Die Wahrheit: Der frontal Unverbeulte

Schurken, die die Welt beherrschen wollen – heute: Steffen „Verbrenner“ Bilger, Motorminister.
Selig, o selig die ratternden, knatternden sechziger und siebziger Jahre! Unschuldig röhrten die Krafträder, brummten die Lastkraftwagen, heulten die Motoren der Pkws, quietschten die Bremsen vor den auf der Straße herumhoppelnden Kindern oder knapp darüber, doch es gab genug davon!
Bundesverkehrsminister Georg Leber hatte allen Deutschen versprochen, in 500 Metern Entfernung von zu Hause eine Autobahnauffahrt vorfinden und anzapfen zu können. Der Erwerb des Führerscheins war in jenen autoverschmusten Zeiten ein Grundrecht, und die Menschen- und Bürgerrechte galten auch für Automobile.
Ein Volk auf Rädern! Schon wurde in der Politik diskutiert, ob die Ehe mit einem Fahrzeug auch rechtlich abgesichert und kirchlich abgesegnet werden könne – da knickte die Umwelt ein. Die hohle Luft war von den Abgasen trübe geworden, der Wald morsch, stattdessen lief der Zeitgeist grün an!
Steffen Bilger, der zu spät, ausgangs der Siebziger, seinen ersten Atemzug tat, kennt das Paradies nur aus Sagen und Legenden, die seine Eltern und Großeltern erzählten und dick auftrugen. Doch sie weckten die Sehnsucht nach jener Welt, in der die Autos wie die Menschen da drin glücklich waren. In der makellose Straßen in der Sonne funkelten, die Eisenbahn im Hintergrund die Idylle schmückte und Radfahrer nur Beilage im knüppeldichten Stoßverkehr waren!
Bahnhöfe voller Spinnweben
Heute, Stichwort 2026, sind die Straßen löchrig, die Schienen wulstig, aber die Radwege meterbreit; abgemagert die Flüsse und Kanäle für die Binnenschifffahrt, eingewickelt von Spinnweben viele Bahnhöfe, zahllose Parkplätze in den Stadtzentren ausradiert! Doch wenn Mobilität ein Menschenrecht ist, wie die UNO ja sagt: dann gilt sie auch für die Fahrzeuge, dann gilt sie auch für einen BMW M760e xDrive hybrid und dessen Vormund, dann gilt sie auch für Steffen Bilger.
Konstruiert, wo vor ihm schon Mercedes-Benz und Porsche geboren wurden, in Baden-Württemberg, lief der Verkehrsminister an einem 16. Februar 1979 in Schongau vom Band. Bereits 1996 bog er rechts ab in die CDU; steuerte, ausgestattet vom Backnanger Max-Born-Gymnasium mit dem TÜV-Siegel, in ein Jurastudium, hielt danach in einer Rechtsanwaltskanzlei mit Schwer- und Angelpunkt Verkehrs- und Unfallrecht an und lenkte sich schließlich 2009 mit einem im Wahlkreis Ludwigsburg direkt erworbenen Parkschein in den Bundestag, wo er sogleich eine Lücke im Verkehrsausschuss fand.
Dort hätte er abgestellt und eingemottet werden können wie die meisten, doch Bilger drückte laut aufs Gas, beispielsweise als mit einer Pkw-Maut das Geld nichtdeutscher Autofahrer abgesaugt werden sollte. Anders als der damalige Verkehrsminister Andreas Scheuer kommt er aber, nachdem der Europäische Gerichtshof das Projekt verschrottet hat, ohne Strafgericht davon.
270 Millionen Euro Schulden blieben beim Steuerzahler hängen – ein Spatz verglichen mit den sauriergroßen Milliarden, die eine andere von Bilger geliebte Baustelle kosten wird, der Riesenbahnhof Stuttgart 21 – kurz für: Fertigstellung 2100.
Sage aber keiner, Bilger schaue nicht aufs Geld, wenn’s nicht das eigene ist! Dass er ein Sparfuchs sein kann, bewies er 2018 beim CDU-Bundesparteitag, als er den Antrag einfädelte, der Deutschen Umwelthilfe DUH die Gemeinnützigkeit abzuerkennen.
Genug! Es gibt auch Positives, seit Bilger als Bundesstraßenmeister, ungenauer: als Bundesverkehrsminister dafür sorgt, dass weiterhin kein Tempolimit die Autobahnen verschandelt und kein Verbrenner-Aus zum Aus der Verbrenner führt – beides träfe das Auto, des Deutschen oft einziges, aber liebstes Kind!
Tunnel unterm Atlantik
Aber Bilger denkt auch nach vorn, wo wegweisende Projekte in Höchstgeschwindigkeit geplant werden. Flugtaxis für den pilotenfreien Luftverkehr und das Fahren ohne Fahrer und Fahrzeug stehen ebenso auf der Agenda wie der schon vor 100 Jahren von Bernhard Kellermann im Roman „Der Tunnel“ entworfene Atlantiktunnel, der außer für die Schiene nun auch für den Autoverkehr geöffnet werden soll – und vielleicht sogar für Schiffe!
Utopisch wirken hingegen die angedachten Fernstraßen zum Mond und zum Mars – noch; denn nach dem erneuerten Bundeswegeplan wird für besonders Eilige bereits an der Weltallumgehungsstraße W1 mit integriertem Schienenstrang auf dem Mittelstreifen gearbeitet.
Nicht zu vergessen: Für den erdgebundenen Individualverkehr wird angesichts des Klimawandels ein neuer VW produziert, das für jeden mittleren Geldbeutel erschwingliche VolksWasserfahrzeug; für Arme und Arbeitslose Volksschnorchel.
Finanziert werden die Projekte nach altem Rezept in öffentlich-privater Partnerschaft: Der Staat schießt vor, die Privatwirtschaft sahnt ab. Ähnlich wie damals – Georg Leber würde sich im Grab drehen, mit begeisternden 6.000 Umdrehungen pro Minute!
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