto diesmal. Man will die AfD weniger mit Brandmauern, sondern mehr mit Themen bekämpfen. "Wir sind das Bollwerk der Demokratie", sagt CSU-Generalsekretär Martin Huber im Vorfeld. Wichtig sei etwa das Thema Wohnen. "Bauen statt Klauen ist da unser Motto", so Hubers Anspielung auf ein mögliches rot-grün-rotes Bündnis in der Hauptstadt.
Die Linke hat die Grünen als Feindbild abgelöst. "Es darf diese antisemitisch durchsetzte Clan-Koalition in Berlin nicht geben", sagt Huber - so oder so ähnlich wird es auch am Parteitag klingen. Ein gemeinsamer Feind ist ja bekanntlich der beste Kitt.
Eva Schiller leitet das ZDF-Landesstudio in Bayern.
Über dieses Thema berichtete das heute journal update im Ausblick am 23.10.2026 ab 00:30 Uhr.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.