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Tuesday, October 27, 2026

Ein Running Back, ein Trade-Erfolg, ein Coach-Phänomen: Die 5 größten Überraschungen dieser Saison

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Die Saison geht mit großen Schritten bereits auf die Halbzeit-Marke zu, und auch dieses Jahr gibt es mehrere unerwartete Wendungen. Ein Running Back verändert eine ganze Offense, Rookies strafen Kritiker Lügen und Brian Flores lebt in seiner eigenen Welt. Adrian Franke fasst seine fünf größten Überraschungen der bisherigen Saison zusammen.

Einer der schönsten Aspekte der NFL ist ihre Unberechenbarkeit. Jahr für Jahr überraschen Teams, die man nicht im Titelrennen erwartet hatte, während vermeintliche Titelkandidaten abschmieren. Und das Thema des Quarterbacks, der einen nicht mehr für möglich gehaltenen Karriere-Turnaround hinlegt, ist nach unter anderem Ryan Tannehill, Baker Mayfield und Sam Darnold längst fester Bestandteil der NFL-Landschaft.

Vielleicht erleben wir hier sogar gerade die nächste solche Geschichte, in Person von J.J. McCarthy. Dessen Auftritt gegen die Texans war der eines Quarterbacks mit einem komplett anderen Selbstvertrauen als die Version von McCarthy, die wir zuletzt in Minnesota gesehen hatten. Gegen Houston hatte McCarthy eine ganze Reihe spektakulärer Würfe, bei denen man endlich einmal wieder sein Armtalent sah.

Natürlich ist es hier noch zu früh, um von einer echten Überraschung zu sprechen. Auch wenn McCarthy bis dato fünf sehr produktive und für die weitere Analyse sehr spannende Viertel für die Giants gespielt hat.

Doch nach sieben Wochen bewegen wir uns bereits in der Saisonmitte. Bedeutet auch: Es gibt einige Überraschungen der bisherigen Spielzeit, die schon ein robustes Fundament mitbringen.

1. Wie Kenneth Walker die Chiefs-Offense verändert hat

Als die Chiefs Kenneth Walker in der Offseason verpflichtet und entsprechend bezahlt haben, lautete die große Frage: Gibt es jetzt ein echtes Umdenken? Oder wird Walker mehr eine Ergänzung zu Mahomes sein, während Andy Reid das Run Game weiterhin eher stiefmütterlich behandelt?

Die Antwort nach den ersten sieben Wochen ist überdeutlich. Die Chiefs laufen den Ball nicht nur einfach mehr, sie haben Kenneth Walker zum Mittelpunkt ihrer Offense gemacht. Es ist eine bemerkenswerte Veränderung einer Offense, die seit Jahren nur über das Passing Game funktioniert hat. Die Chiefs werfen den Ball noch immer viel, doch das Run Game ist jetzt der Part, den man primär stoppen muss, um der Offense aus struktureller Perspektive den Zahn zu ziehen. Seattle hat das am Sonntagabend auf eindrucksvolle Art und Weise unterstrichen.

Selbst nach dem schwachen Seahawks-Spiel belegen die Chiefs mit durchschnittlich 141,5 Rushing-Yards pro Spiel Platz 5, unter allen Running Backs mit mindestens 75 Carries in der laufenden Saison belegt Walker nach wie vor Platz 1 in Yards pro Run (5,8), Platz 2 in Yards nach Kontakt pro Run (4,1) und Platz 2 in Runs über mindestens 15 Yards (10) - obwohl Kansas City schon seine Bye hatte.

Kenneth Walker für die Kansas City Chiefs

Kenneth Walker hat der Chiefs-Offense eine ganz neue Identität gegeben. IMAGO/Newscom World

Das sind die Zahlen, die sofort ins Auge springen. Aber Walkers Effekt geht weit über die reine Rushing-Production hinaus. Die Chiefs haben ihre Offense fundamental verändert, mit Walker als ihrem neuen Mittelpunkt. Sie haben sich von einer Offense, die unter 20 Prozent Under Center spielt, auf fast 40 Prozent gesteigert.

Und das überaus erfolgreich. Sowohl nach EPA pro Play als auch nach Success Rate hat Kansas City dieses Jahr eine Top-5-Offense Under Center. Letztes Jahr war man hier nur im Liga-Mittelfeld, oder sogar noch darunter.

Ein ganz wichtiger Punkt dabei ist das Play Action Passing Game. Fast 33 Prozent von Mahomes’ Pässen in dieser Saison bislang kommen mit dem angetäuschten Run, letztes Jahr hatte er mit 24,6 Prozent einen der niedrigsten Werte unter Startern. Mahomes hat jetzt schon doppelt so viele Play-Action-Touchdown-Pässe geworfen (4) wie in der gesamten vergangenen Saison, und im Schnitt kreieren die Chiefs 1,2 Yards pro Play Action Pass mehr als im Vorjahr. Hier hat das Run Game den spürbarsten direkten Effekt auf die Art und Weise, wie Kansas City den Ball werfen will - und kann. Und wie sie eine Explosivität kreieren, die zuletzt so spürbar gefehlt hat.

Kansas City hat nach wie vor gravierende Receiver-Fragezeichen, welche die Chiefs beantworten müssen, wenn sie auch gegen defensive Schwergewichte mehr Antworten parat haben wollen. Auch das wurde gegen Seattle deutlich. Aber mit Walker haben sie in vielfacher Hinsicht einen Floor bekommen, den diese Offense letztes Jahr abgesehen von Mahomes schlichtweg überhaupt nicht hatte.

2. Gervon Dexters Leistungsexplosion in Atlanta

Nach drei Jahren hatten die Chicago Bears genug gesehen. Ende August tradeten die Bears Defensive Tackle Gervon Dexter, den sie selbst 2023 in der zweiten Runde gedraftet hatten, im Gegenzug für Cornerback Clark Phillips und einen Fünftrunden-Pick nach Atlanta.
Es war ein Trade, der insofern unerwartet kam, als dass die Bears nach einer auffällig unauffälligen Offseason mehr Fragen als Antworten spezifisch in der Defensive Line hatten. Dexter schien bis zum Trade, von außen betrachtet, wie einer der wenigen Spieler mit nennenswerter Upside in dieser Gruppe. Einer, der, wenn er einen Sprung macht, vielleicht ein Unterschiedsspieler für diese Line sein kann, nachdem sie sich gegen größere externe Verstärkungen entschieden hatten.

Die Bears sahen diese Upside nicht mehr - und die Falcons ernten bereits jetzt die Früchte dieser Einschätzung. Dexter ist in Atlanta Teil einer überraschend guten Run-Stopping-Defensive-Line, individuell spielt er aber in jeder Hinsicht seine beste Saison. Seine 24 Quarterback-Pressures sind die drittmeisten aller Defensive Tackles nach sieben Spielen - gleichauf übrigens mit Teamkollege Brandon Dorlus, der für sich ebenfalls eine positive Überraschung darstellt. Bei den Bears hat derweil kein Interior Defensive Lineman mehr als 15 Pressures. Mehr noch: Die vier Defensive Tackles Grady Jarrett, Neville Gallimore, Kentavius Street und Jordan van den Berg zusammengenommen kommen für die Bears auf 22 Pressures. Zwei weniger also, als Dexter alleine bislang hat.

Die Falcons haben folgerichtig bereits Nägel mit Köpfen gemacht: Ende September unterschrieb Gervon Dexter in Atlanta eine Vertragsverlängerung um vier Jahre und bis zu 78 Millionen Dollar. Es ist nicht das erste Mal, dass spezifisch ein Defensive Tackle erst nach einigen Jahren seinen Breakout hat. Dexter ist das Paradebeispiel dieser Saison.

3. Das Quarterback-unabhängige Spiel von Zay Flowers

Obwohl er nur fünfeinhalb Spiele absolviert hat und sein Quarterback Lamar Jackson seit mittlerweile drei Wochen verletzt fehlt, ist Zay Flowers in der Top-5 in Receiving-Yards, Top-5 in Yards nach Catch pro Reception unter allen Spielern mit mindestens 35 Targets, Platz 1 in Yards pro gelaufener Route und Top-8 in Forced Missed Tackles.

Es ist das Profil eines Receivers, der in einer neuen Offense nochmals einen Sprung gemacht hat - und der alles innerhalb der Offense macht. Flowers steht bei 608 Receiving-Yards, 159 davon kamen bei Downfield-Pässen (mindestens 20 Yards Downfield), aber eben auch 307 im Underneath Passing Game (0 bis 9 Yards von der Line of Scrimmage).

Die Ravens ziehen ihn viel in den Slot, setzen ihn aber auch viel in Bewegung und lassen ihn überall attackieren. Inklusive auch bei Jet Sweeps und anderen designten Touches und Receiver-Runs, bei denen seine Explosivität voll zur Geltung kommt.

Bei Routes über die Mitte gewinnt er schnell Tiefe und kann um Verteidiger herum arbeiten, um Passfenster zu öffnen. Sein Ball-Tracking und die schwierigen Catches weg vom Körper sind auffällig gut dieses Jahr, und seine Explosivität wird bestmöglich in die Offense eingebaut.

Flowers hatte letztes Jahr bereits 1.211 Receiving-Yards, die fast unter dem Radar liefen. Dabei absolvierte er vier Spiele ohne Jackson, in keinem dieser vier Spiele kam er auf 75 Receiving-Yards und zwei Mal blieb er unter 50 Yards. In der laufenden Saison knackte er auch ohne Jackson jedes Mal die 50 Yards und legte am vergangenen Sonntag 137 Yards gegen die Bengals auf.

Lamar Jackson sollte kommende Woche gegen die Bills zurückkommen, was die ganze Offense auch wieder schlagkräftiger machen sollte. Flowers zeigt, dass er selbst unabhängig vom Quarterback noch größere Teile der Offense tragen kann. Flowers zeigt, dass er in die Top-10-Receiver-Diskussion gehört.

4. Was Brian Flores aus der Vikings-Defense herausholt

Es gibt drei Elite-Defenses in der bisherigen Saison. Die Broncos - hier bereits mit einigen Abstrichen durch die Tackling-Probleme vor allem in den ersten Wochen -, die Seahawks und die Vikings.

Würde man diese drei Teams nach dem reinen individuellen Talent-Level ranken, würden die meisten wohl Seattle auf Platz 1 setzen, die Broncos knapp dahinter auf den zweiten Platz - und dann mit einem riesigen Abstand dahinter die Vikings.

Die Seahawks haben eine ganze Reihe an Stars. Leonard Williams, DeMarcus Lawrence, Devon Witherspoon, Byron Murphy, Nick Emmanwori, dazu exzellente Leistungsträger wie Julian Love und Uchenna Nwosu.

Brian Flores von den Minnesota Vikings

Brian Flores schraubt in dieser Saison die Aggressivität auf ein ganz anderes Level hoch. IMAGO/Icon Sportswire

Denvers größte individuelle Qualitäten liegen im Pass-Rush mit Nick Bonitto, Zach Allen und jetzt auch wieder Jonathon Cooper, sowie in der Secondary mit allen voran Pat Surtain, der kommende Woche wieder zurückkommen könnte.

Wer sind vergleichbare Spieler bei Minnesota? Da sprechen wir über Byron Murphy, Dallas Turner, Jalen Redmond, Isaiah Rodgers und Harrison Smith. Gute Role Player allesamt. Aber kein Vergleich zu den Stars der anderen Teams.

Und dennoch: Nach sieben Wochen steht die Vikings-Defense auf Platz 1 in EPA pro Play, Platz 1 in Success Rate, Platz 1 in Dropback Success Rate und Platz 1 in Rushing Success Rate. Die Vikings kommen aus einem Spiel, in dem sie gerade Daniel Jones bei 85 Prozent seiner Dropbacks geblitzt haben. Die gleiche Blitz-Rate musste Tyler Shough im Spiel gegen die Saints davor über sich ergehen lassen. 80 Prozent waren es gegen Malik Willis und die Dolphins, 71 Prozent gegen Baker Mayfield und die Bucs, 84 Prozent gegen Caleb Williams und Jordan Love wurde in Woche 1 bei 87 Prozent seiner Dropbacks geblitzt.

Wenn man in dieser Saison also gegen die Vikings spielt, muss man damit rechnen, bei über 80 Prozent der eigenen Dropbacks geblitzt zu werden - eine absurde Quote, bereits mit rund 50 Prozent Blitz-Rate gehörte man in den letzten Jahren in die absolute Liga-Spitze. Minnesota bewegt sich jenseits von allem, was wir in der jüngeren Vergangenheit in der NFL gesehen haben.

Doch all das erfolgt nicht aus einer rücksichtslosen Aggressivität heraus. Minnesota kombiniert das mit einer Zone-lastigen Coverage, in der unter der Führung von Veteran-Safety Harrison Smith extrem viel nach dem Snap rotiert wird, um Quarterbacks in schlechte Würfe zu locken.

Die Vikings hatten letztes Jahr eine Top-6-Defense und wurden auf dem Papier qualitativ schlechter. Die Frage stand im Raum, ob hier schließlich auch das Scheme an Grenzen stößt und Minnesota aus den Top-10-Rankings rausfällt.

Stattdessen holt Brian Flores sogar noch mehr aus dieser Unit heraus als bereits im Vorjahr. Es ist außergewöhnlich, es wirkt noch variabler als letztes Jahr, was auch Hoffnung dahingehend gibt, dass Minnesota nicht im Laufe der Saison zunehmend entschlüsselt wird - und Flores’ Unit ist der Grund dafür, dass Minnesota nach sieben Wochen als einziges ungeschlagenes Team übrig ist.

5. Die Rookie-Receiver der Browns

Als die Browns im vergangenen Draft erst KC Concepcion mit dem Nummer-24-Overall-Pick auswählten, nur um dann 15 Picks später mit Denzel Boston einen zweiten Top-40-Pick in einen Wide Receiver zu investieren, wirkte das auf der einen Seite wie ein sinnvoller Move. Cleveland musste seinen Wide Receiver Room neu zusammenstellen und sich auch perspektivisch etwas aufbauen, ehe früher oder später ein Rookie-Quarterback kommen soll.

Andererseits war es, rein durch die Analysten-Brille betrachtet, auch ein wenig ernüchternd. Zwei sehr spannende Receiver-Talente würden ihre erste NFL-Saison in einem Umbruchsjahr in Cleveland mit Deshaun Watson und Shedeur Sanders verbringen. Bereits bevor überhaupt ein Spiel gespielt war, stand die Frage im Raum, inwieweit man Boston und Concepcion nach deren Rookie-Saison überhaupt würde bewerten können. So viel zur Theorie.

Nach sieben Spielen ist bereits klar, dass man den Browns mit dieser Einschätzung Unrecht getan hat. Deshaun Watson spielt nicht gut, aber besser als gedacht; vor allem aber der neue Head Coach Todd Monken drückt der Offense auf eindrucksvolle Art und Weise seinen Stempel auf.

So sind Boston und Concepcion nach Receiving-Yards auf Platz 2 und Platz 3 unter allen Rookie-Receivern dieser Saison. Und das in sehr spezifischen Rollen: Boston hat bereits 15 Downfield-Targets, ligaweit haben nur Matthew Golden und Malik Nabers noch mehr. Bostons zwei Downfield-Touchdowns sind der geteilte zweite Platz. Er ist die Big-Play-Waffe.

Concepcion auf der anderen Seite ist unter allen Receivern mit mindestens 40 Targets auf Platz 6 in Yards nach dem Catch pro Reception. Er wird deutlich mehr herumgeschoben und spielt auch viel im Slot, wo sich die Browns seine Explosivität mit dem Ball in der Hand zu Nutze machen. Zehn Targets hatte er zuletzt gegen die Titans in seinem bis dato besten NFL-Spiel.

Die Browns als Team sind eine positive Überraschung. Die beiden Rookie-Receiver haben daran erheblichen Anteil.

Honorable Mentions

Die Saints haben nach sieben Spielen in puncto Sacks das produktivste Edge-Duo in der NFL. Chase Young steht bei sieben Sacks, Carl Granderson bei 5,5, es ist das einzige Edge-Duo mit zwei Spielern in der Top-5 in Sacks. Als Defense insgesamt steht New Orleans in puncto EPA pro Play dennoch auf Platz 27, nach Success Rate sind nur die Dolphins schlechter.

Ollie Gordon ist ein legitimer Starting-Running-Back. Gordon spielt seit Woche 4 in Miami relevante Snaps, und infolge der schweren Verletzung von De’Von Achane wird das auch über den Rest der Saison der Fall sein. In diesem Zeitraum, also seit Woche 4, steht er unter Running Backs mit mindestens 40 Runs auf Platz 2 in Yards pro Run (5,6), Platz 5 in Yards nach Kontakt pro Run (3,64) und Platz 4 in Runs über mindestens 15 Yards (4). Gordon ist ein großer Back mit der Tendenz, aufrecht zu laufen, bringt aber eine gute Vision und Agilität für die Größe mit. Das in Kombination mit der Beschleunigung macht ihn zu einem spannenden Back, der gerade dabei ist, sich eine langfristige Rolle in der NFL zu verdienen.

Ist Omar Cooper bis Saisonende der beste Rookie-Receiver? Es war ein verkorkster Start in die NFL-Karriere für Omar Cooper. Der Erstrunden-Pick der New York Jets startete zwar mit einem 30-Yard-Catch gegen die Titans, verletzte sich aber prompt in jenem ersten Spiel und fiel dann bis Woche 6 aus. Seitdem aber ist er zurück, und das mit einem Ausrufezeichen: Gegen die Patriots fing er sechs Bälle für 103 Yards und einen Touchdown, gegen Miami waren es fünf für 115 Yards mit ebenfalls einem Score. Die Explosivität ist offensichtlich, genau wie die Toughness. Cooper gewinnt aus dem Slot vertikal, ist gefährlich mit dem Ball in der Hand und kann mit Quickness Separation kreieren. Und die Jets wissen, was sie in ihm haben: Schon jetzt fällt auf, dass sie einen Fokus darauf legen, Cooper als primäres Target in den Raum zu bringen. Nach dem, was wir bisher gesehen haben, wäre es nicht überraschend, wenn er am Saisonende trotz der verpassten Zeit der produktivste Rookie-Receiver wäre.

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